# taz.de -- Kontosperrung von Antifa-Initiativen: Gefährdungsgrund Stolpersteine
       
       > Immer mehr antifaschistischen Verbänden werden die Bankkonten gekündigt.
       > Steht dahinter die US-Regierung, die den Druck auf die Antifa weltweit
       > erhöht?
       
 (IMG) Bild: Der rote Winkel, die Kennzeichnung der politisch Verfolgten im Nationalsozialismus, ist das Symbol der VVN-BdA
       
       Der Antifaschismus sei ihr in den „Rucksack des Lebens“ gelegt worden, sagt
       Ellen Händler. Am Telefon erzählt die 77-Jährige, wie ihre Eltern als
       Jüd:innen dem Nationalsozialismus mit [1][dem Kindertransport nach
       England] entkommen sind. Die Mutter als 15-Jährige, der Vater, nachdem er
       aus Sachsenhausen freigekauft werden konnte, auf einem der letzten Züge.
       
       In England lernen sich die beiden kennen, überstehen den Krieg – und
       entscheiden sich dann, nach Deutschland zurückzukehren, obwohl alle anderen
       Verwandten aus Deutschland im Nationalsozialismus ermordet wurden. „Sie
       haben immer wieder gesagt: Die Nazis dürfen es nicht geschafft haben, dass
       Deutschland judenfrei ist“, erzählt Händler.
       
       Seit Jahrzehnten engagiert sie sich auch deshalb in Berlin-Treptow in der
       örtlichen VVN-BdA, der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund
       der Antifaschistinnen und Antifaschisten. In Treptow forscht der Verein zu
       Zwangsarbeit und Widerstand, verlegt Stolpersteine und macht Bildungsarbeit
       an Schulen. Neonazis sind nicht unbekannt im Straßenbild des Ostberliner
       Großbezirks Treptow-Köpenick, [2][wo auch die NPD-Nachfolge „Die Heimat“
       ihre Parteizentrale hat] – doch die VVN-BdA hat ihr Büro direkt im Rathaus,
       so anerkannt ist man dort. Aktuell, erzählt Händler, sind jedoch alle
       Aktivitäten gefährdet.
       
       Am Montag wandte sich die Berliner VVN-BdA an die Öffentlichkeit, weil die
       Berliner Sparkasse dem Bezirksverband auch nach fünf Wochen Wartezeit ohne
       Angaben von Gründen eine Kontogründung verweigert habe. Ein Bankkonto
       braucht der Verein aber dringend. Denn bereits zum 30. März hatte die
       Postbank dem Verband das Konto gekündigt. Der Grund ist offiziell
       unbekannt. Die Kontokündigung reihte sich aber in eine Reihe von
       „Debanking“-Vorfällen linker Organisationen ein, die vermutlich im
       Zusammenhang damit stehen, dass die Trump-Regierung „die Antifa“ inzwischen
       als Terrororganisation bezeichnet.
       
       Ab dem 1. April steht die VVN-BdA Treptow deshalb ohne Bankverbindung da.
       „Ich weiß nicht, was ich machen soll“, sagt Händler. Für die Stolpersteine
       etwa bekomme der Verband Spenden von Angehörigen aus den USA, aus England,
       aus Israel. „Wie soll ich denen sagen, das geht nicht, weil wir in
       Deutschland kein Konto haben dürfen? Wie kann ich denen das sagen?“
       
       ## Für Antifaschismus wird die Luft dünn
       
       Der Situation der VVN-BdA Treptow ist kein Einzelfall. Im Februar hatte die
       Postbank [3][auch dem Berliner Landesverband und den Lokalverbänden
       Weißensee und Westberlin gekündigt]. Die Sparkasse Göttingen und die GLS
       Bank hatten Ende vergangenen Jahres [4][der linken Solidaritätsorganisation
       Rote Hilfe die Konten gekündigt] – inzwischen hat das Landgericht Göttingen
       allerdings [5][vorläufig entschieden, dass die Sparkasse die Konten
       weiterführen muss]. Auch die Konten der Deutschen Kommunistischen Partei
       (DKP) und der Gruppe Anarchist Black Cross (ABC) Dresden wurden von der GLS
       Bank gekündigt.
       
       Erst vergangene Woche [6][wandte sich dann der Ortsverband der VVN-BdA aus
       Leipzig an die Öffentlichkeit]. Deren Konten seien ebenfalls am 13. März
       durch die Skatbank – eine örtliche Tochter der Volksbanken Raiffeisenbanken
       – gekündigt worden. In der Kündigung zum 11. Mai, die der taz vorliegt,
       werden erneut keine Gründe genannt. Als die VVN-BdA Leipzig nachfragt,
       schreibt die Bank in einem der taz ebenfalls vorliegenden Schreiben, die
       Kündigung sei „aus bankinternen Gründen“ erfolgt. Gemäß den AGB der Bank
       sei eine Kündigung ohne Angabe von Gründen möglich.
       
       Die Skatbank ließ eine Anfrage der taz unbeantwortet. Im Falle der Roten
       Hilfe hatte die Sparkasse Göttingen [7][vor Gericht als einen
       Kündigungsgrund angegeben, dass die US-Regierung die „Antifa Ost“ auf die
       Sanktionsliste von Terrororganisationen gesetzt hat]. Die Rote Hilfe bietet
       Rechtshilfe für Aktivist:innen [8][dieser Gruppierung an, der Überfälle
       auf Neonazis vorgeworfen werden.] Im Raum steht der Verdacht, dass die
       Sparkasse Angst hatte, von den USA aus dem internationalen Finanzsystem
       Swift ausgeschlossen zu werden – weil sie ein Konto für eine Organisation
       betreut, die juristischen Beistand für militante Antifaschist:innen
       organisiert.
       
