# taz.de -- Landesparteitag der SPD: „Die CDU zeigt jeden Tag, dass sie es nicht kann“
       
       > Die Berliner SPD geht mit kompaktem Wahlprogramm und Steffen Krach als
       > neuem Parteichef in die Abgeordnetenhauswahl. Und schimpft auf den
       > Koalitionspartner.
       
 (IMG) Bild: Die SPD erreicht in der jüngsten Umfrage nur 14 Prozent. Spitzenkandidat Steffen Kracht beim Parteitag
       
       Sie sind offenbar ziemlich feierfest, die Genossen. Unerwartet pünktlich um
       zehn Uhr startet die Berliner SPD in den zweiten Teil ihres
       Landesparteitags, bei dem sie ihr Programm für die Abgeordnetenhauswahl am
       20. September beschließen. Bis weit nach Mitternacht hatten sie in einem
       nahen Hotel die Wahl ihres Spitzenkandidaten Steffen Krach zum
       Landesvorsitzenden gefeiert – und sich der Hoffnung hingegeben, dass der
       trotz klaren Umfragerückstands Regierender Bürgermeister werden kann.
       
       Den [1][65-seitigen Entwurf des Wahlprogramms] hat die Parteispitze bereits
       vor drei Monaten vorgestellt, damals noch komprimierter auf 57 Seiten, halb
       so lang wie bei früheren Wahlen. Dort steht das Thema Wirtschaft ganz
       vorne. Ein zentraler Satz von Krach damals bei der Pressekonferenz dazu
       lautete: „Wir wollen einen roten Teppich für Unternehmen ausrollen“. Denn,
       das hatte Krach [2][schon einige Wochen zuvor bei anderer Gelegenheit]
       gesagt: „Geht es der Wirtschaft schlecht, haben wir keine Chance.“
       
       Würde er das nun wiederholen, im Parteitagssaal vor rund 250 Delegierten,
       wo manche weniger wirtschaftsfreundlich als er sein könnten? Und würde er
       erneut für Offenheit gegenüber privaten Investoren plädieren, gerade beim
       Wohnungsbau? Um es vorwegzunehmen: Das nicht zu hören sein, als Krach
       später am Mikrofon steht, diesmal nicht im Jacket, sondern im schwarzen
       Kapuzenpulli mit „Hauptstadt“-Schriftzug.
       
       Stattdessen fällt ein anderer besonderer Satz. Sinem Taşan-Funke sagt ihn,
       die wie die anderen bisherigen drei Vize-Landesvorsitzenden eneut für den
       Vorstand kandidiert und auch wieder gewählt wird: „Mit am meisten wurmt
       mich, von welch' provinziellen Dilettanten wir seit ein paar Jahren regiert
       werden.“ Applaus brandet danach auf, als ob ihre Partei derzeit in der
       Opposition wäre und nicht mit der CDU regieren würde. Da hätte man jetzt
       gerne die Gesichter in der ersten Reihe der Delegierten gesehen: Dort
       sitzen genau jene regierenden Senatsmitglieder, die Taşan Funke gerade für
       provinziell und diletantisch erklärt hat.
       
       ## Krach will keine Enteignung von Eigentümern großer Wohnungsbestände
       
       Ihre Vorstandskollegin Rona Tietje, zugleich Jugendstadträtin in Pankow,
       konzentriert sich immerhin auf den Koalitionspartner: „Die CDU zeigt jeden
       Tag, dass sie es nicht kann.“ Die habe „weder das Handwerk dazu noch eine
       Inspiration oder Idee für diese Stadt“, sagt sie über jene Partei, mit der
       die SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus bis zum Sommer [3][noch über ein
       Dutzend Gesetze beschließen will].
       
       Der damit vor allem gemeinte führende CDUler und Regierungschef Kai Wegner
       ist währenddessen dabei, knapp 5 Kilometer entfernt im Tiergarten die
       Hofjägerallee in Helmut-Kohl-Allee umzubenennen. Wobei schon früh morgens
       im RBB-Inforadio Stimmen junger Menschen zu hören waren, die – obwohl in
       Berlin zur Schule gegangen – mit dem Namen des Kanzlers der Einheit
       überhaupt nichts anfangen konnten.
       
