# taz.de -- Alican Uludağ vorerst frei: DW-Reporter aus Untersuchungshaft in Türkei entlassen
       
       > Internationale Kritik begleitete den Prozessauftakt gegen einen
       > Deutsche-Welle-Reporter. Seine Zeit in der U-Haft ist nun vorbei, der
       > Prozess jedoch nicht.
       
 (IMG) Bild: Angeklagt wurde der Journalist unter anderem wegen Präsidentenbeleidigung
       
       dpa | Drei Monate nach seiner Verhaftung ist der Deutsche-Welle-Reporter
       Alican Uludağ aus der Untersuchungshaft in der Türkei freigekommen. Zuvor
       hatte ein Gericht in Ankara am ersten Verhandlungstag seine Entlassung
       angeordnet. Der Prozess soll nach Angaben seines Anwalts am 18. September
       fortgesetzt werden.
       
       Angeklagt wurde der Journalist wegen Präsidentenbeleidigung, Verbreitung
       irreführender Informationen und der Herabwürdigung der Türkei in
       wiederholten Fällen. Hintergrund sind unter anderem Äußerungen des
       Journalisten auf der Plattform X.
       
       ## Angeklagter weist Vorwürfe zurück
       
       Uludağ selbst wies alle Vorwürfe von sich. Zum Prozessauftakt sagte er, er
       sei inhaftiert worden, um den Preis für seine journalistische Tätigkeit zu
       zahlen. „Mein Gewissen ist rein“, zitierte ihn die Nachrichtenseite T24. Er
       habe seinen Beruf nicht zu seinem eigenen Vorteil, sondern zum Wohle der
       Öffentlichkeit ausgeübt. Seine Verhaftung bezeichnete er als „Gefahr für
       den Journalismus“.
       
       Uludağ wurde per Video aus dem Istanbuler Gefängnis Silivri zugeschaltet,
       in das er nach seiner Verhaftung überstellt worden war. Dieses Vorgehen
       kritisierte der Co-Vorsitzende der türkischen Anwaltsvereinigung (MLSA),
       Veysel Ok, da es die Grundrechte auf ein faires Verfahren verletze.
       
       ## Uludağ: „Nie die Justizorgane herabgewürdigt“
       
       Bereits in seiner Vernehmung hatte sich Uludağ laut Anklageschrift zu
       seinen Posts auf der Plattform X bekannt, die als Beweismaterial angeführt
       wurden. Jedoch habe er nie die Justizorgane herabgewürdigt, sondern
       gezielte Kritik an konkreten Fällen geübt.
       
       Im Gerichtssaal sagte er laut der [1][Tageszeitung Birgün], es gehe bei
       diesem Verfahren um die Einschränkung der verfassungsmäßig garantierten
       Presse- und Meinungsfreiheit. „Dies ist eine Einschränkung des öffentlichen
       Rechts auf Information“, sagte Uludağ demnach.
       
       ## Sender erleichtert über Freilassung
       
       DW-Intendantin Barbara Massing sei erleichtert über die Freilassung
       Uludağs, hieß es in einer Mitteilung. Er sei 92 Tage lang „grundlos in
       Haft“ gewesen. Es sei aber auch beunruhigend, dass das Verfahren
       fortgesetzt werde. Sie forderte die Einstellung. „Wir stehen weiterhin
       uneingeschränkt hinter ihm und werden uns für seinen Freispruch einsetzen.“
       
       ## Kritik an Festnahme
       
       Zum Auftakt des Prozesses hatte der Deutsche Journalisten-Verband (DJV)
       einen Freispruch für Uludağ gefordert. Die Vorwürfe gegen ihn stützten sich
       unter anderem auf einen Beitrag auf X, in dem er Maßnahmen der türkischen
       Regierung kritisierte. „Das ist keine Beleidigung, sondern kritischer
       Journalismus“, wurde DJV-Bundesvorsitzender Mika Beuster in einer
       Mitteilung zitiert.
       
       Die Türkei belegt in der [2][Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne
       Grenzen] Platz 163 von 180 Staaten. Ein Großteil der Medien in der Türkei
       steht unter direkter oder indirekter Kontrolle der Regierung.
       
       ## Bundesregierung forderte ebenfalls Freilassung
       
       Vor Prozessbeginn hieß es aus dem Auswärtigen Amt auf Anfrage: „Die
       Nachrichten über die Festnahme des DW-Journalisten Alican Uludağ hat in
       Deutschland für Irritation gesorgt. Die Deutsche Welle und ihre Mitarbeiter
       im In- und Ausland leisten wichtige Arbeit.“ Diese Arbeit dürfe nicht
       gefährdet werden. Nach [3][Uludağs Festnahme im Februar] hatte der deutsche
       Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) die Freilassung Uludağs
       gefordert.
       
       22 May 2026
       
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