# taz.de -- SPD-Landesparteitag: So wird das nichts mit dem Roten Rathaus
> Die SPD wirkt nicht so, als hätte sie durchweg begriffen, worauf es zur
> Wahl ankommt: ihren Spitzenkandidaten Krach zu stützen, statt zu
> attackieren.
(IMG) Bild: Bei der Inszenierung noch Luft nach oben: Steffen Krach
Wollen die’s wirklich? Es wirkt nicht so am Samstag beim
SPD-Landesparteitag in einem Hotel in Mitte. Wenn sie denn alle ihren
Spitzenkandidaten Steffen Krach bei der Abgeordnetenhauswahl am 20.
September tatsächlich ins Rote Rathaus bringen wöllten, dann dürfte es
gerade manches nicht geben. Dann dürfte nicht gut jeder und jede dritte
Delegierte die Hand dafür heben, [1][das Thema Olympa aus dem Wahlprogramm
zu streichen], das Krach so sehr unterstützt. Nicht allzu viel fehlt, Krach
öffentlich heftigst zu beschädigen.
Nicht, dass es in einer Partei keine Diskussionen geben sollte – ein
dauerhafter Kanzler- und Kanzlerinwahlverein wie die CDU zu Zeiten von
Helmut Kohl und Angela Merkel soll da nicht das Vorbild sein. Die Frage ist
bloß: Sind diese Diskussionen ausgerechnet vier Monate vor einer Wahl
angesagt? Geht es da nicht vielmehr darum, nach außen zu zeigen, wie sehr
man vom eigenen Kandidaten begeistert ist?
Dabei hätte die SPD sich nur die Bilder und Berichte vom Parteitag der
Linkspartei zwei Wochen zuvor anschauen müssen. „Eigentlich ist es eher
eine Show“, schrieb die taz dazu. Spitzenkandidatin Elif Eralp kam zu
[2][Hildegard Knefs Ohrwurm von „Berlin, Berlin, die Perle an der Spree“]
auf die Bühne, am Ende wurde eine Konfettikanone geschossen und Dutzende
Genossinnen und Genossen defilierten an ihrer Frontfrau zu den Klängen von
Stadionrock vorbei.
Das muss man in dieser Form nicht mögen, genauso wenig wie Eralps
Botschaften. Aber es ist von ganz klarer Priorisierung geprägt. Es ist ja
nicht so, als ob es in einer Linkspartei, die [3][vom eher
linkspopulistisch agierenden Neuköllner Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak]
bis zum bedächtigen Haushaltspolitiker Steffen Zillich reicht, nicht auch
Streitpunkte gäbe. Aber dort scheint man klar zu sehen, dass sich gerade
eine historisch bisher einmalige Chance auftut: wegen der Schwäche der SPD
erstmals in Berlin nicht nur mitzuregieren, sondern an der Spitze einer
Links-Koalition das Rote Rathaus zu übernehmen.
## Co-Referate statt Konfetti
Selbst die Grünen haben sich Mitte April mehr auf Inszenierung verstanden
als jetzt die SPD, auch wenn weit weniger Mitglieder als gedacht zu ihrem
Parteitag kamen. Statt Spitzenkandidat Werner Graf Knüppel bei seiner
Bewerbung zwischen die Beine zu werfen, kam die Frage danach, ob er schon
einen Workshop zu kritischer Männlichkeit besucht habe, was Graf mit einem
Lächeln bestätigen konnte.
Zwar gab es auch bei den Grünen Delegierte, die aus Ärger über eine ihnen
missfallende Kandidatenliste bei der Schlussabstimmung anders als bei einem
früheren Meinungsbild nicht für Graf stimmten. Aber die manchen immer noch
als alternativ geltenden Grünen können damit letztlich fast noch
kokettieren und sagen: „So sind wir halt.“
Die SPD kann das nicht von sich sagen, sie muss die Seriosität einer
selbsternannten Hauptstadt-Partei nach außen transportieren und so wenig
wie möglich tun, um Aufmerksamkeit von ihrem Spitzenmann abzulenken. Das
tut sie aber nicht. Statt am Freitagabend Krach und die
Landesparlamentarierin Bettina König nach deren Reden zügig [4][als neue
Parteichefs zu wählen], vielleicht auch noch in Linken-Manier Konfetti zu
streuen und schöne Bilder für Fernsehen und Internet zu produzieren, gibt
es nach den Reden der beiden erst mal „Wortmeldungen“.
