# taz.de -- Drei Jahre Deutschlandticket: Viel Lob und ein bisschen Luft nach oben
> Am 1. Mai 2023 wurde das Deutschlandticket, bundesweit im Nah- und
> Regionalverkehr gültig, eingeführt. Was hat es seitdem gebracht? Eine
> Bilanz.
(IMG) Bild: Im Jahr 2024 hat das Deutschlandticket die CO₂-Emissionen um 2,5 Millionen Tonnen reduziert
Drei Jahre Deutschlandticket. Ein Erfolg, ohne Zweifel – das Ticket ist
„aus dem Alltag von Millionen Menschen nicht mehr wegzudenken“, verkündete
der Bahnlobbyverband Allianz pro Schiene am Mittwoch. Der [1][Verband der
Verkehrsunternehmen (VDV) feiert es] als „die größte Tarifrevolution im
öffentlichen Personennahverkehr“.
Und auch [2][CDU-Verkehrsminister Patrick Schnieder sagte vor Kurzem]: „Das
Deutschlandticket wirkt.“ Es entlaste die Bürger:innen, sei gut fürs Klima
und für den ÖPNV. Und trotzdem gab es in den drei Jahren immer wieder
Rabatz um das Abomodell. Zumindest auf politischer Ebene – denn die Zahl
der Kund:innen kletterte über die Jahre hinweg leicht nach oben:
• Aktuell haben rund 14,6 Millionen Menschen in der Bundesrepublik ein
Deutschlandticket.
• Anfang 2025 waren es [3][laut dem VDV] 13,5 Millionen,
• Anfang 2024 gut 11 Millionen.
Nur knapp 5 Prozent der Kund:innen sind sogenannte
Systemeinsteiger:innen, wie [4][Forscher des Kopernikus-Projekts Ariadne
vor rund einem Jahr bilanziert] haben – also Kund:innen, die vor Einführung
des Deutschlandtickets noch gar nicht mit Bus oder Bahn unterwegs waren.
Knapp die Hälfte der Ticketnutzer:innen hat den Nahverkehr demnach
vorher zwar genutzt, aber nur selten.
## Zwei Preiserhöhungen beim Deutschlandticket
Dass sich der Preis des Tickets innerhalb der drei Jahre schon zwei Mal
geändert hat, schreckte vergleichsweise wenig Kund:innen ab.
• Das Deutschlandticket folgte auf das Pilotprojekt 9-Euro-Ticket und wurde
am 1. Mai 2023 für 49 Euro im Monat eingeführt.
• Anfang 2024 erhöhten Bund, Länder und Verkehrsverbünde den Preis auf 58
Euro.
• Seit Anfang 2025 kostet es monatlich 63 Euro.
Der offizielle Grund für die Preiserhöhungen: die Kosten der
Verkehrsverbünde. Weil das Deutschlandticket preiswerter ist als die
meisten regionalen Aboangebote im Nahverkehr und gleichzeitig mehr Leute
den Nahverkehr nutzen, entgehen ihnen nach eigenen Angaben Einnahmen.
Außerdem seien ihre allgemeinen Kosten für Personal, Energie und Betrieb
des Bus- und Bahnverkehrs inflationsbedingt gestiegen.
Bisher waren Bund und Länder nicht bereit, den Beitrag, den sie zum
Deutschlandticket beisteuern, zu erhöhen – sie finanzieren die Fahrkarte
mit jeweils 1,5 Milliarden Euro im Jahr und stritten immer wieder über die
Zukunft des Deutschlandtickets. Deshalb wurden die Mehrkosten auf die
Kund:innen umgelegt.
Bei ihrem letzten offiziellen Treffen Ende März gaben die
Verkehrsminister:innen des Bundes und der Bundesländer dann bekannt:
Es soll nun Schluss sein mit den politischen Streitigkeiten, [5][für den
Preis solle ein Index – also eine Art mathematische Formel – gelten]. Diese
Formel soll den Monatspreis des Deutschlandtickets jeweils für ein Jahr
festlegen. Die Kosten der Verkehrsverbünde fließen in der Theorie so in die
Formel ein, dass das Ergebnis der Rechnung – also der Ticketpreis – den
wirtschaftlichen Betrieb im Nahverkehr ermöglicht. Welchen Preis genau die
Formel für 2027 ergibt, soll im September bekannt gegeben werden. In ihrem
Koalitionsvertrag hatten Union und SPD versprochen, das Deutschlandticket
bis Ende 2029 zu sichern.
