# taz.de -- Der Kanzler attackiert die SPD: Die Methode Merz
> Vor den Bankenchefs macht der Kanzler mal wieder knallige Ansagen und
> schießt gegen die SPD. Macht er so weiter, kann etwas Unvorstellbares
> passieren.
(IMG) Bild: Kanzler Merz und EZB-Präsidentin Lagarde beim Jahresempfang des Bundesverbands deutscher Banken
Friedrich Merz ist als Kanzler etwas Ungewöhnliches gelungen. Er ist nach
nur einem Jahr [1][noch unbeliebter als Olaf Scholz am Ende der
Ampelregierung]. Das ist verblüffend. Scholz musste eine
auseinanderbrechende Streitkoalition zusammenhalten, in der die FDP sich
nach der Opposition sehnte. Scholz war das Gesicht dieser Krise, die
Möglichkeit, eine gute Figur zu machen, war begrenzt.
Merz hat es vergleichsweise leicht. Die Klingbeil-SPD ist ein
verlässlicher, staatstragender, ja genügsamer Partner. Die Sozialdemokratie
trudelt allerdings, auch weil sie eine mausgraue Staatspartei geworden ist,
in eine bedrohliche Krise. Die einzige Wählergruppe mit einigermaßen
verlässlichen Sympathien für die müde wirkende Sozialdemokratie sind die
RentnerInnen.
Der Kanzler hat nun vor dem Bankenverband [2][zwei Botschaften in die Welt
gesendet] und der SPD gezeigt, wo der Hammer hängt. Die Sozialdemokraten
müssten bei [3][den Reformen von Rente] und [4][Gesundheit], die vor allem
Sparmaßnahmen werden, „Blockaden auflösen“. Dieser Ton erinnert an einen
Handwerksmeister, der den Lehrling zusammenfaltet, der mal wieder den
Schraubenschlüssel verbummelt hat.
Außerdem wird die gesetzliche Rente künftig laut Merz „allenfalls noch die
Basisabsicherung“ sein. Das Wort allenfalls bedeutet: Wenn Schwarz-Rot
fertig reformiert hat, dann wird die gesetzliche Rente vielleicht nicht mal
mehr eine Basisabsicherung sein. In Deutschland werden jährlich rund 500
Milliarden Euro für Alterssicherung ausgezahlt, das Gros, mehr als 350
Milliarden, fließt durch die gesetzlichen Rentenkassen. Merz will das
offenbar radikal ändern und Staat durch Markt ersetzen. Das ist eine
Kampfansage – an die SPD samt ihrer letzten treuen Wählergruppe und an die
gesetzliche Rentenversicherung.
## Knallige Aussagen in Hauptsätzen
Merz will sich vor den Bankern offenbar als mutiger,
wirtschaftsfreundlicher Reformer inszenieren. Ein Konzept für die
schwarz-roten Reformen gibt es vom Kanzler bislang nicht. Das hat, wenn
auch löchrig und vage, nur der SPD-Vizekanzler in einer Rede skizziert.
Die Methode Merz ist: knallige Ansagen in Hauptsätzen, denen später oft
recht viele Relativsätze folgen, die den entstandenen Schaden einhegen
sollen. In der föderalen bundesdeutschen Koalitionsdemokratie ist Führung
ein komplexer Prozess von Kompromissbildungen. Und Macht bedeutet, diesen
Prozess professionell zu steuern. Merz weiß wahrscheinlich, dass die
Bundesrepublik keine Präsidialdemokratie ist, in der der Kanzler mit
executive orders regieren kann. Er redet aber so.
Wenn das so weitergeht, kann sogar etwas Unvorstellbares passieren: Die
Geduld der SPD könnte an ihr Ende kommen.
21 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Mehr-abschieben-mehr-arbeiten/!6168545
(DIR) [2] https://www.youtube.com/watch?v=ZyT5YCUfoo8
(DIR) [3] /Rente-in-der-Zukunft/!6132208
(DIR) [4] /Finanzluecke-im-Gesundheitssystem/!6170942
## AUTOREN
(DIR) Stefan Reinecke
## TAGS
(DIR) SPD-CDU-Koalition
(DIR) Friedrich Merz
(DIR) Rente
(DIR) Bundesregierung
(DIR) Schwarz-rote Koalition
(DIR) GNS
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Friedrich Merz
(DIR) Friedrich Merz
(DIR) Schwerpunkt Stadtland
(DIR) SPD CDU Koalition
(DIR) Bundesregierung
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Rente nur noch als Basisabsicherung: IG Metall meutert gegen Renten-Merz
Die Gewerkschaft kündigt Proteste an, sollten Renten gekürzt werden.
SPD-Chefin Bas hat Merz’ Gerede von der „Basisabsicherung“ nicht
verstanden.
(DIR) „Allenfalls noch Basisabsicherung“: Merz bringt mit Renten-Äußerung SPD gegen sich auf
In der schwarz-roten Koalition ist neuer Streit über Äußerungen des
Kanzlers zur Zukunft der Rente entbrannt. Der eigentliche Skandal geht aber
unter.
(DIR) Auf Jobsuche: Wir, jene Kinder aus Hartz IV
Wir müssen ständig arbeiten für das, was andere schon immer haben. Die
Erschöpfung gräbt sich in unsere Körper ein.
(DIR) Energiekrise und Krisenvorsorge: Die Regierung lässt die Dinge einfach laufen
Statt die Bürger:innen tatsächlich zu entlasten, betreibt die Koalition
Klientelpolitik. Die ist dazu noch unökologisch.
(DIR) Entlastungsprämie: Arbeitgeber dämpfen Erwartungen
Arbeitgeber können ihren Beschäftigten 2026 eine steuerfreie Prämie von
1.000 Euro zahlen. Der Arbeitgeberverband übt Kritik und sagt: Es werden
deutlich weniger sein.