# taz.de -- Nicht kenntlich gemacht: Ex-„Tagesspiegel“-Chefredakteur wegen KI-Nutzung beurlaubt
       
       > Der „Tagesspiegel“ entbindet Ex-Chefredakteur Stephan-Andreas Casdorff
       > von seinen Aufgaben. Grund: Er ließ Kommentare von KI schreiben und
       > machte das nicht transparent.
       
 (IMG) Bild: Der ehemalige Herausgeber und Chefredakteur des Tagesspiegels: Stephan-Andreas Casdorff
       
       kna/taz Während der Springer-Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner in der
       Welt offenkundig [1][einen mit KI generierten Kommentar] publiziert und
       dies kennzeichnet, hat der Berliner Tagesspiegel seinen früheren
       Chefredakteur und Herausgeber Stephan-Andreas Casdorff mit sofortiger
       Wirkung von seinen Aufgaben entbunden, weil Casdorff mehrfach
       Meinungsartikel mit Hilfe von künstlicher Intelligenz verfasste.
       
       Casdorff, der heute als sogenannter „Editor-at-Large“ für das Blatt
       schreibt, „wird bis auf Weiteres nicht mehr für den Tagesspiegel
       publizistisch aktiv werden“, erklärte das Blatt am Freitagnachmittag. Die
       Entscheidung habe man getroffen, nachdem der Chefredaktion bekannt geworden
       sei, dass der ehemalige Herausgeber und Chefredakteur KI benutzt habe, um
       Meinungstexte zu verfassen.
       
       Man bedauere sehr, diesen Schritt gehen zu müssen, da Casdorff über viele
       Jahre wertvolle Arbeit für den Tagesspiegel geleistet habe, heißt es
       weiter. KI sei auch für die Tagesspiegel-Redaktion ein Werkzeug, [2][um
       einzelne redaktionelle Arbeitsschritte zu vereinfachen oder zu verbessern.]
       „Sie ist aber definitiv kein Mittel, das den Kern unserer Arbeit übernehmen
       darf“, hieß es in der Mitteilung.
       
       ## Casdorff: „Riesenfehler gemacht“
       
       Journalistische Urteilsbildung, Gewichtung von Informationen, analytische
       Einordnung und sprachliche Gestaltung müssten immer in der Verantwortung
       der Autorinnen und Autoren liegen. Es gehe hier um den „Kern der
       journalistischen Glaubwürdigkeit“. Diese sehe man „durch das seit einigen
       Wochen wiederholte Verwenden von KI-erstellten Meinungstexten gefährdet“,
       so die Chefredaktion.
       
       Casdorff wird im Tagesspiegel mit der Bitte um Entschuldigung zitiert: „Ich
       habe einen Riesenfehler gemacht, habe dem Haus geschadet und mir.“ Er habe
       für seine Texte KI genutzt: „Das hätte ich kenntlich machen müssen und sie
       deswegen nicht publizieren dürfen.“
       
       Casdorff arbeitet seit 1999 für das Blatt und war gemeinsam mit Lorenz
       Maroldt von 2004 bis 2018 Tagesspiegel-Chefredakteur und seitdem bis 2024
       einer der Herausgeber des Blattes.
       
       12 Jun 2026
       
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