# taz.de -- Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern: CDU stellt sich quer bei Anti-AfD-Gesetz
       
       > Nach der Wahl könnte die AfD in Mecklenburg-Vorpommern das
       > Verfassungsgericht blockieren. SPD, Linke und Grüne wollen das
       > verhindern. Die CDU nicht.
       
 (IMG) Bild: Voll unnervös: Daniel Peters, Spitzenkandidat, Landes- und Fraktionschef der CDU Mecklenburg-Vorpommern
       
       Die Zeit wird knapp. In weniger als fünf Monaten wird in
       Mecklenburg-Vorpommern ein neuer Landtag gewählt. Umfragen zufolge könnte
       die AfD im September stärkste Kraft werden. Aber auch falls das nicht
       passiert: Sollte die extrem rechte Partei nach der Wahl mehr als ein
       Drittel der Sitze im Schweriner Parlament besetzen, kann sie dann auch im
       Nordosten machen, was sie schon seit Jahren in Thüringen vorexerziert:
       [1][parlamentarische Prozesse blockieren und sabotieren].
       
       Genau das soll in Mecklenburg-Vorpommern nun verhindert werden. „Wir sehen,
       wie rechtspopulistische Kräfte gezielt Institutionen schwächen, wenn sie
       die Möglichkeit dazu haben“, sagt Julian Barlen, der SPD-Fraktionschef im
       Landtag. Auch mit Blick auf das Agieren der AfD in Thüringen gelte es
       daher, „unseren Rechtsstaat vorausschauend zu schützen, solange wir es
       können“, so Barlen zur taz.
       
       Konkret will sich Mecklenburg-Vorpommern dagegen absichern, dass die AfD
       das Landesverfassungsgericht lahmlegt. In der kommenden Woche soll der
       Landtag erstmals über einen entsprechenden Gesetzentwurf zur Änderung der
       Landesverfassung beraten, der von der rot-roten Koalition von
       SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und den oppositionellen Grünen
       eingebracht wird.
       
       Das Gesetz kommt nicht nur reichlich spät. Bereits Anfang Juli werden sich
       die Landtagsabgeordneten in die Sommerpause und die heiße Wahlkampfphase
       verabschieden. Vor allem aber braucht es für eine Verfassungsänderung eine
       Zweidrittelmehrheit, für die SPD, Linke und Grüne auf die CDU angewiesen
       sind – und die stellt sich quer.
       
       ## CDU: Macht euch mal locker
       
       Er verstehe ja die Sorgen vor einer immer weiter erstarkenden AfD, sagt
       CDU-Landes- und Fraktionschef Daniel Peters zur taz. Aber: „Die Nervosität
       des Augenblicks ist kein Maßstab für die Ewigkeit.“ Demokratie-Resilienz
       entstehe nicht „durch immer höhere Schutzwälle, sondern durch das Vertrauen
       der Bürger“. Und überhaupt, so Peters: „Wir müssen unseren Institutionen
       zutrauen, auch schwierige Phasen in ihrer jetzigen Form zu überstehen.“
       
       Dass die CDU in Sachsen-Anhalt – wo die AfD bei den Wahlen im September in
       gleichem Maße abräumen dürfte – [2][gerade federführend eine vorbeugende
       Verfassungs- und Parlamentsreform mitgetragen] hat, ficht den
       Landesparteichef nicht an. In Mecklenburg-Vorpommern gebe es „eine andere
       politische Dynamik“, sagt Peters. „Hier instrumentalisiert die SPD das
       Thema für einen Polarisierungswahlkampf, der vor allem dem politischen
       Überleben der Ministerpräsidentin dienen soll. Das ist demokratisch dünn.“
       
       Die Grünen-Spitzenkandidatin für die Landtagswahl, Claudia Müller, hält
       ihrerseits die Begründung der Union für reichlich dünn. „Die CDU
       Mecklenburg-Vorpommern operiert mit halbseidenen Scheinargumenten, um sich
       dem Anliegen zu entziehen“, sagt Müller und appelliert: „Es geht hier um
       Verantwortung für unser Land.“ Das Thema sei „zu wichtig für
       parteipolitisches Taktieren“, sagt auch SPD-Fraktionschef Julian Barlen.
       
