# taz.de -- Verkehrsminister zieht Bilanz: Ein Jahr Schnieder, aber keine Partylaune
> Engpässe bei Sprit schließt der Verkehrsminister nicht aus, Tempolimit
> lehnt er ab, die Bahnchefin findet er gut. Greenpeace legt
> Kerosinsparpläne vor.
(IMG) Bild: Schnieder hat vor einem Jahr seine Arbeit als Bundesverkehrsminister aufgenommen
Stolz zeigte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) zum ersten
Jahrestag seiner Ernennung bei einer Pressekonferenz am Dienstag Bilder von
diesem ersten Tag im Amt. Doch nach Feiern war ihm nicht zumute. Zu viele
Probleme gibt es in seinem Ressort. Aktuell interessieren die
Öffentlichkeit vor allem die [1][hohen Spritpreise] – und die Versorgung
mit Kerosin, Diesel und Benzin. So verteidigte Schnieder erneut den von
Ökonomen [2][stark kritisierten zweimonatigen Tankrabatt].
Und sogar eine Verlängerung schloss er nicht ganz aus, sollte die
[3][angespannte Lage auf den Ölmärkten] anhalten. Ihm gehe es dabei vor
allem um eine Unterstützung des Transportgewerbes. Aber: „Wir werden nicht
alles auf Dauer abfedern können“, räumte Schnieder ein.
Derzeit gibt es in Deutschland zumindest keine Versorgungsengpässe. „Eine
physische Knappheit ist nicht auszuschließen“, schränkte er mit Blick auf
den ungewissen Fortgang der Ereignisse am Golf ein. Doch weitere Maßnahmen,
etwa ein Tempolimit zum Spritsparen, hält Schnieder nicht für notwendig:
Die Bürger bräuchten keine „Nanny“, die sie vom Rasen auf der Autobahn
abhalte.
Bereits jetzt werde langsamer gefahren, mehr Leute stiegen auf öffentliche
Verkehrsmittel um, betonte der Minister. Dabei zeichnet sich beim
Flugbenzin bereits eine Mangellage ab, vor allem in Asien. Hierzulande
reicht das Kerosin noch für einige Zeit. Greenpeace schlug am Dienstag vor,
wie leicht es wäre, in diesem Bereich kräftig zu sparen. Deutschland könne
den Kerosinverbrauch um 38 Prozent senken, [4][errechnete die
Umweltorganisation]. Fünf Maßnahmen sollen das bewirken. So sollten die
First- und Business-Class für Economy-Kunden genutzt werden. Privatjet- und
Inlandsflüge könnten gestrichen, kürzere europäische Flugverbindungen durch
Bahnfahrten ersetzt werden. Auch der Verzicht auf Geschäftsreisen spare
Flugbenzin.
## Bahn angeblich bereits sauberer und sicherer geworden
Vorschläge, die Schnieder ablehnt. Lieber redet er an diesem Dienstag über
ein angeblich eingeleitetes „Comeback der Infrastruktur“. 170 Milliarden
Euro stehen in dieser Legislaturperiode für die Modernisierung der Netze
zur Verfügung, davon 106 Milliarden für Schienenwege. „Wir haben einen
enormen Nachholbedarf“, betonte Schnieder. Gleichzeitig dämpfte er die
Erwartung an eine schnelle Besserung im Bahnsektor. Immerhin sei die Bahn
durch sein Sofortprogramm bereits sauberer und sicherer geworden.
Nicht nur sich selbst, auch Bahnchefin Evelyn Palla lobte Schnieder. „Den
Konzernumbau geht Frau Palla konsequent an“, stellte der Minister fest.
Allerdings trübt der Tod eines Zugbegleiters infolge des Angriffs eines
Fahrgastes das Bild. Mit einer Kampagne unter dem Titel „#mehrAchtung“ will
die Bahn nun für mehr Respekt werben. „Die Würde des Menschen ist
unantastbar – auch für alle in Uniform“, heißt es auf einem der drei
Plakatmotive.
„Sinkende Hemmschwellen verbunden mit einer erhöhten Gewaltbereitschaft
sind ein gesamtgesellschaftliches Problem“, erläutert Heike Moll,
Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates. Die Kampagne werde für mehr Sicherheit
sorgen.
## Langsame Digitalisierung der Schiene
Weitere Baustellen bei der Bahn: Neben einer verbesserten Zuverlässigkeit
muss das Trassenpreissystem neu aufgestellt werden, weil der Europäische
Gerichtshof die bisherige Regelung gekippt hat. Schnieder kündigte ein
neues Preissystem für das kommende Jahr an. Auch eine Eigentümerstrategie
für die Deutsche Bahn fehlt noch. Wann der Bund seine Vorstellungen über
Ziele und Arbeit des Konzerns vorlegt, lies der Minister jedoch offen.
Verärgert zeigte sich Schnieder über die zu langsame Digitalisierung der
Schiene. Vorhandene Investitionsmittel seien nicht abgerufen worden. Warum
das so ist, will das Ministerium nun im Gespräch mit der Bahn und
ausführenden Unternehmen herausfinden. Die Ausstattung mit dem europäischen
Zugsteuerungssystem ETCS gilt als ein Schlüssel für einen zuverlässigeren
Verkehr und eine höhere Kapazität im überlasteten Schienennetz.
Dagegen ist ein anderes Vorhaben allmählich auf der Zielgeraden. Der
Führerschein soll billiger werden. Dafür will der Minister das Regelwerk
entschlacken. Auch soll ein Teil der Fahrpraxis künftig im Auto von
Angehörigen – also ohne Fahrlehrer – erworben werden können. Alle
Bundesländer würden diese Laienausbildung ausprobieren, sagte Schnieder.
Wenn sein Gesetz von Bundestag und Bundesrat beschlossen wird, kann die
Reform Anfang 2027 in Kraft treten.
6 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] /EU-Kommission-zur-Energiekrise/!6172966
(DIR) [2] /Geplanter-Tankrabatt-Industrievertreter-und-Umweltverbaende-enttaeuscht/!6170183
(DIR) [3] /Debatte/!6168226&s=tempolimit/
(DIR) [4] https://www.greenpeace.de/klimaschutz/mobilitaet/mit-dem-privatjet-in-den-urlaub
## AUTOREN
(DIR) Wolfgang Mulke
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