# taz.de -- Zweifel an Putin in Russland: Die Macht des Kremlchefs wackelt
> Widerspruch aus den eigenen Reihen, die Wirtschaft in der Krise und ein
> Krieg ohne Perspektive. Putin durchlebt die schwersten Wochen seiner
> Amtszeit.
(IMG) Bild: Souvenirshop in Kyjiw: Wladimir Putin wird nicht nur in der Ukraine angefeindet, sondern auch zunehmend im eigenen Land
Es gibt Disziplinen, die nicht aussterben. Dazu gehört zweifellos die
Kreml-Astrologie – ein Begriff, der während des Kalten Krieges geprägt
wurde. Dieser Tage fragen sich viele, wie fest Russlands Präsident Wladimir
Putin noch im Sattel sitzt. Selbst Expert*innen tappen im Dunkeln und
sind bei Antworten zu Recht eher zurückhaltend. Nichtsdestotrotz gibt es
einige Indizien dafür, dass der Kremlchef gerade die schwersten Wochen
seiner Amtszeit durchlebt.
Der Hauptgrund dafür ist Russlands vollumfänglicher Krieg in der Ukraine,
der im Propagandasprech militärische Spezialoperation (SWO) heißt. Und da
läuft es für Moskau suboptimal, um es noch wohlwollend zu formulieren.
Geländegewinne sind, wenn überhaupt, überschaubar und stehen in krassem
Gegensatz zu der Anzahl russischer getöteter und verwundeter Soldaten. Auch
im Donbass holpert es, den komplett einzunehmen immer noch Putins erklärtes
Kriegsziel ist.
Die [1][personellen Ressourcen indes dünnen immer weiter aus]. Ob das
staatliche Angebot [2][eines Schuldenerlasses] in Höhe von umgerechnet bis
zu knapp 120.000 Euro für Männer Motivation genug ist, an die Front zu
gehen, wird sich zeigen. In der russischen Elite wächst die Frustration
über diesen sinnlosen verlustreichen Krieg, und das hörbar, was neu ist.
Der Glaube an einen wie auch immer gearteten Sieg schwindet. Dass
regierungsnahe Militärblogger den Einsatz einer atomar bestückbaren
Oreschnik-Hyperschall-Rakete bei Angriffen auf die ukrainische Hauptstadt
Kyjiw am Pfingstwochenende als „Verzweiflungstat“ bezeichneten, sagt
einiges.
Die Erzählung von der angeblich so robusten Kriegswirtschaft entpuppt sich
allenfalls als Halbwahrheit. Das bekommt vor allem der russische
Mittelstand zu spüren, den eine steigende Steuerlast bei gleichzeitig
sinkender Konsumnachfrage zunehmend unter Druck setzt. Flächendeckende
Internetsperren und Blackouts – angeblich aus Sicherheitsgründen – tun ein
Übriges, um kleinere Betriebe in den Ruin zu treiben.
Insbesondere diese Zwangsmaßnahmen, eine weitere Spielart des Kontrollwahns
à la Putin, treffen auch einen Großteil der Bevölkerung empfindlich.
Folglich machen sich auch hier Zorn und Ärger breit. Spätestens jetzt
dürfte vielen Russ*innen schmerzlich bewusst werden, dass ihr Land einen
Krieg führt, der auch immer stärker ihren eigenen Alltag bestimmt. Um
mögliche Unmutsbekundungen gleich im Keim zu ersticken, tut das Regime das,
was es immer tut: die Repressionen weiter verstärken. Doch ob das auf Dauer
ausreicht?
Eine schwächelnde Wirtschaft, militärische Misserfolge und [3][erste
Absetzbewegungen von Teilen der Elite], die nicht mehr zu übersehen sind:
Wladimir Putin ist deutlich angeschlagen. Seine Zustimmungswerte gehen
immer weiter in den Keller. Aber er fällt nicht – noch nicht. Sollte der
Kipppunkt jedoch erreicht sein, könnte alles ganz schnell gehen.
29 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.deutschlandfunk.de/nato-1-3-millionen-russische-soldaten-getoetet-oder-verletzt-100.html
(DIR) [2] /-Nachrichten-im-Ukrainekrieg-/!6181838
(DIR) [3] /Krieg-in-der-Ukraine/!6181726
## AUTOREN
(DIR) Barbara Oertel
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