       Wo CDU-Mann Peters immerhin recht hat: Tatsächlich wird Regierungschefin
       Manuela Schwesig [3][absehbar einen Wahlkampf fahren, der auf einfache
       Botschaften hinausläuft]: ich oder die AfD, Stabilität oder Chaos.
       Nämliches hatte 2024 SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke bei der Wahl in
       Brandenburg vorgemacht. Woidke war damit erfolgreich und [4][lag am Ende
       vor der AfD]. Der Schönheitsfehler für alle anderen demokratischen Parteien
       damals: Sie gingen komplett unter. [5][Auch die CDU Brandenburg.]
       
       Gleiches droht der Partei in Mecklenburg-Vorpommern. In der SPD heißt es:
       Deshalb gerieren sich Peters und sein Trupp jetzt als Trotzköpfchen. Peters
       ist auch Spitzenkandidat der CDU Mecklenburg-Vorpommern für die Wahl am 20.
       September.
       
       ## Eher Reförmchen als großer Wurf
       
       Dabei ist das, was SPD, Linke und Grüne als Gesetzentwurf gegen eine
       „Blockadegefahr durch eine autoritär-populistische Sperrminorität“
       vorgelegt haben, verglichen etwa mit der in Sachsen-Anhalt beschlossenen
       Anti-AfD-Initiative eher ein kleines Reförmchen denn ein großer Wurf. Er
       beschränkt sich allein auf die Hürden für die Wahl der
       Verfassungsrichter:innen.
       
       Aktuell können die Mitglieder des Landesverfassungsgerichts nur mit einer
       Zweidrittelmehrheit vom Landtag gewählt werden. Das sei auch „sinnvoll und
       wichtig“, heißt es im Gesetzentwurf. Nur werde es „bei schwierigen
       Mehrheitsverhältnissen dazu führen, dass die Wahl der Mitglieder sehr lange
       dauert oder gar nicht gelingt“.
       
       Hier nun soll ein Ersatzwahlmechanismus für die Richter:innen greifen:
       Bei einer andauernden Blockade im Landtag schlägt das Verfassungsgericht
       selbst drei Kandidat:innen für das neu zu besetzende Amt vor. Aus
       diesen Vorschlägen kann das Landesparlament dann wählen – wobei die
       absolute Mehrheit der Stimmen ausreicht.
       
       So weit, so klar. Doch ursprünglich stand mal ein weit umfassenderer
       Aufschlag im Raum. So sollte auch die Frist zur Wahl der
       Ministerpräsidentin oder des Ministerpräsidenten von derzeit vier Wochen
       nach Zusammentritt des neuen Landtages auf drei Monate verlängert werden,
       um bei schwierigen Koalitionsverhandlungen nicht vorschnell in Neuwahlen zu
       stolpern. Das ist längst vom Tisch. Ebenso die von den Grünen geforderte
       Absicherung des Landesrechnungshofs und der Landeszentrale für politische
       Bildung.
       
       ## Bewusst abgespeckter Gesetzentwurf
       
       SPD-Mann Julian Barlen sagt, da mit der CDU für diesen „breiter angelegten
       Ansatz“ auch nach Monaten der Diskussion keine Einigung möglich war, „haben
       wir unseren Vorschlag für den neuen und zugleich letzten Anlauf bewusst auf
       den Kern und das drängendste Thema konzentriert: den besseren Schutz des
       Landesverfassungsgerichts“.
       
       Können sie gern machen, interessiert uns aber nicht, erwidert CDU-Chef
       Daniel Peters: „Auch ein reduzierter Entwurf ändert nichts daran, dass die
       Verfassungsstatik verändert werden soll.“ Und da gehe die CDU nicht mit.
       Ende der Durchsage. Die Fronten sind verhärtet. Dass es in den drei
       verbliebenen Sitzungswochen noch zu einer Annäherung kommt, scheint wenig
       wahrscheinlich.
       
       Gewinner des Parteienstreits dürfte mal wieder die AfD sein. Bar jeder
       Fakten raunte AfD-Fraktionschef Nikolaus Kramer schon von einer
       „Einheitsfront“ der anderen Parteien. „Mit den vorgelegten Ideen
       unterstreicht Rot-Rot ihr problematisches Verhältnis zu einem
       demokratischen Machtwechsel“, erklärte Kramer.
       
       Immerhin: Von besagtem Machtwechsel ist die extrem rechte Partei inzwischen
       ein Stück weit entfernt. Wurde sie in Umfragen vor einem halben Jahr noch
       auf bis zu 40 Prozent taxiert, ist sie mittlerweile auf 34 Prozent
       abgesackt. Für ein Lahmlegen der Institutionen des Rechtsstaats würde
       freilich auch das genügen.
       
       30 Apr 2026
       
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