# taz.de -- Umbau von „Demokratie leben“: Die Kritik an Prien reißt nicht ab
> Mehr als 140 Organisationen wenden sich gegen die Kürzungen bei
> Demokratieprojekten. Sie bezeichnen die Pläne der Bundesregierung als
> kurzsichtig.
(IMG) Bild: Will beim Programm „Demokratie leben“ neue Schwerpunkte setzen: Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU)
Der geplante Umbau des Bundesprogramms „Demokratie leben“ stößt weiter auf
massive Kritik. Am Mittwoch forderten mehr als 140 zivilgesellschaftliche
Organisationen in einer gemeinsamen Stellungnahme die zuständige
Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) auf, ihre Entscheidung zu
überdenken.
„Die angekündigte ‚Umstrukturierung und Neuausrichtung‘ stellt sich für uns
in der Praxis als massive Kürzung dar“, heißt es in dem offenen Brief, den
unter anderem die Amadeu Antonio Stiftung, der Bund für Umwelt und
Naturschutz Deutschland und der Bundesverband Mobile Beratung unterzeichnet
haben. Die Projektträger warnen darin vor „gravierenden Folgen“ für ihre
Arbeit sowie für die Nachhaltigkeit demokratischer Bildung.
„Durch diese Umstrukturierung drohen über Jahre aufgebaute Netzwerke,
Expertise und Vertrauen verloren zu gehen – mit langfristigen Schäden für
die Präventionsarbeit“, kritisiert beispielsweise Heiko Klare vom
Bundesverband Mobile Beratung. Die aktuellen Pläne der Bundesregierung
seien der „Todesstoß“ für viele Träger der Demokratiearbeit.
Im März hatte Prien verkündet, „Demokratie leben“ neu auszurichten. 200
geförderte Projekte laufen demnach zum Jahresende aus und müssen sich neu
auf eine Förderung bewerben. Im [1][Interview mit der taz] [2][begründete
Prien diesen Schritt unter anderem mit der einseitigen Ausrichtung des
Programms] auf das „linksliberale Milieu“ – diese Kritik hatte zuvor auch
mehrfach die Union geäußert.
## Mehr politische Mitte?
Künftig soll es laut Prien mehr Projekte gegen Linksextremismus, Islamismus
und Antisemitismus und Hass im Internet geben. Zudem sollen weniger NGOs
zum Einsatz kommen und stattdessen die Projekte von Schulen, Feuerwehren
oder Sportvereinen selbst durchgeführt werden. Davon erhofft sie sich eine
„höhere Akzeptanz“ für das Programm und mehr Wirksamkeit gegen die
Demokratieverachtung.
Der Berliner Politikwissenschaftlerin Sabine Achour leuchtet diese
Argumentation nicht ein. In Priens Logik hieße das, dass die Verantwortung
für die politischen Misserfolge im Kampf gegen die AfD damit [3][bei jenen
Projekten liege, die sich gegen rechtsextreme Positionen einsetzten].
„Diese Haltung trägt nur dazu bei, die Positionen der AfD zur angeblichen
zu linken Zivilgesellschaft zu normalisieren“, sagt Achour der taz.
Zudem sieht die Professorin für Politische Bildung und Demokratiebildung an
der Freien Universität Berlin noch ein praktisches Problem: „Wer soll denn
stattdessen politische Bildungsarbeit machen?“ An den Schulen etwa fehle
häufig Expertise in der Breite aller Fächer und auch Zeit, dass die
Lehrkräfte selbst und ohne multiprofessionelle Unterstützung gute
Demokratieprojekte durchführen könnten.
Ob mit der neuen Schwerpunktsetzung die Arbeit gegen Rechtsextremismus
zurückgefahren wird, ließ Prien bislang offen. Viele Träger aber befürchten
dies. „Sicherheit ist Staatsaufgabe, und innere Sicherheit heißt heute
auch, Rechtsextremismus wirksam zu bekämpfen“, sagte Timo Reinfrank von der
Amadeu Antonio Stiftung am Mittwoch. Wenn [4][rechtsextreme Straftaten und
Gewalt auf einem Höchststand] seien und gleichzeitig an entsprechenden
Projekten gekürzt werde, entstünde genau das Gegenteil von Sicherheit.
## Programm bislang gut bewertet
Besonders irritiert sind die Projektträger vom Zeitpunkt des Umbaus, da die
Evaluation von „Demokratie leben“ aktuell noch gar nicht abgeschlossen sei.
Politische Entscheidungen würden somit getroffen, bevor belastbare
empirische Erkenntnisse über Wirkung und Weiterentwicklungsbedarf
vorliegen, heißt es dazu in der gemeinsamen Stellungnahme. Die Verbände
warnen davor, Programme wie „Demokratie leben“ als „parteipolitische
Instrumente“ zu nutzen. Ob die interne Auswertung des Programms
mittlerweile abgeschlossen ist, ließ das Bundesfamilienministerium auf
Anfrage der taz zunächst offen.
Pikant dabei ist, dass „Demokratie leben“ in der Vergangenheit sehr positiv
beurteilt worden ist. So heißt es in dem vom Ministerium beauftragten
wissenschaftlichen Abschlussbericht zur Förderperiode 2020 bis 2024: „In
der Gesamtschau der geförderten Projekte zeigen sich als positive Wirkungen
des Programms: die Stärkung demokratischer Strukturen, die Erhöhung der
Resilienz gegen extremistische Tendenzen, die Gestaltung von Vielfalt sowie
die Förderung von Innovationen.“
In das Bundesprogramm fließen in diesem Jahr 191 Millionen Euro. Prien
hatte – unabhängig von den geplanten Änderungen – angekündigt, dass es
künftig zu Mittelkürzungen kommen werde.
22 Apr 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Ralf Pauli
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