# taz.de -- Debatte über Subventionsabbau: Rasenmäher oder Heckenschere?
> Der Bund gibt jährlich fast 80 Milliarden Euro für Subventionen aus – und
> braucht Geld. Nun mehren sich radikale Kürzungsvorschläge. Ist das
> sinnvoll?
(IMG) Bild: Radikal kürzen mit dem Rasenmäher ist nicht gut für die Umwelt. Das gilt auch für Subventionen
Bis vor vier Jahren mussten alle Verbraucher:innen sie bezahlen: die
Zulage auf den Strompreis, mit welcher der Ausbau erneuerbarer Energien
finanziert wird. Die Ampelkoalition beschloss, die sogenannte EEG-Umlage
nach dem russischen Angriff auf die Ukraine aus dem Haushalt zu bezahlen,
um die Bürger:innen zu entlasten. Daher taucht sie nun [1][im
Subventionsbericht der Bundesregierung] auf: Stolze 17,2 Milliarden Euro
plant der Bund in diesem Jahr für die Differenz zwischen garantierter
Einspeisevergütung und oft niedrigerem Marktpreis ein. Damit sind
„Zuschüsse zur Entlastung beim Strompreis“ die größte direkte Finanzhilfe
des Staates. Und ein Fall für den Rasenmäher?
Die Wirtschaft kriselt, die Steuereinnahmen sinken entsprechend und Bund,
Länder und Gemeinden müssen sich darauf einstellen, in den nächsten Jahren
erheblich weniger Geld ausgeben zu können – in den öffentlichen Haushalten
werden [2][laut Steuerschätzung jeweils zweistellige Milliardenbeträge]
fehlen. Noch dazu hat sich die schwarz-rote Koalition selbst eine
Einnahmediät verordnet, indem sie die Körperschaftssteuer für Unternehmen
ab 2028 senkt und im kommenden Jahr auch Arbeitnehmer:innen bei der
Einkommenssteuer entlasten will. Die jährlichen Mindereinnahmen allein für
die Unternehmenssteuersenkung beziffert das Netzwerk Steuergerechtigkeit
auf 23 Milliarden Euro, eine Einkommenssteuerreform hätte wohl ähnliche
Dimensionen.
Sparen ist also angesagt. Ein Vorschlag, der immer populärer wird, ist, den
Rasenmäher bei den Subventionen anzusetzen: Von den jährlich knapp 80
Milliarden Euro an Steuervergünstigungen und Finanzhilfen ließen sich doch
problemlos ein paar Prozente wegmähen. Unionsfraktionschef Jens Spahn warf
„ein pauschales Abschmelzen von fünf Prozent“ in den Raum, zwei
Unionsabgeordnete, Yannick Bury und Florian Dorn, hatten zuvor
vorgeschlagen, 15 Prozent der Finanzhilfen zu kürzen. Und zuletzt erwärmte
sich auch SPD-Finanzminister Lars Klingbeil im Podcast „Machtwechsel“ für
die Rasenmähermethode.
Doch ist diese überhaupt sinnvoll? Ökonomen wie der Wirtschaftsweise Achim
Truger haben Zweifel, zumal die Forderungen nach einem „radikalen
Subventionsabbau“ alles andere als neu sind. Truger bewertete schon 1999
entsprechende Vorschläge [3][in einem Gutachten für die Böckler-Stiftung]
als „nicht rational“ und warnte im Falle eines abrupten Abbaus, der „nur
noch der Gegenfinanzierung von teilweise zweifelhaften Steuersenkungs- und
Haushaltskonsolidierungsprogrammen“ dienen soll, vor negativen ökonomischen
und fiskalischen Wirkungen.
## Ansage: Weniger für Klimaschutz
Auch heute konstatiert Truger vor allem „politische Hilflosigkeit“. Die
aktuelle Debatte über die „Rasenmähermethode“ sei getrieben durch eine
Regierung, „die Geld braucht, aber sich eingestehen muss, dass sie keine
Prioritäten setzen will und die Diskussion scheut.“
Truger warnt insbesondere vor pauschalen Kürzungen bei den größten
Finanzhilfen. Neben der EEG-Umlage sind das die Bundesförderung für
effiziente Gebäude (12,1 Milliarden Euro), die Förderung der
Mikroelektronik (5 Milliarden) und die Strompreiskompensation (3
Milliarden). „Die Finanzhilfen sind der Kern der Klima- und
Transformationspolitik. Das wäre die Ansage, wir machen weniger für den
Klimaschutz“, sagt Truger der taz.
Der Subventionsbericht der Bundesregierung unterscheidet zwischen direkten
Finanzhilfen, mit knapp 60 Milliarden Euro der größte Brocken, und
Steuersubventionen. Laut Bericht weisen insbesondere die Finanzhilfen,
nämlich 89 der dort aufgeführten 139, einen positiven Bezug zu den Umwelt-
und Klimaschutzzielen Deutschlands auf. Bei den 107 Steuervergünstigungen
werden indes nur 24 als klimafreundlich eingestuft.
