# taz.de -- Zuckerabgabe und soziale Konsequenzen: Gesellschaftspolitischer Sprengstoff
       
       > Die Zuckerabgabe ist gesundheitspolitisch sinnvoll. Doch wieder einmal
       > bekommen „die da unten“ das Signal, dass ihre Lebensart falsch ist.
       
 (IMG) Bild: Getränk der „Unterschicht“? Biosäfte hingegen werden bei der neuen Zuckerabgabe geschont
       
       Kein Zweifel, die von der Bundesregierung geplante Abgabe auf besonders
       zuckerhaltige Getränke [1][ist gesundheitspolitisch sinnvoll]. Der tägliche
       Konsum einer Ein-Liter-Flasche gelber Limo oder Cola ist eher nicht so
       gesund, nimmt man damit doch gleich mal 100 Gramm Zucker zu sich – das sind
       33 Würfel Zucker.
       
       Doch haben die Pläne eine gesellschaftspolitisch bedenkliche Unwucht.
       Ausdrücklich ausgenommen sind alle anderen Produkte, die viel – versteckten
       – Zucker enthalten. Feinkostsalate – Fleischsalat, Eiersalat, Heringssalat
       – enthalten satte fünf bis zehn Prozent Zucker (der Zuckeranteil ist bei
       ihnen in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter gestiegen, weil es dann
       ja so schön yummy schmeckt und Zucker für die Industrie ein billiger
       Zusatzstoff ist). Und die angeblich so gesunden puren Fruchtsäfte haben
       rund zehn Prozent natürlichen Fruchtzucker, der auf Dauer im Körper genauso
       große Schäden anrichtet wie weißer Zucker. Sie sind damit genauso süß wie
       die Limo.
       
       Es wird natürlich nicht so offen gesagt, aber das ist der Subtext:
       Softdrinks sind das Alltagsgetränk der sogenannten Unterschicht, und durch
       die Abgabe sollen sie endlich kapieren, was für einen Mist sie da trinken.
       Wenn die Mittelschichtseltern für Carlotta und Noah aber den hochpreisigen
       Direktsaft im Biomarkt kaufen, ist das okay, weil die sogenannten
       gebildeten Schichten sich ja im Griff haben. Wenn die Eltern von Selina und
       Mohammed jedoch bei Lidl den Sechserpack Eigenmarkenlimo kaufen, muss der
       Staat eingreifen, denn die Unterschichten haben ihr Leben – so die Lesart –
       nicht im Griff.
       
       Die Abgabe nur für Billiggetränke birgt gesellschaftspolitischen
       Sprengstoff. Wieder einmal bekommen „die da unten“ das Signal mitgegeben,
       [2][dass ihre Lebensart falsch] ist, während die Gebildeten angeblich alles
       richtig machen. Sollten die Pläne nicht auf alles, was süß ist, ausgeweitet
       werden, dürften sie der AfD weitere WählerInnen zuführen.
       
       4 May 2026
       
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 (DIR) [1] /Zuckersteuer-Die-positiven-Effekte-sind-laengst-bewiesen/!6174987
 (DIR) [2] https://www.sueddeutsche.de/kultur/abgehaengte-bevoelkerungsgruppen-afd-waehler-sind-nicht-wirtschaftlich-sondern-kulturell-abgehaengt-1.3675805
       
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