# taz.de -- Kontokündigung linker Organisation: Stadtrat rügt Sparkasse
> Die Sparkasse Göttingen hat der Roten Hilfe die Konten gekündigt. Das
> missbilligt nun der Göttinger Stadtrat – gegen die Stimmen von CDU und
> FDP.
(IMG) Bild: Die Kontokündigung der Roten Hilfe ist erstmal ungültig: Und nun kriegt die Sparkasse noch Ärger mit dem Göttinger Stadtrat
Den Protesten gegen die Kontokündigung des linken Rechtshilfevereins Rote
Hilfe durch die Sparkasse Göttingen hat sich jetzt auch das
Kommunalparlament der Stadt angeschlossen. In einer mehrheitlich
angenommenen Resolution missbilligt der Göttinger Rat [1][das Vorgehen des
Geldinstituts].
Zugleich wird die Verwaltungsratsvorsitzende der Sparkasse,
Oberbürgermeisterin Petra Broistedt (SPD), aufgefordert, sich aktiv für
eine Rücknahme der Kündigung einzusetzen. CDU und FDP stimmten gegen den
Antrag, der von Grünen, Linken und der Partei-/Volt-Ratsgruppe eingebracht
worden war. Während ihre Partei die Resolution unterstützte, enthielt sich
Broistedt selbst der Stimme.
Die Sparkasse hatte im Dezember das Beitrags- und Spendenkonto der Roten
Hilfe gekündigt. Der eingetragene [2][Verein, der sich für linke
Aktivist*innen und politische Gefangene einsetzt], ist in Göttingen
ansässig. Zur Begründung hatte die Sparkasse auf einen angeblich erhöhten
Prüfaufwand infolge der Einstufung der sogenannten [3][Antifa Ost als
terroristischer Vereinigung durch US-Präsident Donald Trump] verwiesen. Man
befürchtete deshalb Nachteile am Finanzmarkt und den Verdacht der
Terrorfinanzierung.
[4][Auch die sozial-ökologische GLS Bank], bei der die Rote Hilfe ebenfalls
Konten unterhält, hatte der Organisation gekündigt – zunächst ohne Angaben
von Gründen. Die Bank hatte der Roten Hilfe zufolge aber einige Wochen
zuvor eine Anfrage zur Antifa Ost gestellt. Deshalb geht die Rote Hilfe
davon aus, dass es auch hier einen entsprechenden Zusammenhang gibt.
In der nun vom Göttinger Rat verabschiedeten Resolution heißt es, dass die
Einschätzung Trumps von der deutschen Bundesregierung nicht geteilt werde.
Auch rechtfertige die Beobachtung der – nicht verbotenen – Roten Hilfe
durch den Verfassungsschutz keine Kontokündigung.
## Landgericht sieht keinen Kündigungsgrund
Ähnlich sah es im Januar bereits das Göttinger Landgericht. [5][In einem
Eilverfahren verpflichtete es die Sparkasse dazu, die Konten vorerst
weiterzuführen]. