# taz.de -- Ministerin Bär gegen Bafög-Erhöhung: „Es wird kein Vollkaskostudium geben“
> Forschungsministerin Dorothee Bär erwartet doch keine schnelle
> Bafög-Reform mehr. Studierende sollen lieber „jobben“ gehen. Nur: tun die
> meisten bereits.
(IMG) Bild: Gönnt keine Bafög-Erhöhung: Ministerin Dorothee Bär von der CSU
dpa/taz | Bundesforschungsministerin Dorothee Bär rechnet nicht mehr mit
einer schnellen [1][Reform der Ausbildungsförderung Bafög]. „Mein Haus hat
alle Weichen gestellt für die Bafög-Reform, und wir sind auch im Zeitplan.
Ich habe aber auch gehört, dass die Reform von den Regierungsfraktionen
nicht mehr unterstützt wird“, sagte die CSU-Politikerin den Zeitungen der
Funke Mediengruppe.
Ein Streit über die Finanzierung der geplanten Bafög-Reform [2][schien noch
Ende April beigelegt] zu sein. Damals war nach Angaben aus der
schwarz-roten Koalition im Zuge der Haushaltsaufstellung eine Einigung
erzielt worden. Man gehe beim Bafög jetzt regulär ins
Gesetzgebungsverfahren, sagte damals eine Sprecherin des
Forschungsministeriums.
## Bafög-Modernisierung im Koalitionsvertrag angekündigt
Im Koalitionsvertrag hatten Union und SPD angekündigt, das Bafög „in einer
großen Novelle“ zu modernisieren. Im ersten Schritt sollte demnach zum
kommenden Wintersemester die im Bafög enthaltene Wohnkostenpauschale für
Studierende, die nicht mehr bei den Eltern wohnen, von derzeit 380 auf 440
Euro im Monat angehoben werden.
Anschließend sollte der sogenannte Bafög-Grundbedarf – aktuell 475 Euro im
Monat – in zwei Schritten zum Wintersemester 2027/2028 und ein Jahr später
dauerhaft an das Niveau der Grundsicherung angepasst werden. Der
eigentliche Bafög-Satz wird immer individuell nach Einkommen der Eltern und
anderen Faktoren berechnet.
Bär zeigte Verständnis für einen möglichen Stopp der Reform. „Wenn
Pflegebedürftige sparen sollen und beim Elterngeld Kürzungen vorgenommen
werden, dann ist nachvollziehbar, dass man nicht gleichzeitig an anderer
Stelle große zusätzliche Leistungen verspricht“, sagte sie. „Politik
besteht eben darin, Prioritäten zu setzen und tragfähige Gesamtpakete zu
schnüren. Und am Ende bringt es auch nichts, Forderungen ins Parlament
einzubringen, von denen man weiß, dass sie keine Mehrheit finden.“
Die Situation für Studierende in Deutschland beschrieb die Ministerin als
sehr privilegiert. „Es gibt keine Studiengebühren, und der Staat ermöglicht
vielen jungen Menschen überhaupt erst ein Studium.“ Es sei „kein Drama,
wenn Studierende neben dem Studium jobben – viele sammeln dabei sogar
wichtige Erfahrungen fürs Leben und den Beruf“, gegebenenfalls in den
Semesterferien. „Es wird kein Vollkaskostudium geben, jeder muss seinen
Teil dazu beitragen“, sagte sie.
Zuvor hatte sich bereits CDU-Fraktionschef Jens Spahn [3][gegen
Verbesserungen beim Bafög ausgesprochen]. Daraufhin hatte Bär die
eigentlich schon geeinigte Bafög-Reform von der Tagesordnung im Kabinett
gestrichen. Danach hatte bereits die Bildungsgewerkschaft GEW ein
Eingreifen gefordert: „Das Bundeskabinett, allen voran Bundeskanzler
Friedrich Merz (CDU), müssen jetzt ein Machtwort sprechen und auf die
Umsetzung der vereinbarten Novelle pochen – BAföG-Reform statt
Sozialabbau“, forderte Andreas Keller, Vorstand der GEW.
## SPD hält an Bafög-Reform fest
Die SPD-Fraktion hält allerdings an der vereinbarten Reform der
Unterstützung für Studierende fest und übt heftige Kritik an einer
anderslautenden Äußerung der CSU-Forschungsministerin. „Da die SPD-Fraktion
geschlossen für die Umsetzung der vereinbarten BAföG-Reform zum Wohle der
Fachkräfte von Morgen steht, sind die Äußerungen von Dorothee Bär schlicht
falsch und nicht zutreffend“, sagt die stellvertretende
SPD-Fraktionsvorsitzende Wiebke Esdar.
„Die Koalitionsfraktionen haben sich gemeinsam auf eine Bafög-Reform
verständigt, die mehr Flexibilität, den Abbau von Bürokratie sowie eine
Erhöhung der Wohnkostenpauschale und Regelsätze vorsieht.“ Diese
Verständigung sei auf Basis des Koalitionsvertrags erfolgt und gelte fort.
„Gemeinsam mit Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) wurde bereits eine
Finanzierung sichergestellt.“
Esdar sagte: „Ich rate der Union dringend, hier kein Chaos zu verursachen
und sich an das zu halten, was nach intensiven und konstruktiven
Verhandlungen gemeinsam vereinbart wurde.“ Eine einseitige Aufkündigung des
Vereinbarten würde dem Standort Deutschland, der auf gut ausgebildeten
Nachwuchs angewiesen sei, schaden und auch der Koalition und der
demokratischen Kultur insgesamt.
## GEW und Linke kritisieren Stopp der Bafög-Reform
Die stellvertretende Linken-Fraktionsvorsitzende Nicole Gohlke
[4][kritisierte in den sozialen Medien] insbesondere, dass
Forschungsministerin Bär die Studierenden als „sehr privilegiert“
bezeichnete, und ihre Aussage, dass „jobben“ neben dem Studium kein Drama
sei: „Wie realitätsfern das ist, zeigt eine repräsentative [5][Umfrage des
Instituts Forsa]: drei von vier Studierenden arbeiten längst neben dem
Studium.“ Ohne Job komme nur durch, wer reiche Eltern hat, und die erhalten
ohnehin kein Bafög – „Bär versucht die Verantwortung für ihr Versagen als
Ministerin an die Studis abzuschieben; aber ihre Verantwortung ist klar: es
werden noch weniger Kinder aus armen Familien studieren“, so Gohlke.
Bär sagte zugleich eine rasche Reform des Wissenschaftszeitvertrag-Gesetzes
zu. Der Gesetzentwurf sei jetzt in die Länder- und Verbändeanhörung
gegangen, die Verhandlungen zwischen Union und SPD liefen gut. Unter
anderem sollten für Erstverträge Mindestvertragslaufzeiten eingeführt
werden.
31 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Studierende-in-Not/!6175172
(DIR) [2] /Studierende-ueber-Bafoeg-Reform/!6178250
(DIR) [3] https://www.tagesspiegel.de/wissen/spahn-auf-sparkurs-absehbar-kein-plus-bei-elterngeld-oder-bafog-15639038.html
(DIR) [4] https://x.com/NicoleGohlke/status/2060997930807345421
(DIR) [5] https://www.forschung-und-lehre.de/lehre/drei-von-vier-studenten-haben-nebenjobs-3192
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