Nachvollziehbar wäre, wenn das nun Fragen wären. Stattdessen ist nun das zu
hören, was bei einer SPD-Abteilungsversammlung erfunden worden sein muss:
das Co-Referat. Über ein Dutzend Menschen geht ans Mikro, wiederholt im
Kern das, was Krach und König gesagt haben, und versichert sie langatmig
ihrer Unterstützung. Man hält es halt für wichtig, das auch noch mal gesagt
zu haben. Erst danach wird Krach mit sehr guten 95 Prozent gewählt, und
auch König erhält rund 86 Prozent – aber viel zu spät für Live-Bilder in
der RBB-Abendschau
## Olympia ist kein Einzelfall
Am nächsten Vormittag dann [5][Krachs Olympia-Begeisterung zu attackieren],
toppt dieses spezielle Selbstverständnis der SPD-Delegierten noch. Es gibt
zwar keinen offiziellen vorherigen Parteitagsbeschluss, eine
Olympiabewerbung zu unterstützen. Aber nur fünf Tage zuvor haben auch die
SPDler [6][im Senat das Konzept für eine Olympia-Bewerbung mitgetragen].
Jetzt infrage stellen, wofür der eigene Spitzenmann seit September massiv
wirbt?
Aber das reiht sich ein in einen Hang, sich selbst in der Öffentlichkeit
als ganz spezieller Verein darzustellen. In Neukölln den eigenen
Bezirksbürgermeister Martin Hikel mit starkem Ergebnis erneut als Nummer
eins zu nominieren, weil der zumindest außerhalb seines Kreisverbands
beliebt ist? Aber nicht doch, der Mann hat ja in ein, zwei Punkten eine
eigene Haltung vertreten, die den Parteilinken nicht passt.
Das folgende schwache Abstimmungsergebnis nahm Hikel im November zum
Anlass, seine Kandidatur zurückzuziehen und auch sein Amt als
Landesvorsitzender aufzugeben. Was der Grund war, warum Krach überhaupt als
neuer Berliner SPD-Chef einspringen muss. Das ließe sich bis zu den
jüngsten Streitigkeiten über die SPD-Spitzenkandidatur im Bezirk Mitte
fortsetzen.
Noch sind es vier Monate, noch kann sich auch die SPD eine Konfettikanone
besorgen und einen Wahlkampf rocken. Gut, in der Arbeitsgemeinschaft
Sozialdemokratischer Frauen fänden es vielleicht nicht alle so toll, wenn
sich Krach – wie Linken-Spitzenkandidatin Eralp bei einem Konzert am 1. Mai
– mit einer leicht bekleideten Rapperin auf eine Bühne stellen würde. Aber
es gibt ja auch noch das SPD-Mitglied Roland Kaiser. Oder Sebastian
Krumbiegel von den Prinzen, [7][nach eigenen Worten „quasi
SPD-sozialisiert“].
## Die CDU könnte noch mehr schwächeln
Das wäre umso lohnendwerter, weil in der jüngsten Umfrage sogar die lange
weit enteilte CDU in Reichweite ist. Was umso mehr gilt, falls sich in der
Fördergeld-Affäre noch zeigen sollte, dass Regierungschef Kai Wegner mehr
wusste, als er am Donnerstag im Abgeordnetenhaus zugeben mochte. Dann hätte
er erneut – wie beim Thema Tennisspiel zu Beginn des Blackouts – nicht die
ganze Wahrheit gesagt.
Und dann wäre wirklich alles offen. Ob sich aber eine dadurch noch mehr von
der Politik enttäuschte Wählerschaft der mitregierenden SPD zuwendet, ist
fraglich. Weil die zwar einen sauberen Spitzenkandidaten hat, aber bislang
eben keine wirkliche Geschlossenheit vermittelt.
11 May 2026
## LINKS
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(DIR) [7] https://www.stern.de/politik/deutschland/sebastian-krumbiegel--der--prinzen--saenger-im-interview-ueber-den-osten-34995370.html
## AUTOREN
(DIR) Stefan Alberti
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