## Größte Steuerermäßigung: Ausnahmen für Firmenerben
Dazu zählt wohl auch die größte Steuervergünstigung, die für
Unternehmenserb:innen. Durch Ausnahmeregelungen bei der Erbschafts- und
Schenkungssteuer entgehen dem Staat laut Subventionsbericht jährlich 8,8
Milliarden Euro.
Für den Finanzexperten der Linksfraktion Christian Görke wäre dies ein
Posten, den man sofort streichen könnte. Ansonsten hält aber auch Görke
wenig von der Rasenmähermethode. „Wenn man die EEG-Umlage oder die
energetische Gebäudesanierung einfach kürzt, schießen wir uns doch selbst
ins Knie“, meint Görke zur taz. Da Einspeisevergütungen vertraglich über 20
Jahre festgeschrieben seien und viele Verträge noch laufen, müsste die
Umlage nach dem Gebäudeenergiegesetz dann wieder von den
Verbraucher:innen bezahlt werden, die ja eigentlich bei der
Einkommenssteuer entlastet werden sollen. „Das wäre das Prinzip rechte
Tasche, linke Tasche“, warnt der Linken-Politiker.
Völlig paradox sei zudem, dass eine Regierung, die gerade neue Subventionen
eingeführt hat, indem sie etwa die Abgaben für Luftverkehr, Agrardiesel und
die Gastronomie gesenkt habe, jetzt fordert, Subventionen pauschal wieder
zu kürzen.
Statt des Rasenmähers wäre die Heckenschere zweckdienlicher, meint der
Grüne Haushaltspolitiker Sebastian Schäfer. So hätte etwa die ermäßigte
Mehrwertsteuer für die Gastronomie „nie eingeführt werden dürfen“. Auch die
Senkung der Ticketsteuer für Flugreisen müsse die Koalition am besten
wieder rückgängig machen.
## Einkommenssteuerreform? Am besten nicht!
Angesichts der steigenden Ausgaben für Verteidigung, die zwar zunächst über
Schulden finanziert werden, aber irgendwann zurückgezahlt werden müssen,
sieht Schäfer auch keinen Spielraum für die von schwarz-rot geplante
Einkommenssteuerreform. „Verteidigung gehört zu den Kernaufgaben des
Staates und sollte nicht dauerhaft über Kredite finanziert werden. Wir
können uns in dieser Situation keine Einkommenssteuerreform leisten, die zu
relevanten Mindereinnahmen führt“, sagt Schäfer.
Andererseits würde eine aufkommensneutrale Reform, also eine, die über
höhere Steuersätze für Topverdienende finanziert wird, kaum Entlastungen
für kleine und mittlere Einkommen bringen. Zumal zwanzig bis dreißig
Prozent der Arbeitnehmer:innen ohnehin keine Steuern zahlen, da sie so
wenig verdienen, dass sie unter der Freibetragsgrenze liegen. Um Menschen
mit geringen Einkommen zu entlasten, wäre es laut Schäfer sinnvoller, die
Beiträge zur Sozialversicherung zu senken. „Davon würden sowohl Unternehmen
als auch Menschen mit geringen Einkommen profitieren.“
Der Wirtschaftsweise Truger sieht es ähnlich und rät dazu, die geplante
Einkommenssteuerreform sofort abzublasen, denn sie sei teuer und würde kaum
Wirkung entfalten. „Es ist vollkommener Wahnsinn bei absehbaren
Haushaltslöchern, noch ein weiteres zu buddeln und sich dann zu fragen, wie
man es wieder zuschütten kann.“
Die Linke hätte da ein paar Vorschläge für neue Geldquellen. Sie fordert
die Reaktivierung der Vermögenssteuer, die Ländern und Kommunen 107
Milliarden Euro im Jahr bescheren würde. Und mittelbar auch den
Bundeshaushalt entlasten würde, da der Finanzminister weniger
Ausgleichszahlungen über den Länderfinanzausgleich leisten müsste. Auch
eine Börsentransaktionssteuer, die rund 27 Milliarden Euro einbringen
könnte, sei überfällig.
Doch obwohl der Finanzminister durchaus Sympathien für letztere hegt – die
CDU ist bislang strikt gegen Steuererhöhungen. Dann bleibt nur, weitere
Ausgaben zu kürzen. Fragt sich nur, wo.
27 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Downloads/Broschueren_Bestellservice/30-subventionsbericht.pdf?__blob=publicationFile&v=8
(DIR) [2] /Steuerschaetzung/!6177102
(DIR) [3] https://www.boeckler.de/pdf/p_wsi_diskp_070.pdf
## AUTOREN
(DIR) Anna Lehmann
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