# taz.de -- Steuerschätzung: Die Steuersenkung wird nicht einfacher
> Der Staat muss mit deutlich weniger Einnahmen rechnen, hauptsächlich
> wegen des Nahostkrieges. Der Spielraum für die geplante Steuerreform
> nimmt ab.
(IMG) Bild: Finanzminister Lars Klingbeil (SPD)
Der Irankrieg hat nachteilige Auswirkungen auf die Finanzen des deutschen
Staates. Die neue Steuerschätzung zeigt, dass die erwarteten Einnahmen in
diesem und im kommenden Jahr wohl erheblich sinken. Die [1][für Anfang 2027
geplante Steuersenkung] zu bezahlen, dürfte für die Regierung aus Union und
SPD damit noch etwas schwieriger werden.
2026 müssen Bund, Länder und Kommunen insgesamt mit rund 17 Milliarden Euro
weniger auskommen als bei der vorhergehenden Schätzung im vergangenen
November ermittelt. Davon schlagen beim Bund knapp 10 Milliarden Euro, bei
den Ländern 3 und bei den Kommunen gut 4 Milliarden Euro Minus zu Buche.
2027 werden im Vergleich zur vergangenen Schätzung etwa 18 Milliarden Euro
fehlen, 10 beim Bund, 3 bei den Ländern und knapp 5 Milliarden Euro bei den
Städten und Gemeinden.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hatte seine Einnahmeerwartung
sowieso schon reduziert. Dafür spielen auch gewisse Steuererleichterungen
eine Rolle – so sank Anfang dieses Jahres etwa die [2][Umsatzsteuer für
Speisen in der Gastronomie]. Vor allem aber macht sich der Krieg im Nahen
Osten bemerkbar, den der Angriff der USA und Israels auf Iran Ende Februar
auslöste. Noch immer ist die [3][Meerenge von Hormus blockiert], sodass der
Weltwirtschaft große Mengen Erdöl, Erdgas und weitere Produkte fehlen. Das
schlägt hierzulande auf die Konjunktur – und damit auf die Steuern, die
Firmen und Privathaushalte entrichten.
Wobei die aktuelle Steuerschätzung die Einbußen des Krieges erst teilweise
abbildet, denn sie basiert auf den Daten vom März. Auf jeden Fall
konterkariert sie die Entwicklung, die sich aus der vergangenen
Steuerschätzung vom November 2025 ablesen ließ. Damals stiegen die
erwarteten Einnahmen, was unter anderem am positiven Effekt [4][des
riesigen Investitionsprogramms lag], das Union und SPD beim Amtsantritt
ihrer Regierung beschlossen hatten.
## Was wird mit den Gutverdienern?
„Für den Bund bringt die aktuelle Steuerschätzung keine Entlastung für die
Aufstellung des Bundeshaushalts 2027“, sagte Bundesfinanzminister
Klingbeil. Diese Aussage betrifft auch den Plan der Steuersenkung.
Im Ziel, kleine und mittlere Einkommen zu entlasten, sind sich die
Regierungsparteien zwar weitgehend einig. Die Frage ist aber, ob hohe
Einkommen ebenfalls profitieren sollen, wie die Union es wünscht – oder ob
[5][Gutverdiener einen Teil der Steuersenkung durch höhere Abgaben
mitfinanzieren], was die SPD präferiert.
Von der Antwort hängt auch ab, wie viele Milliarden im Haushalt 2027 durch
Einsparungen an anderer Stelle zu erwirtschaften sind. Die
Regierungsparteien können sich bisher nicht einigen, welche Ausgaben,
Subventionen oder Finanzhilfen sie kürzen wollen. Das Finanzministerium hat
die Devise ausgegeben, dass die Reform keine Kosten für den Haushalt
verursachen dürfe – was vor dem Hintergrund der neuen Schätzung noch
ernster zu nehmen ist.
## Kommunen unter Druck
Sowieso hat Finanzminister Klingbeil einige Baustellen im Etat 2027. Bisher
wurden [6][nur die Eckpunkte definiert], dazu etliche „Globalpositionen“ im
Umfang von rund 20 Milliarden Euro, die in den Verhandlungen mit anderen
Ministerien erst noch auszubuchstabieren sind. Klingbeil plant Kürzungen
aller Ressortetats um pauschal ein Prozent und rechnet mit weiteren
Einsparungen, indem er etwa die Bundeszuschüsse zu den Sozialversicherungen
verringert.
Die Lage der Städte und Gemeinden ist nicht einfacher. Schon 2025
verzeichneten sie ein Gesamtdefizit von rund 30 Milliarden Euro. Und nun
berichten viele Stadtverwaltungen über Einbrüche zum Beispiel bei der
Gewerbesteuer, die die Finanzprobleme verschärfen.
Öffentliche Ausgaben wie die [7][Instandhaltung und Sanierung von Schulen]
werden oft schon auf das unbedingt Nötige gekürzt. Vor diesem Hintergrund
beschloss das Bundeskabinett unlängst, finanzschwache Kommunen pro Jahr mit
zusätzlichen 250 Millionen Euro zu unterstützen. Man wird sehen, ob das
reicht.
7 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Koalitionsdebatte-ueber-Einkommensteuer/!6173702
(DIR) [2] /Das-aendert-sich-2026/!6141831
(DIR) [3] /Hin-und-Her-im-Irankrieg/!6176769
(DIR) [4] /Sondervermoegen-fuer-Infrastruktur/!6173281
(DIR) [5] /Reformrede-des-SPD-Vorsitzenden/!6165700
(DIR) [6] /Bundeshaushalt-2027/!6174655
(DIR) [7] /Zaehneklappern-im-Klassenzimmer/!6135992
## AUTOREN
(DIR) Hannes Koch
## TAGS
(DIR) Steuerschätzung
(DIR) Haushalt
(DIR) Bundesministerium der Finanzen (BMF)
(DIR) Lars Klingbeil
(DIR) Einkommensteuer
(DIR) John Maynard Keynes
(DIR) Haushalt
(DIR) Steuerreform
(DIR) Investitionen
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Weniger Steuereinnahmen als erwartet: Die Mär vom Ausgabenproblem
Der Staat wird dieses Jahr weniger Steuern einnehmen als erwartet. Viel
wichtiger als die absolute Zahl ist aber die Frage: Wer trägt die
Steuerlast?
(DIR) Bundeshaushalt 2027: Kredite, Krieg und Zucker
Die Bundesregierung beschließt am Mittwoch die Eckwerte für den Haushalt
2027. Die Ausgaben sind so hoch wie noch nie. Einige Probleme zeichnen sich
bereits ab.
(DIR) Koalitionsdebatte über Einkommensteuer: CDU-Steuerreform begünstigt auch Großverdiener
Finanzpolitiker der Union schlagen Entlastung für alle vor. Allerdings soll
die Reichensteuer steigen. Die SPD reagiert freundlich, aber skeptisch.
(DIR) Sondervermögen für Infrastruktur: Kontrolle für Ausgaben soll kommen
Wie investiert der Staat Milliardenkredite des Bundes? Die Regierung plant
ein Kontrollinstrument, der Opposition reicht der Vorschlag aber nicht aus.