# taz.de -- Drohender Neonaziaufmarsch: Revier im Visier
       
       > Am 1. Mai wollen Rechtsextreme durch Essen marschieren. Ein Bündnis will
       > sich den Faschisten entgegenstellen – und klagt über die Polizei.
       
 (IMG) Bild: Als „Die Heimat“ noch NPD hieß: Naziaufmarsch in Essen 2021
       
       In der Ruhrgebietsmetropole Essen mobilisiert das von Parteien,
       Gewerkschaften und zivilgesellschaftlichen Organisationen getragene Bündnis
       [1][Essen stellt sich quer (ESSQ)] gegen einen Aufmarsch von Hunderten
       Rechtsextremen am 1. Mai. „Wir werden uns bis zu 500 gewaltbereiten
       Faschisten, die mitten durch die Innenstadt und damit durch das Zentrum des
       Ruhrgebiets laufen wollen, an mehreren Orten entgegenstellen“, sagt
       ESSQ-Sprecher Christian Baumann: „Der 1. Mai ist der Tag der
       Arbeiter:innen, der Gewerkschaften, des sozialen Fortschritts – und nicht
       der Neonazis.“
       
       Zu der Faschistendemo aufgerufen hat die rechtsextreme Partei „Die Heimat“,
       bis 2023 bekannt als NPD. Die versucht seit mehr als einem Jahr, Essen zu
       einem neuen Neonazibrennpunkt in Westdeutschland zu machen. Den Stadtteil
       Kray, wo die Landesparteizentrale in der Marienstraße 66a ihren Sitz hat,
       nennen die Rechtsextremen „Nationale Zone“.
       
       Angetrieben von Parteichef Claus Cremer fand dort im Dezember 2024 der
       Gründungskongress des Landesverbands West der Parteijugend „Junge
       Nationalisten“ (JN) statt – und 2025 ein Landesparteitag. „Die Heimat
       verfolgt eine rechtsextremistische Ideologie, die auf dem Prinzip der
       Volksgemeinschaft basiert und sich vor allem durch Fremdenfeindlichkeit,
       Rassismus und Antisemitismus hervortut“, schreibt der
       Landesverfassungsschutz [2][in seinem diesjährigen Bericht.]
       
       Zwar ist der [3][Neonazikiez im benachbarten Dortmund-Dorstfeld] durch
       zivilgesellschaftlichen Protest, konsequentes Vorgehen der Polizei und den
       Rückzug von führenden Rechtsextremen nach Ostdeutschland geschwächt. Doch
       Rechtsextreme wie Parteichef Cremer versuchen, in Essen-Kray gezielt junge,
       bisher im Stil von „freien Kameradschaften“ organisierte Menschen an seine
       Partei zu binden.
       
       Unter einem Foto des von der NSDAP-Propaganda zum „Blutzeugen“ erklärten
       Albert Leo Schlageter lädt Die Heimat zu sogenannten „Offenen Abenden“ ein,
       zu denen bis zu junge 70 Neonazis kommen. „Hier ist es alten Nazis
       gelungen, sich an junge Rechtsextreme anzubiedern“, sagt ESSQ-Sprecher
       Baumann dazu.
       
       ## Stadtverwaltung erfolglos, Polizei sprachlos
       
       Die Essener Stadtverwaltung von CDU-Oberbürgermeister Thomas Kufen versucht
       zwar, gegen die Etablierung eines neuen Neonazikiezes in Kray vorzugehen.
       Im Januar hat sie Veranstaltungen wie die Offenen Abende in der
       rechtsextremen Parteizentrale, einer alten Tischlerei, „wegen Verstößen
       gegen bauordungsrechtliche Vorschriften“ untersagt. Doch vor Gericht hatte
       das Verbot keinen Bestand. Jetzt wird im Rathaus an einer neuen
       Ordnungsverfügung gearbeitet – doch am 10. April fand in der Marienstraße
       erneut ein Treffen junger Neonazis statt.
       
       Heftig in der Kritik steht die Essener Polizei. Denn während Die Heimat auf
       Social Media verkündet, Treffpunkt für ihren Aufmarsch am 1. Mai sei um 13
       Uhr der Hirschlandplatz in der Innenstadt, wollen die Beamt:innen die
       genaue Route der Faschistendemo auf keinen Fall veröffentlichen. Schon bei
       einer Demo [4][der rechtsextremen Kameradschaft „Jung und Stark“] im März
       2025 habe „eine intransparente Informationspolitik den Nazis den Weg
       geebnet“, sagt nicht nur ESSQ-Sprecher Baumann. Weil die Polizei mauerte,
       sei auch eine ganze „Schulklasse nach einem Kinobesuch völlig unvorbereitet
       in den Naziaufmarsch“ geraten
       
       „Die Neonazis wollen erreichen, dass sich der Gegenprotest zurückzieht –
       das darf nicht passieren“, betont eine Sprecherin der Essener „Omas gegen
       rechts“: „Wir haben das Recht auf Gegenprotest in Sicht- und Hörweite.
       Deshalb muss die Polizei die Route der Nazidemo veröffentlichen.“ Nur „aus
       Bequemlichkeit“ mauerten die Beamt:innen, kritisiert auch der
       Co-Kreissprecher der Essener Linken, Tobias Umbreit – „um den Gegenprotest
       möglichst klein zu halten“.
       
       Wie Umbreit hofft ESSQ-Sprecher Baumann deshalb, dass sich möglichst viele
       Menschen der Demonstration des DGB anschließen, die vom Rüttenscheider
       Markt zum zentralen Burgplatz ziehen wird. „Am 2. Mai 1933 haben die Nazis
       die Gewerkschaften zerschlagen“, mahnt Baumann. „Am 1. Mai 2026 hoffen wir
       auf eine möglichst große Gewerkschaftsdemo.“
       
       24 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://essq.de/
 (DIR) [2] https://www.im.nrw/system/files/media/document/file/vsb2025_online_0.pdf
 (DIR) [3] /Rechtsextremismus-im-Ruhrgebiet/!5595208
 (DIR) [4] /Rechtsextreme-Jugendszene/!6076353
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Wyputta
       
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