# taz.de -- Russland und Armenien: Säbelrasseln im Südkaukasus
> Jerewan drängt nach Westen, Moskau hält mit einem Ukraine-Szenario
> dagegen. Beliebte Mittel sind die Erpressung mit Energielieferungen und
> ein Importstopp.
(IMG) Bild: Mittlerweile ein distanziertes Verhältnis: Wladimir Putin (r.) und Nikol Paschinjan bei einem Treffen in Moskau im September 2025
Wahlkampf Ost: Russland setzt wieder einmal auf Erpressung mit
Energielieferungen – inmitten der drastischen Verknappung auf den
internationalen Märkten wegen der Sperrung der Straße von Hormus.
Vor der Parlamentswahl [1][in der Kaukasusrepublik Armenien] Ende kommender
Woche droht Moskau dem amtierenden Ministerpräsidenten Nikol Paschinjan mit
dem Abdrehen russischer Öl- und Gaslieferungen, wenn er den Kurs einer
Annäherung an die EU und die USA weiter fortsetze.
„Die fortgesetzten praktischen Schritte zur Vertiefung der Zusammenarbeit
zwischen Armenien und der Europäischen Union sowie das von der armenischen
Regierung bekundete Bestreben, der EU beizutreten“, seien der Grund, warum
Russland nun „bilaterale internationale Verträge“ beenden könne. Das
schrieb der russische Energieminister Sergej Ziwiljow in einem Brief an die
Regierung in Jerewan, der der Moskauer Zeitung Kommersant vorliegt.
Der Hinweis auf die „traditionell engen russisch-armenische Zusammenarbeit
in den Bereichen Handel, Wirtschaft und Investitionen“ seitens des Moskauer
Ministers zielt auf eine 2013 getroffene Grundsatzvereinbarung. Ihr zufolge
bekommt Armenien aus Russland abgabefrei Gas und Benzin unterhalb der
internationalen Marktpreise.
## Putin droht
Nachdem das armenische Parlament im März die Aufnahme von
Beitrittsverhandlungen mit der EU beschlossen hatte, drohte der russische
Machthaber Wladimir Putin, „sich das Schicksal der Ukraine vor Augen zu
halten“. Der Kreml hatte die Ukraine nach der Hinwendung zur EU zunächst
mit einer drastischen Anhebung der Gaspreise bedrängt, Gaslieferungen
teilweise eingestellt und Importe ukrainischer Waren nach Russland
gestoppt.
Seit 2014 und der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim überzieht
Russland sein Nachbarland mit Krieg. Russland hat mit Armenien eine
bilaterale Sicherheitspartnerschaft und unterhält dort eine Militärbasis.
[2][Bei der Eroberung der von Armenien verwalteten Enklave Bergkarabach
durch Aserbaidschan im September 2023 tat Moskau dann allerdings nichts].
Seither strebt Paschinjan nach einer engeren Anbindung an den Westen. Dazu
wurde zuerst in Washington ein Friedensabkommen mit dem Erzfeind
Aserbaidschan unterzeichnet und seither mit dem Nachbarland kooperiert:
Erstmals seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion verkehren wieder Züge
zwischen Armenien und Aserbaidschan. Der Petrostaat liefert Treibstoff in
Richtung Jerewan.
Auf der ebenfalls in Washington vereinbarten [3][„Trump Route for
International Peace and Prosperity“] fahren wieder Züge zwischen dem
aserbaidschanischen Kernland und seiner von armenischem Territorium
umgebenen Exklave Nachitschewan.
## Demonstrativer Besuch
US-Außenminister Marco Rubio besuchte am vergangenen Dienstag demonstrativ
Jerewan und vereinbarte eine strategische Partnerschaft der beiden Länder.
Teil davon, wie auch von Plänen der EU, ist der sogenannte Mittlere
Korridor: eine Bahnverbindung von Asien nach Europa unter Umgehung
Russlands. Teil davon ist eine Zugverbindung, die Armenien, Aserbaidschan,
Georgien und die Türkei umfasst.
Paschinjan hat bereits als Antwort auf Moskaus Drohungen angekündigt, die
für 30 Jahre erteilte Konzession für die russische Staatsbahn RZD zum
Betreiben der armenischen Eisenbahn zu beenden. Russland hatte neben den
Drohungen mit der Einstellung von Energielieferungen bereits wegen
angeblicher Hygienemängel den Import armenischer Waren gestoppt.
Putin drohte Armenien mit dem Ausschluss aus der Eurasischen
Wirtschaftsunion, eines von Moskau geführten Zollfrei-Verbundes ehemaliger
Sowjetrepubliken. Zugleich berichtete das gewöhnlich gut unterrichtete
Internetmagazin „The Insider“ – es hatte auch die Namen der Mörder des
russischen Oppositionsführers Andrei Nawalny enthüllt –, dass der Kreml
hochrangige Agenten nach Armenien entsandt habe. Sie sollen Paschinjans
prorussischen Opponenten zu einem Sieg bei der Wahl am 7. Juni verhelfen.
28 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Mathias Brüggmann
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