       Was nicht konkret im Wahlprogramm steht, das die rund 250
       Parteitagsdelegierten schließlich einstimmig beschließen: Ob die SPD wie
       der mögliche künftige Koalitionspartner Linkspartei Eigentümer großer
       Wohnungsbestände enteignen will oder nicht. Der Programmtext erwähnt zwar
       auf Seite 18 den erfolgreichen Volksentscheid „Deutsche Wohnen und Co.
       Enteignen“. Die SPD verspricht aber nicht, ihn umzusetzen, sondern „eine
       soziale Wohnungsordnung und einen gemeinwohlorientierten Wohnungsmarkt“ zu
       schaffen.
       
       Das soll unter anderem mit einer rechtssicheren Neuauflage des 2021
       gerichtlich gescheiterten Mietendeckels geschehen. Möglich machen könnte
       das eine Gesetzesänderung auf Bundesebene, die SPD-Generalsekretär Tim
       Klüssendorf [4][schon zum Auftakt des Parteitags am Freitagabend] in
       Aussicht stellte. Spitzenkandidat Krach selbst hat sich mehrfach
       festgelegt, dass er keine Enteignung will. Offen bleibt damit, ob ein
       mögliches rot-rot-grünes Bündnis daran scheitern könnte oder Krach dann
       seine Haltung revidieren müsste.
       
       ## Ein Drittel der SPD-Delegierten gegen Olympia-Bewerbung
       
       Leichte Kritik muss sich der SPD-Spitzenkandidat zwischenzeitlich von der
       als Gastrednerin geladenen Landeschefin des Deutschen Gewerkschaftsbundes
       anhören, Katja Karger. Die erinnert daran, dass sich der CDUler Wegner bei
       seinem Bundesparteichef Friedrich Merz für eine Reform der Schuldenbremse
       einsetzte. Karger drängt Krach darum, er solle sagen, wie er dazu steht und
       sich weniger „an dem Regierenden abarbeiten“.
       
       Parteiintern muss Krach zudem die von ihm unterstützte Olympia-Bewerbung
       des schwarz-roten Senats verteidigen. Mehrere Änderungsanträge forderten,
       alle Bezüge dazu komplett aus dem Wahlprogramm zu streichen: Schon die
       Bewerbung sei zu teuer, und die Spiele würden als Eliteprojekt nicht dem
       Breitensport zugute kommen, heißt es ähnlich wie bei Linkspartei und
       Grünen. Krach hingegen wirbt vehement für Olympia: Die Bewerbung sei „eine
       großartige Chance für Berlin“. Die Anträge scheitern zwar, doch bei der
       nicht ausgezählten Abstimmung darüber hebt geschätzt ein Drittel der
       Delegierten die Hand gegen Olympische Spiele.
       
       Neben dem Wahlprogramm gibt es weitere, fast 300 Seiten füllende Anträge.
       Heraus sticht [5][der mit der Nummer 08/II/2025] aus dem Kreisverband
       Mitte. Der drängt darauf, dass die SPD-Vertreter auf allen Ebenen
       Parteibeschlüsse verbindlich umsetzen. Überschrieben ist er mit: „Wozu
       machen wir den Scheiss eigentlich?“
       
       9 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://parteitag.spd.berlin/app/uploads/Antrag_02I2026_Entwurf_Wahlprogramm_Fassung_AK.pdf
 (DIR) [2] /Abgeordnetenhauswahl-2026/!6135234
 (DIR) [3] /Klausurtagung-der-Koalitionsfraktionen/!6172919
 (DIR) [4] /Berliner-SPD-Parteitag/!6177479
 (DIR) [5] https://parteitag.spd.berlin/app/uploads/pdf/I_2026/Antragsbuch-LPT-I-2026-1.pdf
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Stefan Alberti
       
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