# taz.de -- Spitzenkandidatenrunde zur Wahl: Doch nicht auf dem Tennisplatz
> SPD-Spitzenmann Krach wollte CDU-Regierungschef Wegner schon beim Sport
> suchen. Nun trafen sie sich doch auf einem Podium mit anderen
> Spitzenleuten.
(IMG) Bild: Kai Wegner will hier bleiben, alle anderen Spitzenkandidaten wollen dort erstmals zum Regieren rein: das Rote Rathaus
Er müsse wohl auf einen Tennisplatz, um Kai Wegner zu treffen, hatte
SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach [1][beim Landesparteitag vor zehn Tagen
noch gelästert], in Anspielung auf das Tennisspiel des CDU-Regierungschefs
zu Beginn des Blackouts im Januar. Denn bisher habe er Wegner bei keiner
Diskussionsrunde angetroffen, der habe sich stets vertreten lassen.
Nun also die Premiere: eine Spitzenkandidatenrunde mit Wegner, ausgerichtet
vom Hotel- und Gaststättenverband Dehoga. Der hat sich dafür zwar keinen
Tennisplatz ausgesucht, aber einen anderen Ort, der stark mit Wegner
verbunden ist: die Räume unter dem Wasserturm auf dem Euref-Campus in
Schöneberg. Dort verhandelte der nicht nur [2][2023 mit den Grünen fast
eine Koalition] herbei – dort begann 2019 das, was ihn später ins Rote
Rathaus führte, mit einer Pressekonferenz zu seinen [3][Ambitionen auf den
CDU-Landesvorsitz].
Dass hier so viel Platz und Muße für Vorrede zum eigentlichen Geschehen bei
der Dehoga-Diskussionsrunde ab dem späten Montagnachmittag ist, soll schon
zeigen: Viel Neues gab es dort nicht – außer den sich verfestigenden
Eindruck, dass im Zentrum dieses begonnenen Wahlkampfes Kai Wegner und Elif
Eralp, die Spitzenkandidatin der Linkspartei, stehen könnten.
Das liegt nicht bloß daran, dass die beiden nebeneinander mittig unter den
fünf Politikgästen auf der Bühne stehen. Es wirkt gelegentlich auch so, als
würden die Antworten der beiden mehr Eindruck hinterlassen als das, was von
den Spitzenkandidaten von SPD und Grünen, Steffen Krach und Bettina
Jarasch, zu hören ist. Nummer fünf ist jemand, der absehbar künftig selten
auf einem solchen Podium zu finden sein wird: Christoph Meyer, der
Spitzenkandidat der FDP.
## SPD-Krach legt sich nicht auf Lieblingskoalition fest
Meyers Partei hat sich in den vergangenen Monaten freuen können, wenn sie
in Wahlumfragen überhaupt noch separat ausgewiesen wurde und nicht unter
„Sonstige“ lief – [4][aktuell ist sie wieder auf 4 Prozent gestiegen].
Meyer war bis 2011 zwei Jahre Fraktionschef im Abgeordnetenhaus und ist
mutmaßlich nur deshalb in dieser Runde, weil die FDP traditionell mehr als
andere Parteien Dehoga-Interessen vertritt.
Die Fragen und Themen an diesem Abend orientieren sich zwar an den
Interessen von Wirten und Hoteliers, berühren aber dennoch die zentralen
Fragen des Landes: fehlende und zu teure Wohnungen und der Ruf nach
Bürokratieabbau. Zum Auflockern gibt es für jeden und jede auf dem Podium
eine Entweder-oder-Frage. Die kann mal durchaus trivial ausfallen und sich
nach Späti-Bier oder erlesenerem Getränk erkundigen. Bei SPD-Mann Krach
aber wird es grundsätzlich: „CDU oder Linke?“, lautet die Frage, die ihm
eine Koalitionspräferenz entlocken soll. „SPD“, antwortet Krach und muss
sich anhören, den Sinn der Frage nicht so richtig verstanden zu haben.
Von Elif Eralp ist zu hören, dass sie die von der Dehoga, aber auch den
anderen in der Runde gescholtene internationale Anbindung des Flughafens
BER „gar nicht so schlecht findet“ und sie diese auch manchmal nutze. Weil
Krach wie Wegner mehr internationale Verbindungen wollen, schlägt der
CDUler ihm gleich vor, gemeinsam auf die Brandenburger Landesregierung
zuzugehen und zusammen etwas anzuschieben.
Krach geht darauf nicht ein und kontert: „Wir können auch gern die Expo
zusammen auf den Weg bringen“ – von Wegner zu sagen, er brenne nicht gerade
für eine [5][Bewerbung für die Weltausstellung], wäre noch eine
Beschönigung. Wie die SPD fände auch Jarasch eine Expo in Berlin sinnig.
Eralp hingegen will ein schlüssiges Finanzierungskonzept abwarten.
## „Jede Regierung wird es sehr schwer haben“
Solches Nicht-aufeinander-Bezugnehmen ist eher die Ausnahme, es bleibt
zumeist beim Abfragen schon gehörter Positionen. Von Jarasch gibt es noch
eine Festlegung, die in ihrer Partei nicht alle teilen dürften: „Man muss
mit Vermieten auch Geld verdienen können.“ Richtung „Elif“, der
Linken-Spitzenkandidatin, sagt Jarasch, dass sie nicht glaube, dass sich
die nötigen neuen Wohnungen vor allem mit den landeseigenen Unternehmen
schaffen lassen.
Jarasch bleibt es auch überlassen, auf das große Problem des sonst nur am
Rande gestreiften Themas des Landeshaushalts einzugehen: 2027 würden 5 bis
6 Milliarden Euro fehlen. „Jede nächste Regierung wird es sehr schwer
haben“, sagt die Grünen-Spitzenkandidatin. Widersprechen mag da niemand.
Nicht an diesem Abend bei der Dehoga – und mutmaßlich auch nicht bei einem
der vielen künftigen Podien der Spitzenkandidaten.
18 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Berliner-SPD-Parteitag/!6177479
(DIR) [2] /Koaltionsbildung-nach-der-Berlin-Wahl/!5915961
(DIR) [3] /Kommentar-zum-CDU-Fuehrungsstreit/!5575640
(DIR) [4] https://www.wahlrecht.de/umfragen/landtage/berlin.htm
(DIR) [5] /Weltausstellung-Expo-2035/!6161345
## AUTOREN
(DIR) Stefan Alberti
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