# taz.de -- Abschiebedeal mit Taliban: Pro Asyl übt scharfe Kritik an der Bundesregierung
> Afghanische Männer erhalten kaum noch Asyl in Deutschland. Die
> Menschenrechtsorganisation Pro Asyl kritisiert das scharf: Deutschland
> ignoriere die Realitäten vor Ort.
(IMG) Bild: Afghanistan, 6. April: ein Sicherheitsmann der Taliban auf Patrouille
afp | Angesichts der Menschenrechtslage in Afghanistan dringt die
Organisation Pro Asyl auf einen sofortigen bundesweiten Abschiebestopp in
das von den radikalislamischen Taliban beherrschte Land. Scharfe Kritik
übte die Menschenrechtsorganisation in einem [1][am Mittwoch in Berlin
veröffentlichten Positionspapier] am Umgang mit Asylanträgen, insbesondere
männlicher, alleinstehender Afghanen. Verwiesen wird auf eine von Anfang
2025 bis Anfang 2026 dramatisch gesunkene Schutzquote – obwohl sich die
Lage in dem Land nicht verbessert habe.
„[2][Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf)] verkennt die
Willkür der Taliban, unterstellt ihnen ein rationales und kalkulierbares
Verfolgungshandeln und prüft kaum das Risiko von Folter oder erniedrigender
Behandlung“, kritisierte Pro Asyl. Dies sei „skandalös“. Außerdem erteile
das Bamf „trotz der desolaten humanitären Lage in dem Land“ zumeist kein
Abschiebungsverbot mehr. Gleichzeitig aber bauten „die Taliban ihre
Herrschaft aus Rechtlosigkeit, Willkür und Brutalität immer weiter aus“.
Laut einer Analyse von Pro Asyl lag die bereinigte Schutzquote bei
asylsuchenden, alleinstehenden afghanischen Männern im Januar 2026 nur noch
bei 16,2 Prozent. Ein Jahr zuvor waren es demnach noch 66,6 Prozent. Die
Gesamtschutzquote afghanischer Asylsuchender lag in den ersten vier Monaten
2026 hingegen bei 89,4 Prozent. Dies liegt der Organisation zufolge an
einem [3][Urteil des Europäischen Gerichtshofs, dem zufolge Frauen aus
Afghanistan] und deren Angehörige grundsätzlich Schutz erhalten müssen.
Pro Asyl kritisierte auch die Aussetzung humanitärer Aufnahmeprogramme
durch die Bundesregierung sowie das Verhindern von Familiennachzug zu
bereits in Deutschland lebenden Schutzberechtigten. „Die Bundesregierung
muss die Lage neu bewerten. Schutzentscheidungen dürfen die aktuelle
menschenrechtliche und dramatische humanitäre Entwicklung in Afghanistan
nicht länger beschönigen und relativieren“, forderte
Pro-Asyl-Geschäftsführerin Helen Rezene.
## Aufwertung
Zudem wendet sich Pro Asyl gegen die von der Regierung forcierten
Abschiebeflüge von Straftätern oder als Gefährder eingestuften Menschen
nach Afghanistan, insbesondere wegen der damit einhergehenden
diplomatischen Aufwertung der Taliban. „Für einen Abschiebedeal
normalisiert Deutschland ein international geächtetes Regime, das Frauen
völlig entrechtet und Oppositionelle systematisch verfolgt. Das ist
menschenrechtlich verheerend und außenpolitisch töricht“, warf Rezene der
Regierung vor.
Pro Asyl fordert vor diesem Hintergrund eine Wende in der
Afghanistan-Politik der Bundesregierung. Neben dem Abschiebestopp fordert
die Organisation auch das Einhalten gegebener Aufnahmeversprechen sowie die
Fortführung von Aufnahmeprogrammen. Das Recht auf Familiennachzug müsse
zeitnah eingelöst werden. Die Taliban müssten „als Verfolger ernst genommen
und jegliche Kooperation mit ihnen eingestellt werden“. Menschen aus
Afghanistan mit einer Duldung in Deutschland müssten „ein effektives
Bleiberecht erhalten, das auch eine Arbeitserlaubnis beinhaltet“.
Die Taliban-Regierung in Afghanistan ist international nicht anerkannt.
Dennoch führt die Bundesregierung inzwischen offizielle Gespräche mit
Taliban-Vertretern und hat diesen auch ermöglicht, konsularische Funktionen
in afghanischen Auslandsvertretungen in Deutschland wahrzunehmen.
Zahlreiche Afghaninnen und Afghanen, denen Deutschland eine Aufnahme
zugesagt hatte, sitzen derzeit in Pakistan fest, nachdem die schwarz-rote
Bundesregierung die Aufnahmeprogramme gestoppt hat. Dies betrifft unter
anderem durch die Taliban bedrohte Menschenrechtsaktivistinnen und
-aktivisten.
20 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.proasyl.de/news/afghanistan-sinkende-schutzquote-ausgesetzte-aufnahme-abschiebungen/
(DIR) [2] https://www.bamf.de/DE/Startseite/startseite_node.html
(DIR) [3] https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/menschenrechtsschutz/datenbanken/rechtsprechungsdatenbank-ius-gender-gewalt/detail/eugh-urteil-vom-04102024-rs-c-60822-und-c-60922-1
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