# taz.de -- Die Kunst der Woche: Alles überlagert sich
       
       > Farkhondeh Shahroudi und Gülbin Ünlü stellen erstmals bei Barbara Thumm
       > aus. Bei Carlier Gebauer zeigt Nida Sinnokret Skulpturen aus Fundstücken
       > aus Palästina.
       
 (IMG) Bild: Blick in die Ausstellung „Widerruf“ von Farkhondeh Sharoundi bei Barbara Thumm
       
       Einem aus Fahrradschläuchen gewebten Flickenteppich begegnet man derzeit in
       der [1][Galerie Barbara Thumm]. Der Skulptur einer Nachtigall, gefertigt
       aus Teppich. Stoffskulpturen aus Fingerhandschuhen. Einem Pullover,
       gestrickt aus synthetischem Haar, aufgehängt an einem eisernen Gestänge
       neben einem Stein, dessen Titel „Ich mag gestein aber was ich habe ist nur
       ein trümmerstück“ man unbedingt mitlesen sollte. Wie immer [2][bei
       Farkhondeh Shahroudi].
       
       Was deren Kunst ausmacht, ist einerseits der Umgang mit vieldeutigem
       Material, andererseits Sharoudis Methode, Poesie, Skulptur, Malerei und
       Zeichnung zu vermengen. Wie etwa im Fall der Filzstiftzeichnungen aus der
       Serie „Degrees of Freedom“, die von Geistes- und anderen Zuständen und
       Beziehungen zu sich und der Welt erzählen. Dass es mit denen derzeit,
       gelinde gesagt, nicht ganz einfach ist, das spielt die 1962 in Teheran
       geborene Künstlerin durch, schon der Titel der Ausstellung deutet darauf
       hin. „Widerruf“ lautet er.
       
       Gülbin Ünlü, die ebenfalls bei Barbara Thumm ausstellt, hat gerade einen
       Lauf. Ihre Einzelausstellung „Ultrahappy“ in der Münchner Villa Stuck ist
       kürzlich erst zu Ende gegangen. Ebenfalls in München, im [3][Haus der
       Kunst], hat sie Anfang des Monats eine Arbeit am Personaleingang
       installiert. „Mash-up“ nennt die Künstlerin ihre Arbeitsweise, in der sich
       alles überlagert, Malerei, Zeichnung, Fotografie, Druckgrafik, mitunter
       auch Performance und Klang. Oft geht es dabei um die Erfahrung, sich nicht
       ganz zugehörig zu fühlen, an Orten, in Milieus.
       
       Für „Almost Ünlü“ – was so viel wie „fast berühmt“ bedeutet – findet diese
       in Bildern wie aus einem retrofuturistischen Science-Fiction-Film ein Echo.
       Eine KI hat sie generiert, Fake-Fotografien des Dorfs von Ünlüs Großmutter
       in den 1930er Jahren während einer vermeintlichen Alien-Invasion. Ünlü
       kombiniert diese mit Malerei, fragt nach Selbst- und Fremdwahrnehmung,
       Identifikation und Erinnerung.
       
       ## Verletzlichkeit und Resilienz
       
       Nur wenige Meter entfernt bei [4][Carlier Gebauer] hat der palästinensische
       Künstler Nida Sinnokrot Skulpturen im Raum verteilt, zusammengesetzt aus
       Stahlrohren und Dingen, die er in der Nähe von Checkpoints in Palästina
       gefunden hat. Aus kaputten Fußbällen etwa oder Steinen, was sie fast
       körperlich erscheinen lässt. Mahnend stehen sie da, verweisen auf
       Verletzlichkeit und auf Resilienz.
       
       Die Bedeutung von Wasser als Ressource bezeugt wiederum seine zweite
       Werkgruppe, in der er Leitungsrohre, Vasen, Ventile, Megafone puzzleartig
       ineinandersetzt. Wie eine Anordnung von Artefakten aus einem
       archäologischen Museum wirkt das; worum es aber geht, ist das Hier und
       Jetzt.
       
       19 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://bthumm.de/
 (DIR) [2] /Iranische-Kuenstlerin-Farkhondeh-Shahroudi/!5921056
 (DIR) [3] /Fuer-Kinder-im-Muenchener-Haus-der-Kunst/!6167794
 (DIR) [4] https://www.carliergebauer.com/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Beate Scheder
       
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