## Landesverkehrsminister:innen fordern stabilen Preis
Die bisherigen Preiserhöhungen auf 58 und dann auf 63 Euro haben nach
Angaben des VDV nur wenige Kund:innen vergrault. Zum Jahreswechsel von
2025 auf 2026 hätten 5,75 Prozent der Nutzer:innen ihr Ticket gekündigt.
Das liege im „normalen Rahmen“, sagte VDV-Präsident Ingo Wortmann im
Januar. Im Jahr zuvor, als der Preis erstmals auf 58 Euro erhöht wurde,
hatten rund acht Prozent der Kund:innen gekündigt.
Ob wirklich Schluss ist mit dem politischen Ringen um ein gutes Angebot,
bleibt jedoch abzuwarten. Angesichts der Energiekrise fordern mehrere
Verkehrsminister:innen laut der Nachrichtenagentur Reuters, den Preis
des Deutschlandtickets von 63 Euro vorerst einzufrieren, statt ihn zum 1.
Januar 2027 zu erhöhen. Der nordrhein-westfälische Verkehrsminister Oliver
Krischer (Grüne) [6][sagte der Rheinischen Post (Donnerstag)], ein stabiler
Preis wäre das richtige Signal in dieser Zeit.
Der öffentliche Nahverkehr dürfe nicht auf der Strecke bleiben, wenn
[7][für Tankrabatte] und [8][die Senkung der Luftverkehrsteuer] Milliarden
mobilisiert würden. Auch der Fahrgastverband Pro Bahn sprach sich für ein
Aussetzen der für 2027 und 2028 vorgesehenen Erhöhungen aus. Die
saarländische Verkehrsministerin Petra Berg (SPD) warnte, der Staat
dürfe nicht Benzin subventionieren, während Bus und Bahn
zusammengestrichen würden.
## Weniger Autofahrten dank Deutschlandticket
Apropos Benzin: In den vergangenen Jahren hat das Deutschlandticket dabei
geholfen, zahlreiche Autofahrten durch Fahrten in den Öffis zu ersetzen.
Das konnten Forscher:innen in mehreren Studien zeigen. Auf Basis von
Mobilfunk- und Autobewegungsdaten [9][errechnete ein zweites Forschungsteam
aus dem Ariadne-Projekt] zum Beispiel, dass allein im Jahr 2023 dank des
Tickets 5 Prozent weniger Kilometer im Auto zurückgelegt wurden. Dadurch
seien 6,5 Millionen Tonnen CO₂ weniger ausgestoßen worden.
Im Jahr 2024 habe das Ticket die CO₂-Emissionen um 2,5 Millionen Tonnen
reduziert, wie [10][verschiedene Forschungsinstitute im Auftrag des
Bundesverkehrsministeriums errrechnet] haben. Die Einsparung entspreche
rund 3 Prozent der Emissionen des gesamten privaten Pkw-Verkehrs.
[11][Verschiedene andere Studien] kommen zu dem Ergebnis, dass 12 bis 16
Prozent aller Fahrten mit dem Deutschlandticket vor Einführung des Abos mit
dem Auto zurückgelegt wurden. Besonders Pendler:innen, die ohne
Deutschlandticket meistens mit dem Auto und nur hin und wieder mit Bus und
Bahn zur Arbeit gefahren waren, ließen mit Deutschlandticket häufiger das
Auto stehen.
Laut einer [12][aktuellen Untersuchung des Deutschen Zentrums für
Schienenverkehrsforschung und des Statistikunternehmens Statista] stieg der
Anteil der Pendelnden, die zumindest einen Teil ihres Arbeitsweges im ÖPNV
hinter sich bringen, von 13,5 Prozent im Jahr 2022 auf 16,6 Prozent im Jahr
2024. Und: Pendler:innen konnten 2024 durchschnittlich 45 Euro im Monat
sparen, wenn sie Bus oder Bahn statt wie noch 2022, vor Einführung des
Tickets, Auto fuhren.
## Sozialticket, Mobilitätsgeld, ÖPNV-Ausbau
In nahezu allen Studien stellen die Wissenschaftler:innen jedoch fest:
Beim Nahverkehrsangebot generell ist noch Luft nach oben. „Es braucht mehr
Linien, engere Taktungen, längere Züge und elektrische Busse“, sagt der taz
auch Jens Hilgenberg, Leiter Verkehrspolitik beim Bund für Umwelt- und
Naturschutz Deutschland (BUND). Die Einführung des Deutschlandtickets nennt
er „die wohl erfolgreichste Maßnahme für die Mobilitätswende“. Trotz
mehrfacher Preiserhöhungen seien 14,6 Millionen Menschen klimafreundlich
unterwegs. Das zeige, „dass die Menschen offen für Alternativen zum eigenen
Auto sind“.
