# taz.de -- Parteitag der Berliner SPD: Steffen Krach nun auch Parteichef
> Der SPD-Spitzenkandidat setzt auf Hacker und Mietenpolizei und hofft
> trotz Platz 5 in der jüngsten Umfrage auf den Sieg bei der
> Abgeordnetenhauswahl.
(IMG) Bild: Steffen Krach ist nun nicht nur Spitzenkandidat der SPD, sondern steht mit Bettina König auch an der Spitze ihres Landesverbands
Die Umstände könnten durchaus besser sein für einen Landesparteitag der SPD
weniger als vier Monate vor der Abgeordnetenhauswahl am 20. September. Auf
14 Prozent ist die Partei in der jüngsten Umfrage für Berlin abgestürzt,
auf Bundesebene sind es sogar noch zwei Prozentpunkte weniger. Anders als
erhofft zündet es immer noch nicht, Steffen Krach wieder nach Berlin geholt
und zum Spitzenkandidaten gemacht zu haben. Doch die Hoffnung stirbt auch
bei der SPD zuletzt, und auf dem Weg dahin hat die Partei Krach am
Freitagsabend nun auch zu ihrem Landesvorsitzenden gemacht.
Vorgesehen war das nicht, als die SPD Krach [1][Ende August als
Spitzenkandidat vorstellte]. Aber es wurde notwendig, als das erst 2024
gewählte Vorsitz-Duo aus Martin Hikel und Nicola Böcker-Giannini Ende
November zurücktrat. Beide sahen sich von der Partei bei ihren Kandidaturen
nicht ausreichend unterstützt – als Bezirksbürgermeister in Neukölln der
eine, für einen aussichtsreichen Listenplatz fürs Abgeordnetenhaus die
andere.
Zur Einstimmung hat sich die SPD zu ihrem Parteitag am Freitagabend den
Generalsekretär der Bundespartei eingeladen, Tim Klüssendorf. Der wünscht
viel Erfolg und kündigt an: „Du hast jede Unterstützung der Bundespartei“
und „Ich werde mit am Start sein“ – was bei der gegenwärtigen Unbeliebtheit
der Bundes-SPD eher wie eine Drohung wirkt.
Inhaltlich bringt Klüssendorf von der Bundesebene eine Zusage bei einem
Thema, bei dem Krach jüngst Veränderung forderte. Die SPD werde sich „dafür
starkmachen, dass es zu einer Länderöffnungsklausel kommt.“ Die ist nötig,
um erneut, aber dieses Mal rechtssicher einen Mietendeckel einführen zu
können. Ein erster Anlauf 2020 des damaligen rot-rot-grünen Senats
scheiterte, als ihn das Bundesverfassungsgericht ein Jahr später kippte.
Das Land Berlin sei schlicht nicht zuständig, war der Tenor des Urteils –
bei einer Öffnungsklausel wäre das anders.
## Neuer Anlauf für einen Mietendeckel
Krach will als Regierender Bürgermeister einen zweiten Anlauf, er vermisst
ohnehin in der Mietenpolitik mehr Anstrengungen des gegenwärtigen
Regierungschefs Kai Wegner von der CDU. Der weicht ihm, so Krachs
Empfinden, bisher in Diskussionsrunden aus, er sei schwer zu finden. Das
will Krach beenden und macht Wegner gleicht zu Beginn seiner Bewerbungsrede
für den SPD-Landesvorsitz ein Angebot: Er will auch dorthin kommen, wo der
CDUler sicher zu finden sei, auf dem Tennisplatz – Wegner hängt auch nach
vier Monaten weiter an, dass er im Januar zu Beginn des Blackouts eine
Stunde Tennis spielte und das anfangs verschwieg. Er brauche nur die
Adresse, sagte Krach, „dann bin ich jederzeit da“.
Krach verteidigt, dass im Entwurf des Wahlprogramms, das der Parteitag am
Samstag beschließen soll, Wirtschaft ganz vorne steht. Man müsse um jeden
Arbeitsplatz kämpfen, sagt er, und nennt als jüngstes Beispiel dafür den
angekündigten Job-Abbau von 1.200 Stellen und die Schließung der Berliner
Zentrale bei der VW-Tochter IAV.
Beim Großthema Mieten und fehlende Wohnungen – aus Sicht von
Unternehmensverbänden das größte Investitionshindernis in Berlin – lobt
Krach seine Partei für die vor einem Jahr eingerichtete Mietenprüfstelle
und das jüngst mit der CDU verabredete Mietenkataster. Vermieter, die
überteuert vermieten, erinnert er an die Mietenpolizei, [2][die er als
Regierungschef einrichten will] – 100 zusätzliche Kräfte sollen die Bezirke
bei Prüfungen verstärken. Krach empfahl den Vermietern, die nächsten Monate
zu nutzen, die Mieten freiwillig zu senken: „Wenn die Mietenpolizei Anfang
2027 klingelt, wird es richtig teuer.“
Ob das geplante Mietenkataster funktioniert, hängt auch von einer
erfolgreichen Digitalisierung ab. Auch da will Krach einen neuen Weg gehen:
„Ich werde die besten Hacker dieser Stadt ins Rote Rathaus holen, damit sie
die Verwaltung digitalisieren.“
## Krach verspricht mehr Sauberkeit in der Stadt
Den zu Jahresbeginn rund 17.800 Mitglieder starken Landesverband führt der
46-jährige Krach künftig nicht allein, sondern mit der ein Jahr älteren
Bettina König. Die gehört seit 2016 dem Abgeordnetenhaus an und ist in der
SPD-Fraktion für Gesundheitspolitik zuständig. „Damit es besser werden
kann, müssen wir Probleme benennen“, fordert sie gleich mehrfach – bloß tut
sie das selbst nicht. In Berlin viel gehörte Kritik bei den Themen
Sicherheit, Sauberkeit und Zuverlässigkeit von Bus und Bahn kommen in ihrer
Rede nicht vor.
Krach immerhin gibt ein konkretes Versprechen ab: „Nach einem Jahr Steffen
Krach (als Regierungschef, d. taz) wird die Stadt sauberer sein, als sie es
jetzt ist.“ Zu den [3][für die SPD miserablen Umfragen] sagt er: „Ich finde
sie alle Mist.“ Ob 14, 16 oder 17 Prozent, das sei „alles nichts, womit wir
uns zufriedengeben können als Hauptstadt-SPD“. Aber in der jüngsten Umfrage
würden zwischen der CDU auf Platz 1 und der SPD auf Platz 5 derzeit nur
fünf Prozentpunkte liegen. Krach schließt daraus: „Wir können den Wahlsieg
schaffen.“
Mehr Prozente bekommen Krach und König zumindest bei ihrer eigenen Wahl als
neue Parteichefs: 95,1 Prozent Zustimmung unter den rund 250 Delegierten
gibt es für den Spitzenkandidaten, 85,7 Prozent für seine Co-Vorsitzende.
Diese Ergebnisse lassen sich dann bei einer anschließenden Parteiparty
feiern. Die ist mit „Krach machen“ überschrieben – auch die SPD bastelt
inzwischen wie viele Medien Wortspiele aus dem Namen ihres Spitzenmanns.
8 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Abgeordnetenhauswahl-2026/!6106552
(DIR) [2] /Wahlkampf-in-Berlin/!6174740
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## AUTOREN
(DIR) Stefan Alberti
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