# taz.de -- BP profitiert vom Irankrieg: Wir müssen aufrüsten gegen die Ölkonzerne
> Der britische Ölriese BP verdoppelt seine Gewinne und setzt weiter auf
> fossile Brennstoffe. Dabei zeigt die Krise: Den Erneuerbaren gehört die
> Zukunft.
(IMG) Bild: Die Flamme der Fossilen muss irgendwann versiegen
Seit Monaten zahlen Milliarden von Menschen weltweit mehr für Sprit. Für
den Weg zur Arbeit, zur Schule, zu den kranken Eltern. Während dieser
Preisanstieg für deutsche SUV-Pendler verkraftbar ist, hat er auf Märkten
in Nigeria bereits jetzt katastrophale Folgen. Denn durch den Ölpreis wird
nicht nur das Autofahren teurer, sondern auch Düngemittel, Lkw-Transporte
und damit letztlich auch Grundnahrungsmittel. Sollte die Energiekrise nicht
bis Mitte des Jahres enden, müssten bis zu 45 Millionen weitere Menschen
auf der Welt hungern, [1][so das Welternährungsprogramm].
Milliarden Menschen zahlen also drauf. Doch wo landet das ganze Geld? Seit
gestern ist bekannt, wohin zumindest ein Teil unserer Euros und Dollars
geflossen ist. Der britische Ölkonzern BP gab bekannt, dass sich sein
Nettogewinn im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt
habe. 2,7 Milliarden Euro Gewinn machte BP von Januar bis März dieses
Jahres, letztes Jahr waren es noch knapp 1,2 Milliarden Euro gewesen.
Mit ihrem Angriff auf Iran haben Donald Trump und Benjamin Netanjahu der
Welt ohne Not die wohl größte Energiekrise seit Ende des Zweiten Weltkriegs
aufgezwungen. Heftiger als die Folgen der Ölkrisen der 1970er und der
Gaskrise von 2022 zusammengenommen seien die Konsequenzen, [2][meint] der
Chef der Internationalen Energieagentur, Fatih Birol.
Dass es nun ausgerechnet Ölkonzerne sind, die von dieser profitieren, zeigt
uns die Absurdität des fossilen Kapitalismus. Was für die Bankenkrise galt,
gilt wohl auch für imperialistische Kriege im Nahen Osten: die Kosten
werden vergesellschaftet, die Gewinne privatisiert.
## Holen wir uns die Übergewinne zurück
Das Muster zieht sich auch durch die jüngere Geschichte. In der
Energiekrise nach der Vollinvasion Russlands in der Ukraine stieg für
Millionen von Haushalten die Heizrechnung. Erdöl-, Gas-, Kohle- und
Raffineriekonzerne dagegen machten zusätzliche Milliardengewinne. Immerhin
holte sich die Politik einen Teil des Geldes später zurück. Mit der
sogenannten Übergewinnsteuer nahm die Bundesregierung am Ende [3][rund 2,5
Milliarden Euro ein].
Rufe nach einer erneuten Übergewinnsteuer oder einer [4][Zerschlagung des
Oligopols der Ölkonzerne] sind also überfällig. Doch auch der Blick nach
vorne lohnt. Denn während in Deutschland noch die Gaslobby-Ministerin
Katherina Reiche die wirtschaftlichen Geschicke des Landes lenkt, machen
sich andere längst unabhängig vom System der Öl-Multis und fossilen
Autokratien.
Am deutlichsten zeigt sich das an einer Zahl, die anders als die
verdoppelten Profite von BP keine riesigen Schlagzeilen machte: die Anzahl
der Solarmodule, die China exportiert. Seit Jahren steigt sie. Aber im März
wurde aus der Kurve [5][ein fast senkrechter Strich nach oben]. Gegenüber
dem Februar hatten sich die Exporte verdoppelt.
In Südkorea bezeichnete der Präsident die Abhängigkeit seines Landes von
fossilen Brennstoffen als „gefährliche Schwäche“. Ihr tritt er jetzt mit
zusätzlichen Mitteln für den Netzausbau und einem Solareinkommen-Programm
für Dörfer entgegen: Mit günstigen Krediten wird die Einrichtung
gemeinschaftlich betriebener und genutzter Solaranlagen unterstützt. So
können die Dorfbewohner*innen nicht nur für den eigenen Bedarf Strom
erzeugen, sondern diesen Strom auch verkaufen. Es ist ein Konzept, das
deutschen Energiegenossenschaften bekannt vorkommen dürfte.
