# taz.de -- AfD-Abgrenzungsdebatte in der SPD: Rauchlobbyist gegen Brandmauer
       
       > Torsten Albig war mal Ministerpräsident von Schleswig-Holstein. Heute ist
       > der SPDler Tabaklobbyist – und fordert eine Zusammenarbeit mit der AfD.
       
 (IMG) Bild: Weiß, wie man Schlagzeilen macht: Torsten Albig
       
       Torsten Albig ist zwar lange nicht mehr in politischen Ämtern, aber wie man
       Aufmerksamkeit im politischen Betrieb erhält, weiß der frühere
       schleswig-holsteinische Ministerpräsident noch immer: Über die Neue
       Osnabrücker Zeitung (NOZ) gab er seiner Partei, der SPD, am Wochenende den
       Ratschlag, künftig mit der AfD zusammenzuarbeiten. Man könne nun mal nicht
       so tun, als sei sie „die Ausgeburt der Hölle“, bemerkte der heutige
       Tabak-Lobbyist – was bundesweit in seiner Partei für Entsetzen sorgt.
       
       Bei Wahlergebnissen von 30 Prozent in manchen Bundesländern komme seine
       Partei nicht umhin, einen anderen Umgang mit der AfD zu finden, meint
       Albig. Es gebe schließlich alte Genossen im Ruhrgebiet, die mittlerweile in
       die AfD eingetreten seien – nicht, weil diese Menschen „zu Nazis“ geworden
       seien, sondern weil sie bei der SPD „etwas vermissen würden“.
       
       Angesichts der [1][anstehenden Landtagswahlen etwa in Sachsen-Anhalt] und
       Mecklenburg-Vorpommern sollten sich sowohl SPD als auch CDU auf eine
       Minderheitsregierung unter Tolerierung der AfD einstellen.
       
       „Wahrscheinlich wäre es sogar einfacher, wenn wie in Dänemark
       Sozialdemokraten die Ersten wären, die auch mit den Rechtspopulisten bei
       bestimmten Themen zusammenarbeiten, die unsere Wähler heute in deren Arme
       treiben – wenn also nach der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern beispielsweise
       Manuela Schwesig sagen würde: Ich suche mir meine Mehrheiten im Landtag je
       nach Thema“, sagte Albig der NOZ.
       
       ## Nicht-rauchender Tabaklobbyist
       
       Das könne, glaubt Albig, einerseits die AfD schwächen, andererseits sei
       eine solche Minderheitsregierung sinnvoller als „immer absurdere
       Vielparteienbündnisse“. Ein Festhalten an der [2][Brandmauer-Strategie],
       jegliche Zusammenarbeit mit der AfD auszuschließen, sei jedenfalls unnütz.
       
       Die Reaktionen auf Albigs Äußerungen sind innerhalb der SPD deutlich: Es
       sei verstörend, dass „gerade in diesen Tagen in der Öffentlichkeit die
       sogenannte Brandmauer kritisiert wird“, sagte Ex-Kanzler Olaf Scholz.
       
       Schleswig-Holsteins SPD-Landeschef und Spitzenkandidat für die Landtagswahl
       im April, Ulf Kämpfer, sagte der Deutschen Presse-Agentur, er schätze
       Albig, „aber da hat er sich vollkommen verrannt“. Und der Berliner
       SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach, der im September ebenfalls zur
       Landtagswahl antritt, sagte: „Ich weiß nicht, was Albig raucht, aber es tut
       ihm nicht gut.“
       
       Zigaretten können es jedenfalls nicht sein: So bekannte der heute
       63-Jährige vor ein paar Jahren, es blöd zu finden, Zigaretten zu rauchen.
       Da hatte er gerade den Posten des „Director External Affairs“ beim
       Deutschlandableger des Tabakkonzerns Philip Morris angefangen – und mit
       dieser Äußerung ebenso öffentlichkeitswirksam die Aufmerksamkeit auf den
       Wunsch seines Arbeitgebers gerichtet, E-Zigaretten doch nicht so hoch wie
       normale Zigaretten zu besteuern.
       
       Erfolgreich war er damit etwa in demselben Umfang, wie zum Abschluss seines
       Lebens als Berufspolitiker: Schaffte er es noch 2012 nach der Landtagswahl
       in Schleswig-Holstein vom Posten des Kieler Oberbürgermeisters zum
       Ministerpräsidenten, ging die nachfolgende Wahl 2017 krachend verloren.
       
       Ein kurz vor der Wahl veröffentlichtes Interview mit der Bunten, in dem er
       sich [3][zur Trennung von seiner Frau geäußert hatte,] dürfte da eine Rolle
       gespielt haben: Er habe sich schneller als sie entwickelt, sodass sie nicht
       [4][mehr auf Augenhöhe mit ihm gewesen] sei, hatte Albig betont – und sich
       damit dem Vorwurf ausgesetzt, ein doch arg rückständiges Frauenbild zu
       transportieren.
       
       25 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Wochentaz-Podcast/!6180986
 (DIR) [2] /Gruene-Abstimmungspanne-in-Sachsen/!6179319
 (DIR) [3] /Torsten-Albig-SPD-im-Portrait/!5403456
 (DIR) [4] https://www.sueddeutsche.de/medien/landtagswahl-in-schleswig-holstein-ein-unnoetiger-fehler-1.3496546
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) André Zuschlag
       
       ## TAGS
       
 (DIR) SPD Schleswig-Holstein
 (DIR) Schleswig-Holstein
 (DIR) Schwerpunkt AfD
 (DIR) Brandmauer
 (DIR) Schwerpunkt Antifa
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Europäische Union
 (DIR) Rechtsextremismus
 (DIR) Schwerpunkt AfD
 (DIR) wochentaz
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Verstöße gegen EU-Grundwerte: Überwachungsbehörde nimmt Europapartei der AfD ins Visier
       
       Die AfD gehört der Europapartei ESN an. Verstößt diese gegen Grundwerte der
       EU? Darauf gibt es Hinweise – die Konsequenzen wären hart.
       
 (DIR) AfD und wehrhafte Demokratie: Was tun, wenn es brennt?
       
       Schützt Zivilgesellschaft vor Rechtsextremismus? Oder gar die deutsche
       Exportindustrie? Bei einer Tagung in Hofgeismar gibt es darauf sehr viele
       Antworten.
       
 (DIR) AfD im Visier?: Und wir denken an Walter Lübcke
       
       Die AfD instrumentalisiert Kriminalstatistiken, um sich als Hauptopfer
       politisch motivierter Gewalt zu inszenieren. Doch die Rolle steht ihr nicht
       zu.
       
 (DIR) Umgang mit der AfD: Verdampft noch mal!
       
       Die Wirtschaft steckt in der Krise, die Regierung auch, die AfD steht vor
       der Tür. Warum sind so viele immer noch so gelassen?