# taz.de -- +++ Nachrichten im Ukrainekrieg +++: Benzin wird auf der Krim knapp
> Ölanlagen in Russland und den besetzten Gebieten geraten immer stärker
> unter ukrainischen Beschuss. Die Folgen werden nun auf der Halbinsel Krim
> spürbar.
(IMG) Bild: Autos fahren auf der Krim-Brücke, die das russische Festland und die Halbinsel Krim über die Meerenge von Kertsch nach Restaurierungsarbeiten wieder verbindet
## Nach Drohnenangriffen: Benzin wird auf der Krim knapp
Die Behörden auf der von Russland seit 2014 annektierten Halbinsel Krim
haben nach den ukrainischen Drohnenangriffen auf Ölanlagen Begrenzungen für
die Ausgabe von Benzin eingeführt. Benzin der Marke AI-95 – entspricht
Super in Europa – werde vorrangig an öffentliche und soziale Verkehrsmittel
abgegeben, teilte der von Moskau eingesetzte Statthalter der Region, Sergej
Aksjonow, auf Telegram mit. Normale Bürger könnten den Treibstoff nur mit
Bezugsschein tanken – dann ohne Mengenbegrenzung. Für die Marke AI-92
(Normal) gelte wiederum eine Obergrenze von 20 Litern. „Das Tanken in
Kanister ist verboten“, schrieb Aksjonow zudem. Damit soll offenbar
Hamstern verhindert werden. Seinen Angaben nach gelten die Beschränkungen
zunächst für einen Zeitraum von 30 Tagen. Im Internet kursieren derweil
zahlreiche Videos von langen Schlangen vor den Tankstellen auf der Krim.
Seit Beginn des von Kremlchef Wladimir Putin befohlenen Kriegs gegen die
Ukraine dient die Krim als Versorgungsbasis für [1][die im Süden der
Ukraine angreifenden russischen Truppen]. Daher ist die Halbinsel vermehrt
ins Visier ukrainischer Drohnen- und Raketenangriffe gerückt. Gerade
Ölanlagen geraten zunehmend unter Beschuss. So brennt die Raffinerie in der
Stadt Feodossija seit zwei Tagen. Kyjiws Ziel ist es, die Versorgung der
Besatzungstruppen zu erschweren. (dpa)
## Ukraine meldet Angriffe auf russische Öl-Infrastruktur
Die Ukraine hat nach russischen Angaben in der Nacht Industrie- und
Energieanlagen in mehreren Regionen des Landes angegriffen. Der Gouverneur
der Region Kirow, Alexander Sokolow, berichtet von einer Drohnenattacke auf
eine Anlage im Bezirk Urschumski. Die Region Kirow liegt nordöstlich von
Moskau und rund 1.300 Kilometer von den ukrainisch kontrollierten Gebieten
entfernt. In der Region Saratow sei zivile Infrastruktur beschädigt worden,
teilt Gouverneur Roman Busargin auf dem Kurznachrichtendienst Telegram
mit. Die Region an der Wolga verfügt über mehrere Ölraffinerien und war
schon öfter [2][Ziel ukrainischer Angriffe]. Auch die Gouverneure der an
die Ukraine grenzenden Regionen Rostow, Woronesch und Belgorod melden
Angriffe. In Belgorod seien drei Zivilisten verletzt worden, heißt es.
(rtr)
## Deutsche nehmen an Putins Wirtschaftsforum teil
Nach Jahren der Zurückhaltung aufgrund des Angriffskrieges Russlands gegen
die Ukraine treten deutsche Unternehmer nun erstmals wieder offiziell beim
Wirtschaftsforum in St. Petersburg auf. „Nicht zuletzt für den Moment nach
einem Waffenstillstand wollen wir wie andere große westliche Länder die
wirtschaftliche Brücke nach Russland erhalten und die mehr als 100
Milliarden deutscher Vermögenswerte in Russland schützen“, sagt der
Vorstandsvorsitzende der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer, Matthias
Schepp, der Deutschen Presse-Agentur. Amerikaner und Franzosen waren
bereits seit vorigem Jahr mit einem Business-Dialog präsent. „Der Westen
sollte Russland, seinen großen Markt und seine Rohstoffe nicht auf Dauer
Asien überlassen“, sagt Schepp. [3][Allein die Chinesen] hätten im ersten
Quartal dieses Jahres 1.400 neue Unternehmen in Russland gegründet.
