# taz.de -- „Allenfalls noch Basisabsicherung“: Merz bringt mit Renten-Äußerung SPD gegen sich auf
> In der schwarz-roten Koalition ist neuer Streit über Äußerungen des
> Kanzlers zur Zukunft der Rente entbrannt. Der eigentliche Skandal geht
> aber unter.
(IMG) Bild: Bundeskanzler Friedrich Merz bei seiner Rede beim Jahresempfang des Bundesverbandes deutscher Banken
Friedrich Merz mal wieder in Macherpose. Als der Kanzler am Montagabend vor
über hundert Bankern beim Jubiläum des Bankenverbands sprach, war er
sichtlich in seinem Element: Ein Entscheider, der zu Entscheidern spricht,
die Mehrzahl davon wie er in Anzug und Krawatte. Was der Kanzler in den
Berliner Bolle-Festsälen sagte, kam denn auch gut an im Publikum. Merz
sprach von Wettbewerbsfähigkeit und Leistung, teilte gegen den
Koalitionspartner aus, mit dem er noch mal „ernsthaft reden“ wolle, weil
ihm das alles zu langsam gehe bei den Reformen. Und er skizzierte, wie er
sich die Zukunft der Rente vorstellt.
„Die gesetzliche Rentenversicherung allein wird allenfalls noch die
Basisabsicherung sein für das Alter“, sagte Merz. „Sie wird nicht mehr
ausreichen, den Lebensstandard abzusichern.“ Deshalb müssten
kapitalgedeckte Elemente der betrieblichen und privaten Altersvorsorge
ausgebaut werden. „Und zwar in weit größerem Umfang, als wir sie
gegenwärtig weitgehend auf der Basis von Freiwilligkeit haben.“ Die Banken
forderte er auf, ihre Produkte nicht nur materiell, sondern auch
ideologisch breiter in der Gesellschaft zu verankern. Damit griff Merz den
Ergebnissen der Rentenkommission vor, [1][die bis Ende Juni Vorschläge für
eine umfassende Reform vorlegen soll].
So erwartbar wie der Beifall der Banker war denn auch die Empörung des
Koalitionspartners. Der Kanzler solle „die Arbeit der Rentenkommission
abwarten und deren Vorschläge anschließend mit uns sachlich beraten“,
kritisierte die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion Dagmar
Schmidt. Für die allermeisten Menschen sei die gesetzliche Rente die
zentrale Einkommensquelle im Alter. „Wer jetzt Verunsicherung und Ängste
schürt, handelt verantwortungslos.“
SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf nannte Merz’ Kritik an der SPD
gegenüber dem Spiegel „inakzeptabel“ und kündigte „erbitterten Widerstand“
an, sollte der Kanzler die gesetzliche Rente auf eine Basisrente
„rasieren“.
## Kritik kommt Merz entgegen
Auch Grüne und Linke übten scharfe Kritik. Armin Grau, Rentenexperte der
Grünen-Fraktion, warf dem Kanzler vor, er wolle „die gesetzliche Rente
immer mehr zu einem Billigprodukt degradieren, auf das sich die Menschen
nicht mehr verlassen können.“
„Der Kanzler sollte sich schämen“, befand auch die Vorsitzende der Linken,
Ines Schwerdtner, gegenüber t-online. Merz’ Äußerungen seien „ein Schlag
ins Gesicht für Millionen Menschen“.
Der Parlamentarische Geschäftsführer der Union, Steffen Bilger, versuchte
die Äußerungen des Kanzlers am Dienstag wohlwollend zu interpretieren. Merz
habe den Ergebnissen der Rentenkommission nicht vorgegriffen. „Auch wir
wollen, dass die gesetzliche Rente künftig einen Standard absichert.“ Der
Kanzler habe lediglich darauf hingewiesen, dass jeder sich zusätzlich
Gedanken machen solle.
Dabei dürfte Merz die Kritik von links gelegen kommen, wird ihm doch aus
den eigenen Reihen immer wieder vorgeworfen, zu nachsichtig gegenüber der
SPD zu sein. In der SPD sehen manche die Äußerungen des Kanzlers deshalb
auch als Versuch, sich den Beifall der eigenen Fraktion zu sichern. Diese
jubelte zuletzt Wirtschaftsministerin Katherina Reiche zu, [2][nachdem sie
sich im Streit um Entlastungen mit Vizekanzler Lars Klingbeil] angelegt
hatte.
## Regulierungen für Banken lockern
Dabei ging der eigentliche Skandal in Merz’ Rede im Koalitionsknatsch
unter. Bankenpräsident Christian Sewing, zugleich Vorstandsvorsitzender der
Deutschen Bank, forderte bei der Veranstaltung, die Regulierungen für
Banken zu lockern. Merz zeigte sich offen: Nach der Finanzkrise seien
wichtige und richtige Entscheidungen getroffen worden, die die
Widerstandsfähigkeit im Finanzsektor deutlich verbessert hätten, sagte
Merz. „Aber es ist nun an der Zeit, diese Regulierungen erneut auf den
Prüfstand zu stellen. Auch angesichts des Wettbewerbs mit den
amerikanischen Banken.“
Dabei waren es die Banken und ihr Handel mit riskanten Produkten, die die
Finanzkrise 2008 ausgelöst hatten. Der Staat, der sie zunächst nicht
regulieren wollte, rettete sie später mit Milliardenhilfen. Laut der
[3][Bürgerbewegung Finanzwende] kostete die Bankenrettung die deutschen
Steuerzahler 70 Milliarden Euro. Zentrale Reformen blieben aus. Auch die
illegalen CumEx-Geschäfte, bei denen Banken Steuererstattungen in Höhe von
40 Milliarden Euro erschlichen, erwähnte Merz mit keinem Wort.
21 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/kabinett-rentenkommission-2399886
(DIR) [2] /Streit-um-Massnahmen-gegen-Energiekrise/!6169826
(DIR) [3] https://www.finanzwende.de/themen/banken-und-schattenbanken/keine-lehren-aus-der-finanzkrise
## AUTOREN
(DIR) Anna Lehmann
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