# taz.de -- AfD in Mecklenburg-Vorpommern: Nette Fassade, völkischer Kern
       
       > In Mecklenburg-Vorpommern setzt die AfD vor der Landtagswahl auf
       > moderates Spitzenpersonal – und auf zutiefst völkisch-nationalistische
       > Politik.
       
 (IMG) Bild: Kriegen nicht nur Zustimmung, weil sie so brav aussehen: Die AfD-Landesvorsitzenden Leif-Erik Holm (l) und Enrico Schult (r)
       
       Wenn es nach der AfD Mecklenburg-Vorpommern geht, soll nach der
       [1][Landtagswahl im September] eine „blaue Welle“ durchs Land schwappen.
       Dafür stehen zwei Männer an der Parteispitze: Leif-Eric Holm und Enrico
       Schult. Sie hoffen, am 20. September eine Regierungsbeteiligung zu
       erreichen.
       
       [2][Nach der jüngsten Umfrage könnte die Partei mit 36 Prozent ins
       Schweriner Schloss ziehen]. Die SPD um Ministerpräsidentin Manuela
       Schleswig liegt mit fast zehn Prozent Abstand am nächsten an der AfD. Die
       Strategie der AfD: ein smartes-moderates Spitzenduo und ein
       völkisch-nationalistisches Programm.
       
       Holm und Schult an der Doppelspitze treten bemüht nüchtern und vermeintlich
       unideologisch auf. Im Januar setzten sie sich gegen die Kandidatur des
       [3][für seine rassistischen und NS-verherrlichenden Aussagen bekannten
       Landtagsfraktionsvorsitzenden Nikolaus Kramer] zur Landtagswahl durch.
       Damals sahen auch Mandatstragende anderer Parteien, dass die Personalie
       Kramer nicht mehr zur AfD-Strategie passen könnte.
       
       Im Juni gibt Kramer das Amt des Fraktionschefs an Schult ab. Der Clou von
       Holm, der für die AfD im Bundestag sitzt, und Schult, der die AfD noch als
       Fraktionsvize im Landtag anführt, ist, selbst radikale Rhetorik zu
       vermeiden, aber zu extremen Positionen aus ihrer Partei zu schweigen.
       
       ## Radikales AfD-„Regierungsprogramm“
       
       Eine ganz klare Sprache spricht dagegen der Entwurf des
       AfD-„Regierungsprogramms“. Er spiegelt die Radikalität des
       mecklenburg-vorpommerschen Landesverbandes wider. In 94-Seiten belegt die
       AfD, dass sie eine andere Republik will. Dem Spiegel lag das Programm, das
       per E-Mail für den kommenden Landesparteitag am 30. Mai versendet wurde,
       zuerst vor.
       
       Die wirtschaftspolitischen Vorstellungen sind noch die moderatesten
       Forderungen: die Annäherung an Russland soll auch mit der Reparatur der
       Ostsee-Pipeline Nord-Stream angestrebt werden, Tarifvorgaben bei
       öffentlichen Aufträgen müssten wegfallen, der Ausbau der Windkraft gestoppt
       und die Kernkraft wieder eingeführt werden.
       
       Die einwanderungs- und asylpolitischen Forderungen dürften als radikalster
       Teil im Entwurf eingeordnet werden. Die AfD will „Remigration“, um den
       angeblichen „großen Austausch“ zu stoppen. Die SPD würde „systematisch
       darauf“ hinwirken „die deutsch geprägte Gesellschaft durch eine
       multikulturelle Gesellschaft zu ersetzen“. In der Asylpolitik soll das
       Prinzip „Bett-Brot-Seife“ eingeführt werden.
       
       Eine weitere Forderung ist eine „Rückführungspolizei“, die „illegaler
       Migration“ und Schleuserkriminalität entgegentritt. Nach den tödlichen
       Schüssen von Mitarbeitenden der amerikanischen Einwanderungsbehörde ICE auf
       Renee Good und Alex Pretti Anfang des Jahres hatten Einzelne in der
       Bundes-AfD noch überlegt, dass solche Forderungen Wählende abschrecken
       könnten. Diese Sorgen scheinen Holm und Schult nicht zu haben.
       
       ## Nationalistische Bildungs- und Kulturpolitik
       
       Mehr Härte und Leistungserwartung will die AfD auch gegenüber Kindern und
       Jugendlichen. Sie fordern Vorschaltklassen für Kinder mit geringen
       Deutschkenntnissen, eine verpflichtende Vorschule sowie strengere Regeln
       für den Übergang aufs Gymnasium und den dauerhaften Erhalt von
       Förderschulen. Gymnasien sollen keine „Masseninstitution“ bleiben. Es soll
       schneller Schulverweise bei Gewalt- und Drogendelikten hageln und das Alter
       für Strafmündigkeit soll auf zwölf Jahren herabgesetzt werden.
       
       Ihre Kulturpolitik kann vielleicht einfach mit „deutsch muss es sein“
       umrissen werden. Sie wollen die abendländische Kultur schützen, die
       deutsche Volkskunst fördern. Staatliche Bauprojekte sollen den
       „architektonischen Heimatstil“ achten müssen. Das Gender-Mainstreaming und
       gendergemäße Sprache möchten sie in Verwaltungen und Behörden beenden. Eine
       Forderung wird ebenso neu erhoben: die Aufkündigung des NDR-Staatsvertrags.
       
       [4][Der Zuspruch zur AfD wächst in Mecklenburg-Vorpommern] nicht nur, weil
       das Spitzenduo nett auftritt, sondern auch wegen dem Programm. Eine Studie
       von Meinungs- und Marktforschungsunternehmen Civey zeigte im April 2026,
       dass Wählende die AfD ankreuzen, weil sie zu 44 Prozent denken, die Partei
       habe „gute Ideen für das Land“, 40 Prozent die „Zuwanderung“ ablehnen und
       36 Prozent bekunden die „Werte“ zu teilen. Der Wahl ist längt ein Kampf um
       Werte geworden: wie wir leben wollen.
       
       18 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /taz-goes-Mecklenburg-Vorpommern/!6176171
 (DIR) [2] https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/landtagswahl/mv-wahlumfrage-freude-bei-afd-spd-und-linken-cdu-im-stimmungstief,mvwahl-106.html
 (DIR) [3] /AfD-Fraktionschef-in-Erklaerungsnot/!5479316
 (DIR) [4] /Landtagswahl-in-Mecklenburg-Vorpommern/!6174768
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Speit
       
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