Laut dem Programm des St. Petersburger Internationalen Wirtschaftsforums
(SPIEF) nehmen etwa der in Russland mit der Gruppe EkoNiva tätige
Milchproduzent Stefan Dürr und der langjährige Geschäftsführer der Globus
Holding, Thomas Bruch, an dem Business-Dialog teil. Die Globus-Kette ist
wie etwa 1.600 deutsche Unternehmen nach Angaben der Kammer weiter aktiv in
Russland. Ihr Umsatz lag nach Berechnungen der Kammer bei etwa 20
Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Wegen der westlichen Sanktionen ist
das deutsch-russische Handelsvolumen im vergangenen Jahr allerdings auf
unter zehn Milliarden Euro gesunken. Bis zum Beginn des russischen
Angriffskrieges war Deutschland der größte europäische Handelspartner
Russlands – mit einem Volumen von 59,7 Milliarden Euro 2021 und 80
Milliarden Euro auf dem Höhepunkt im Jahr 2012.
Nach einer neuen Umfrage der Kammer unter ihren 750 Mitgliedern zum
Geschäftsklima planen fast alle Unternehmen ihren Verbleib in Russland,
weil sie den Markt für bedeutsam halten. 75 Prozent der 265 Teilnehmer der
Befragung gaben an, mit der Entwicklung ihres Russlandgeschäfts zufrieden
zu sein – trotz Millioneneinbußen durch die Sanktionen. Zwei Drittel sind
demnach überzeugt, dass die Strafmaßnahmen des Westens die russische
Wirtschaft stark (49 Prozent) oder sehr stark (18) beeinträchtigen. Gut ein
Drittel der Unternehmen meint, dass die westlichen Sanktionen Deutschland
mehr schaden als Russland. Mehr als die Hälfte gab an, dass sie Deutschland
und Russland gleichermaßen schadeten. Auf die Frage „Sollte Deutschland
wieder Gas und Öl aus Russland beziehen?“ antworteten 65 Prozent mit „ja,
je eher, desto besser“ und 31 Prozent mit „ja, aber erst, nachdem die
Waffen in der Ukraine schweigen“.
Bei dem Wirtschaftsforum vom 3. bis 6. Juni ist Kremlchef Wladimir Putin
Gastgeber. Es gibt auch eine Veranstaltung zum Thema Kultur als
Brückenbauer in Krisenzeiten. Daran nehmen nach Angaben der Organisatoren
mehrere Deutsche teil, darunter der Dirigent Justus Frantz, der
AfD-Vorsitzende und Landtagsabgeordnete aus Sachsen, Jörg Urban, der
Berliner Verleger Holger Friedrich und der Filmemacher und Journalist
Hubert Seipel. (dpa)
## IAEA prüft Vorwurf zu Drohnenangriff auf AKW Saporischschja
Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA) hat besorgt auf einen
möglichen Drohneneinschlag in einem Maschinengebäude des russisch besetzten
Atomkraftwerks Saporischschja im Südosten der Ukraine reagiert.
IAEA-Experten vor Ort hätten um Zugang zum betroffenen Kraftwerksgebäude
gebeten, teilte die Organisation auf der Plattform X mit. Demnach wäre es
der erste Drohnenangriff seit April 2024 auf das Kraftwerksgelände. Zuvor
hatten die von Moskau eingesetzte Kraftwerksleitung und der Chef des
staatlichen russischen Atomkonzerns Rosatom, Alexej Lichatschow, über einen
Drohnenangriff auf den Maschinensaal des Reaktors 6 informiert. Sie
lasteten den Vorfall dem ukrainischen Militär an. Dabei soll eine über ein
Glasfaserkabel ferngesteuerte Drohne eingesetzt worden sein. Belege wurden
nicht vorgelegt.
Die ukrainische Armee wies die Vorwürfe zurück und schrieb in einer in
sozialen Netzwerken verbreiteten Stellungnahme von einem Versuch der
„atomaren Erpressung“ durch Russland. Das AKW im südostukrainischen Gebiet
Saporischschja ist mit einer Nennleistung von 6.000 Megawatt das größte
Atomkraftwerk in Europa. Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine im
Februar 2022 geriet das Kraftwerk im Monat darauf unter russische
Kontrolle. Aus Sicherheitsgründen wurden alle sechs Reaktoren abgeschaltet.
Der nahe Fluss Dnipro trennt in der Gegend russische und ukrainische
Truppen. (dpa)
## Selenskyj erneuert Warnung vor massivem russischem Angriff
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat seine Warnung vom Vortag
vor einem neuen massiven russischen Luftangriff wiederholt. „Die
Information des Geheimdienstes über einen möglichen massiven Angriff bleibt
aktuell“, sagte der Staatschef in einer Videobotschaft. Er forderte die
Ukrainer auf, Luftalarme nicht zu ignorieren. Zwar sei die ukrainische
Flugabwehr in Bereitschaft, jedoch räumte Selenskyj Probleme beim
westlichen Nachschub für die Abwehr von ballistischen Raketen und
Marschflugkörpern ein.(dpa)
31 May 2026
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