# taz.de -- Russische Hyperschallrakete Oreschnik: Hohn und Spott für Wladimir Putin
> Kremlnahe Blogger kritisieren den Einsatz von Hyperschallraketen bei
> russischen Angriffen auf Kyjiw. Das solle von eigenen Misserfolgen
> ablenken.
(IMG) Bild: Kann mit Atomsprengköpfen bestückt werden: Hyperschallrakete Oreschnik, hier eine Transport- und Abschusseinheit bei einer Übung 2023
Dass Russland bei dem schweren Angriff auf die ukrainische Hauptstadt Kyjiw
am Sonntagmorgen auch erneut die Hyperschallrakete Oreschnik eingesetzt
hat, hat Machthaber Wladimir Putin Empörung im Westen und Spott in der
Heimat eingebracht.
[1][Bei dem Angriff auf Kyjiws Stadtzentrum] wurden etwa 300 Gebäude zum
Teil schwer beschädigt. Das ARD-Hörfunk- und Fernsehstudio im
Regierungsbezirk Petschersk ist zu großen Teilen unbenutzbar geworden –
wegen einer massiven Druckwelle explodierender Raketen und Drohnen.
Im Westen wurde besonders der nun bereits dritte Einsatz der
Hyperschallrakete Oreschnik verurteilt: Von „nuklearem Säbelrasseln“ sprach
die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas. Denn die bis zu 6.000 Kilometer weit
mit 12.000 Stundenkilometern fliegende Rakete, die übersetzt „Haselstrauch“
heißt, kann mit mehreren atomaren Sprengköpfen bestückt werden.
Auch russische Militärblogger verurteilten den Einsatz der erstmals im
November 2024 auf die ostukrainische Industriemetropole Dnipro abgefeuerten
Rakete: „Einfach nur sehr teures Eisen in den Boden. Um eines schönen
Bildes willen, an das schon niemand mehr (außer Rentnern) glaubt“, empörte
sich Wladimir Romanow, einer der prorussischen Militärberichterstatter. Die
Oreschnik war im Ort Bila Zerkwa südlich von Kyjiw in einer Garagensiedlung
eingeschlagen.
## Deutliche Verluste
„Der ganze Kern dieser teuren Vergeltungsschläge liegt darin, dass es an
der Front katastrophal an Soldaten und Drohnen mangelt“, schrieb
Militärblogger Anatolij Radow. Er bestätigt damit eine Analyse des
US-Instituts für Kriegsstudien (ISW), das täglich die Lage in der Ukraine
untersucht: [2][Die russische Militärführung könnte einen Schlag gegen
Kyjiw geführt haben, um die Öffentlichkeit von den Misserfolgen auf dem
Schlachtfeld abzulenken und „sowohl dem heimischen als auch dem
ausländischen Publikum Stärke und Macht zu demonstrieren“, so das ISW].
Russische Truppen hatten in den vergangenen Wochen deutliche Verluste von
eroberten Gebieten hinnehmen müssen – obwohl der russische Generalstab das
Gegenteil behauptet. Inzwischen ist die Hauptversorgungsroute für die
okkupierte Halbinsel Krim unter der Kontrolle möglicher ukrainischer
Drohnenangriffe. Es wird damit für Moskau immer schwerer, die für russisch
erklärte Schwarzmeer-Halbinsel zu versorgen.
Zudem hat die Ukraine in den vergangenen Wochen durch Drohnenangriffe auf
Raffinerien und Öltanklager nach unterschiedlichen Angaben zwischen 17 und
37 Prozent der russischen Ölverarbeitungskapazitäten zerstört. In einigen
Regionen kommt es bereits zu Treibstoffmangel.
## Weitere Angriffe angekündigt
Das russische Verteidigungsministerium nannte den „massiven Angriff mit
‚Oreschnik‘-Raketen“ eine „Reaktion auf die Terroranschläge der Ukraine auf
zivile Ziele auf russischem Territorium“. Allerdings werden aus den
Raffinerien auch die russischen Truppen mit Treibstoff versorgt und sie
sind – im Gegensatz zu Kyjiwer Wohnhäusern – damit keine rein zivilen
Einrichtungen.
Russland hat indes am Montag erneut Dnipro mit Raketen und Drohnen
angegriffen, es gab Verletzte. Zudem kündigte das russische
Außenministerium weitere Angriffe auf Kyjiw an.
25 May 2026
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(DIR) Mathias Brüggmann
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