# taz.de -- Ukrainische Angriffe auf Russland: Rauchsäule über dem Terminal
       
       > Ukrainische Drohnen treffen einen Ölhafen in Sankt Petersburg. Bei einem
       > Angriff auf den russisch besetzten Donezk sterben sieben Menschen.
       
 (IMG) Bild: Der Ölhafen in Sankt Petersburg nach einem ukrainischen Drohnenangriff am Mittwoch
       
       Der laute Knall war bis ins Stadtzentrum von Sankt Petersburg zu hören.
       Kurz darauf folgte ein zweiter. Konstantin (Name geändert), der in einem
       Hochhausviertel rund einen Kilometer Luftlinie von den Ölterminals im Hafen
       wohnt, wachte von dem Lärm auf.
       
       Die am Mittwoch früh gegen 5.30 Uhr an alle Bewohner*innen der
       nördlichen russischen Metropole per SMS versandte Drohnenwarnmeldung hatte
       er da noch gar nicht gesehen. [1][Beim Anblick der vom Terminal
       aufsteigenden imposanten Rauchsäule] drängte sich ihm aber auch so die
       Schlussfolgerung auf, dass der dort lodernde Brand keine Folge eines
       Unfalls war.
       
       Stunden später teilte der Gouverneur des umliegenden Leningrader Gebietes
       Alexander Drosdenko mit, an diesem Morgen seien 59 Kampfdrohnen
       abgeschossen worden. Wie viele davon ihre Ziele hatten ungehindert
       erreichen können, erwähnte er nicht.
       
       Sein Petersburger Amtskollege Alexander Beglow ließ verlauten, dass es
       keine Toten, aber Verletzte gäbe. Diverse Infrastrukturobjekte hätten, das
       war Beglow noch wichtig zu unterstreichen, nach Attacken durch „Drohnen
       ukrainischer Nazis“ Schäden davongetragen.
       
       ## Surrendes Objekt
       
       Kurzum, [2][es handelte sich um einen der schwersten Angriffe auf die
       Millionenstadt seit Beginn des vollumfänglichen russischen Angriffskriegs
       gegen die Ukraine am 22. Februar 2022]. Erneut traf es einen der
       wichtigsten russischen Ölverladehäfen an der Ostsee, nur dieses Mal im
       Stadtgebiet. „Da ist sie, sie fliegt direkt an uns vorbei.“ Auf einem Video
       lässt sich mit Mühe ein surrendes Objekt erkennen, die dazugehörige
       verwunderte Stimme ist die eines jungen Mannes, der wohlweislich sein
       Gesicht nicht vor die Kamera hält. Schon solche Videoaufnahmen sind
       grenzwertig. Beglow erließ ein strenges Verbot von jeglicher Form der
       Veröffentlichung über Drohnenangriffe und deren Folgen.
       
       Angesichts der geltenden gesetzlichen Vorgaben beschränkt sich das
       Petersburger Nachrichtenportal Fontanka nach eigenen Angaben auf die
       Veröffentlichung fragmentarischer Berichte und emotionaler Reaktionen von
       Augenzeug*innen wie die einer jungen Frau und eines Mannes. Sie haben
       von ihrer Wohnung aus freie Sicht auf das riesige Feuer im Ölterminal. „Das
       wird ja richtig warm“, kichert die Frau. „Ja, man kann die Hitze richtig
       spüren“, bestätigt der Mann.
       
       Etliche Frühaufsteher*innen hatten jedenfalls kein Problem damit, das
       Feuerspektakel und den Rauch festzuhalten. Um sich nicht selbst zu
       kompromittieren, schickten sie ihre Fotos an Onlineportale ihrer Wahl, die
       sie ihrer Leser*innenschaft anonym zugänglich machten.
       
       Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj veröffentlichte ein
       Video von dem Brand und dankte seinen Soldat*innen für die
       Treffsicherheit. Militärische Ziele auf der der Stadt vorgelagerten Insel
       Kronstadt, wo die russische Marine einen Stützpunkt unterhält, wurden
       ebenfalls attackiert. Auch dort kam es Bildern nach zu urteilen zu einem
       erheblichen Feuerausbruch.
       
       ## Mit eigenen Augen
       
       Auf der Insel war im Übrigen eine Kulturveranstaltung im Rahmen des
       Internationalen Petersburger Wirtschaftsforums geplant, das vom 3. bis 6.
       Juni stattfindet. Am Mittwoch durften sich die Gäste mit eigenen Augen
       davon überzeugen, was es heißt, sich in einem Krieg führenden Land
       ausgerechnet unter dem Motto „Pragmatischer Dialog – der Weg zu einer
       stabilen Zukunft“ zu treffen.
       
       Auf einem der Telegram-Kanäle von Ksenija Sobtschak, die als Moderatorin
       angekündigt ist, war zumindest der Rauch vom Hafen gut zu sehen. Sobtschak
       ist die Tochter des einstigen Bürgermeisters von Sankt Petersburg,
       Antatolij Sobtschak, als dessen Stellvertreter der heutige Präsident
       Wladimir Putin seinerzeit für den Bereich Außenhandel zuständig war.
       
       Putin wird auf dem Forum erst am kommenden Freitag auf der
       Plenarversammlung mit einem Redebeitrag erwartet. Bis dahin dürfen sich die
       Teilnehmenden an internationalen Prominenten wie der US-amerikanischen
       Influencerin Candace Owens erfreuen – bekannt für ihre
       Verschwörungserzählungen.
       
       ## Konzerte werden abgesagt
       
       Einige Konzerte für ausgewählte Forumsgäste waren indes bereits vor einigen
       Tagen gestrichen worden. Der Mediamanager des Forums, Georgij Lobuschkin,
       begründete dies mit der mündlich an ihn herangetragenen Anweisung, es sei
       nicht angebracht, jetzt zu feiern. Die eingesparten Mittel seien für
       Betroffene eines „Terroranschlags“ in Starobilsk bestimmt.
       
       In der von Russland besetzten Stadt im Gebiet Luhansk waren in der Nacht
       zum 22. Mai nach einem ukrainischen Angriff 21 Menschen ums Leben gekommen.
       Am Mittwoch früh hatte eine ukrainische Drohne im Donezker Gebiet einen
       Reisebus getroffen, der von Moskau auf die annektierte Krim unterwegs war.
       
       Nach Angaben von Denis Puschilin, „Oberhaupt“ der von Russland
       kontrollierten sogenannten Donezker Volksrepublik, sind acht der
       Insass*innen gestorben, rund ein Dutzend sei verletzt worden. Der Bus
       hatte in der Stadt Jenakijewe einen Zwischenstopp gemacht. Die russische
       Nachrichtenagentur Tass berichtete, die Drohne sei in den hinteren Teil des
       Busses eingeschlagen, wo sich die meisten Passagiere befanden.
       
       3 Jun 2026
       
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