# taz.de -- Ausweitung der Arbeitszeiten: Vom Generalstreik träumen
> Die Bundesregierung will den Achtstundentag abschaffen. Zeit für die
> Linke, ihre Spaltungen zu überwinden und auf die Barrikaden zu gehen.
(IMG) Bild: Streiken statt streiten
Jetzt will die Bundesregierung auch noch den Achtstundentag abschaffen –
eine der wichtigsten Errungenschaften der Arbeiterbewegung. Liebe Linke,
hört endlich auf, über Israel zu streiten, und geht auf die Barrikaden. Und
zwar sofort!
Denn sonst habt ihr bald weder Zeit für Nahost-Debatten noch für Hobbys
oder Haushalt. Das Arbeitszeitgesetz, das die schwarz-rote Koalition
aufweichen will, erlaubt bisher acht Stunden Lohnarbeit pro Tag, in
Ausnahmen zehn, und wöchentlich nicht mehr als 48 Stunden. Künftig könnten
es bis zu 73,5 werden, also bis zu 12 Stunden und 15 Minuten pro Tag, wie
die Hans-Böckler-Stiftung ausgerechnet hat. Den Gesetzentwurf will die
SPD-Arbeitsministerin Bärbel Bas schon im Juni vorstellen.
Das ist völliger Wahnsinn. Alles, wirklich alles spricht dagegen. Mehr
[1][Lohnarbeit schadet der Gesundheit, dem Klima], Familien, Frauen, der
Volkswirtschaft und selbst ihrer Vollstreckerin: der SPD. Das ist Umfragen
zufolge eine Kleinstpartei, die auch schon mal Arbeiteraufstände
niederschlagen ließ und unter Gerhard Schröder die Hartz-IV-Gesetze
eingeführt hat.
Mitgetragen haben das damals die Grünen, die immerhin nie vorgegeben haben,
eine Partei der arbeitenden Klasse zu sein. Sie wollen vor allem das Klima
retten – dem zu viel Arbeit ebenfalls schadet. Denn Bau-, Fleisch- und
Autoindustrie emittieren massiv CO2. Eine Rebellion gegen die Regierung
haben die Grünen bislang trotzdem nicht gestartet.
Und was ist mit den Gewerkschaften? Die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi, die
beim derzeit tagenden Bundeskongress wiedergewählt werden will, hat im
Deutschlandfunk reagiert: Die Deutschen seien kein „Volk von Faulenzern“,
wie die Koalition es darstelle. Doch zu Massenstreiks oder
Großdemonstrationen ruft Fahimis eng mit der SPD verbandelter Verbund nicht
auf. Auf seiner Webseite findet sich nicht einmal eine Pressemitteilung zur
geplanten Arbeitszeitausweitung. Dabei wünschen sich mehr als [2][80
Prozent der Beschäftigten] nicht mehr, sondern weniger Arbeit – also eine
Viertagewoche.
Während in anderen Ländern angesichts der Angriffe aufs Arbeitsrecht
[3][längst ein Generalstreik ausgebrochen wäre], kann man hierzulande von
entschlossenen Kämpfen – so wie damals für den Achtstundentag – bloß
träumen. Sind es in Wirklichkeit also die deutschen Gewerkschaften, die zu
faul sind?
Immerhin [4][die Linkspartei hat] nun zu Protesten gegen den Sozialraub
aufgerufen. Hoffentlich vergisst die gesellschaftliche Linke ihre
Spaltungen kurz und geht mal wieder gemeinsam für materielle Anliegen auf
die Straße. An die Arbeit, Leute, es wird Zeit!
10 May 2026
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(DIR) Lotte Laloire
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