## Aufrüsten mit Christian Lindner
Auch in Deutschland ergab eine [6][Umfrage Ende März], dass sich fast 80
Prozent durch die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten bedroht fühlen.
Dass die Bundesregierung die Förderung kleiner Solaranlagen ab nächstem
Jahr einstellen will, ist angesichts dessen absurd.
Angesichts dieser Misere wünscht man sich beinahe Christian Lindner zurück.
Ende Februar 2022, kurz nach Beginn des russischen Angriffskriegs in der
Ukraine, sagte ausgerechnet er diese denkwürdigen Worte: „Erneuerbare
Energien lösen uns von Abhängigkeiten. Erneuerbare Energien sind deshalb
Freiheitsenergien. Wir setzen auf Freiheitsenergien.“
Um die Freiheit Deutschlands und Europas zu verteidigen, will die
Bundesregierung den Wehretat bis 2029 auf 150 Milliarden Euro mehr als
verdoppeln. Doch die Produktion von Panzern, Kampfjets und Raketen treibt
uns nur noch tiefer in die Abhängigkeit von Ölriesen und fossilen
Autokratien.
Wer Freiheit von ihnen will, muss mit Christian Lindner aufrüsten. Und
Milliarden in Batterien, Stromnetze und Solaranlagen investieren.
28 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.wfp.org/stories/how-mideast-crisis-deepening-hunger-far-beyond-front-lines
(DIR) [2] https://www.zdfheute.de/politik/ausland/iea-chef-schwerste-energie-krise-fatih-birol-100.html
(DIR) [3] https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/energiepreise-ukraine-krieg-uebergewinnsteuer-zahlen-ergebnis-li.3348442
(DIR) [4] /Steigende-Preise-fuer-Oel-und-Gas/!6162889
(DIR) [5] https://ember-energy.org/latest-updates/chinese-solar-exports-double-in-a-month-to-hit-record-high-amid-energy-crisis/
(DIR) [6] /Umfrage-zu-Energieimporten/!6168842
## AUTOREN
(DIR) Mitsuo Iwamoto
## TAGS
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) talkshow
(DIR) BP
(DIR) Ölkonzern
(DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
(DIR) Erneuerbare Energien
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Autoverkehr
(DIR) Erdöl
(DIR) Haushalt
(DIR) Energiepreise
(DIR) Kolumne Was kostet die Welt?
(DIR) Schwerpunkt Iran
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Emirate steigen aus der Opec aus: Kampf ums Öl am Golf
Das Ölkartell Opec wird überraschend ein wichtiges Mitglied los: die
Vereinigten Arabischen Emirate. Sie wollen mehr Unabhängigkeit von
Saudi-Arabien.
(DIR) Bundeshaushalt 2027: Kredite, Krieg und Zucker
Die Bundesregierung beschließt am Mittwoch die Eckwerte für den Haushalt
2027. Die Ausgaben sind so hoch wie noch nie. Einige Probleme zeichnen sich
bereits ab.
(DIR) Ölkonzerne kassieren ab: 37 Millionen Euro Zusatzgewinn pro Tag
Nach einer Studie von Greenpeace bauen die Ölkonzerne ihre Übergewinne
während der Waffenruhe im Nahen Osten aus. Der Lobbyverband bestreitet das.
(DIR) Steigende Preise für Öl und Gas: Eine Übergewinnsteuer verfehlt ihren Zweck
Die Ölkonzerne scheinen vom Irankrieg zu profitieren. Statt neuer Steuern
braucht es eine Zerschlagung ihres Oligopols.
(DIR) Steigender Ölpreis und Klimaschutz: Die Angst vorm Benzinpreis wäre vermeidbar gewesen
Vom Krieg gegen Iran profitieren derzeit vor allem Ölkonzerne. Das ist
gefährlich für den Klimaschutz und vollkommen unnötig.