Um Menschen gerade jetzt in Zeiten der Energiekrise zu entlasten und
Kund:innen für Bus und Bahn zu gewinnen, die sich das Ticket bisher nicht
leisten können, fordert Hilgenberg:
• die Einführung eines deutschlandweiten Sozialtickets;
• eine kostenlose Mitnahme von Kindern beim Deutschlandticket, um Familien
zu unterstützen;
• die Einführung eines Mobilitätsgeldes, das – anders als der Tankrabatt
oder eine höhere Pendlerpauschale – besonders Menschen mit geringem
Einkommen zugutekäme.
Bisher hatten die wiederkehrenden Preisdebatten tiefergehende Verhandlungen
über Maßnahmen wie ein Sozialticket untergraben. Noch 2024 fand fast eine
von vier befragten Personen, die das Deutschlandticket bisher nicht nutzte,
den Preis zu hoch. Mehr als ein Drittel kaufte das Monatsabo nicht, weil es
keine passende Verbindung gebe – das geht aus [13][einer Befragung der
Fraunhofer-Allianz Verkehr] hervor.
Andere zusätzliche Regelungen, etwa die Fahrradmitnahme mit dem
Deutschlandticket, gelten bisher nicht bundesweit. Außerdem bestehe noch
Potenzial beim vergünstigten Jobticket, heißt es in der Evalution im
Auftrag des Verkehrsministeriums. Hier hänge der Erfolg noch stark von
einzelnen Arbeitgebern und Verkehrsverbünden ab. Für Studierende gibt es
seit dem Sommersemester 2024 ein bundesweit einheitliches
Deutschlandsemesterticket für aktuell 34,80 Euro im Monat.
1 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.vdv.de/deutschlandticket.aspx
(DIR) [2] https://www.bmv.de/SharedDocs/DE/Pressemitteilungen/2026/027-schnieder-evaluation-deutschlandticket.html
(DIR) [3] https://www.vdv.de/presse.aspx?id=581839fc-dc82-4ffb-a1fc-13310461c6b2&mode=detail&coriander=v3_e9185b62-175b-1ba5-bd91-56418e139d38
(DIR) [4] https://ariadneprojekt.de/publikation/report-faktencheck-deutschlandticket-eine-bestandsaufnahme-der-empirischen-evidenz/
(DIR) [5] /Der-Preis-fuer-das-Deutschlandticket-wird-ab-2027-nicht-mehr-politisch-festgelegt/!6166164
(DIR) [6] https://rp-online.de/politik/deutschland/energiekrise-63-euro-fuers-deutschlandticket-und-dabei-soll-es-bleiben_aid-147568893
(DIR) [7] /Oekonom-ueber-hohe-Energiepreise/!6168140
(DIR) [8] /Flugreisen/!6167064
(DIR) [9] https://ariadneprojekt.de/publikation/ariadne-kompakt-wirkung-des-deutschland-tickets-auf-mobilitaet-und-emissionen/
(DIR) [10] https://www.bmv.de/SharedDocs/DE/Anlage/K/evaluation-deutschlandticket-zwischenbericht.pdf?__blob=publicationFile
(DIR) [11] https://ariadneprojekt.de/publikation/report-faktencheck-deutschlandticket-eine-bestandsaufnahme-der-empirischen-evidenz/
(DIR) [12] https://www.dzsf.bund.de/SharedDocs/Downloads/DZSF/Veroeffentlichungen/Forschungsberichte/2026/ForBe_91_2026_Pendelkosten.pdf?__blob=publicationFile&v=4
(DIR) [13] https://www.google.com/url?sa=t&source=web&rct=j&opi=89978449&url=https://www.verkehr.fraunhofer.de/content/dam/verkehr/de/documents/people-mobility/Deutschlandticket-Studie-2024.pdf&ved=2ahUKEwiXzM2xqpWUAxXtRvEDHWhEIiQQFnoECCQQAQ&usg=AOvVaw3RYh4GPKosvyYpGvmE3z_Q
## AUTOREN
(DIR) Nanja Boenisch
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