       ## Gefährdungsgrund Stolpersteine?
       
       Auf den Konten der VVN-BdA Leipzig hätten aber keine Spendengelder für die
       „Antifa Ost“ gelegen, sagt Mirko Koch aus dem Vorstand der VVN-BdA Leipzig
       der taz. „Wir verhalten uns solidarisch gegen die unverhältnismäßige
       Verfolgung und rufen auch zu entsprechenden Demos auf, aber die
       Soli-Kampagnen organisieren andere“, sagt er. Ihr Fokus liege auf
       Bildungsarbeit und Erinnerungspolitik. „Unsere bittere Einschätzung ist,
       dass es bei uns wirklich nur um die Selbstbezeichnung als
       Antifaschist:innen geht“, sagt Koch.
       
       Denn auch die „Antifa“ als solche hat die Trump-Regierung zur „inländischen
       terroristischen Organisation“ erklären lassen. Es sei gut möglich, dass die
       Banken inzwischen beim Begriff „Antifaschismus“ Probleme vermuten – und „im
       vorauseilenden Gehorsam“ handeln, sagt Koch. „Der generelle Trend geht in
       Richtung autoritäre Zuspitzung, zur Stilisierung der Antifa zum großen
       Feind.“
       
       Tatsächlich wird der Druck auf Antifaschist:innen weltweit stärker –
       angetrieben durch die US-Regierung. Erst jüngst hat der Meta-Konzern, zu
       dem Instagram und Facebook gehören, die Verwendung des Begriffs „Antifa“ zu
       einem Regelverstoß erklärt, wenn das Wort im Kontext mit weiteren
       „Gewaltsignalen“ verwendet wird. [9][Laut dem Onlinemagazin „The
       Intercept“] zählen dazu allerdings auch so vage Kategorien wie „militante
       Sprache“. Ob künftig etwa Aufrufe zu einer kämpferischen Demo oder sogar
       zum Beispiel Erinnerung an Kriegsverbrechen der Nazis unter diesen neuen
       Regeln gelöscht werden könnten, ist bisher unklar.
       
       [10][Einem Bericht von Reuters] zufolge plant Trump für den Sommer eine
       internationale Konferenz, um härter gegen „die Antifa“ und andere linke
       Gruppierungen vorzugehen. „Die Anarchisten, Marxisten und gewalttätigen
       Extremisten der Antifa führen seit Jahrzehnten in den Vereinigten Staaten
       und im gesamten Westen eine Terrorkampagne“, wird in dem Bericht ein
       Sprecher des Außenministeriums zitiert.
       
       ## Unterstützung vom Bezirksbürgermeister
       
       Zurück in Leipzig gibt es jedenfalls zunächst eine Entwarnung: Die
       Ortsgruppe ist bereits bei der örtlichen Sparkasse untergekommen – also bei
       jener Bank, die dem Ortsverband von Ellen Händler in Berlin-Treptow ein
       Bankkonto verweigert. Dabei hat die Sparkasse einen
       Grundversorgungsauftrag. Auch andere Ortsverbände der VVN-BdA sind bei der
       Sparkasse Kund:innen.
       
       Ein Sprecher der Berliner Sparkasse teilte der taz am Dienstag lediglich
       mit, man könne sich nicht zu einzelnen Kundenbeziehungen äußern. Auch die
       VVN-BdA Treptow-Köpenick gegenüber hatte die Bank lediglich mitgeteilt, die
       Gründe für die Entscheidung „entsprechend den Gepflogenheiten des deutschen
       Kreditgewerbes“ nicht mitteilen zu können.
       
       Doch das letzte Wort ist in der Sache womöglich noch nicht gesprochen. Denn
       die Antifas haben im Bezirk prominente Unterstützung. Laut der VVN-BdA
       Berlin habe sich der Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) inzwischen an
       die Sparkassen gewandt. Und auch die lokale Linken-Prominenz Gregor Gysi
       wolle sich einsetzen, heißt es von der VVN-BdA Berlin. „Wir werden nicht
       aufhören, gegen den Faschismus aufzustehen, das kann ich ihnen
       versprechen“, sagt Händler.
       
       21 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Ausstellung-zum-Kindertransport/!5987209
 (DIR) [2] /Neonaziszene-in-Ostberlin/!6106603
 (DIR) [3] /Postbank-kuendigt-mehrere-Konten-von-antifaschistischen-Vereinen/!6153689
 (DIR) [4] /Alle-Konten-gekuendigt/!6140903
 (DIR) [5] /Kontokuendigung-linker-Organisation/!6155982
 (DIR) [6] https://vvn-bda-leipzig.de/nun-hat-es-auch-uns-erwischt
 (DIR) [7] /Etappensieg-vor-Gericht/!6146219
 (DIR) [8] /Antifa-Ost/!t6136785
 (DIR) [9] https://theintercept.com/2026/04/14/facebook-instagram-antifa-censor/
 (DIR) [10] https://www.reuters.com/world/us/us-counterterror-officials-plan-antifa-summit-sources-say-2026-03-31/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Timm Kühn
       
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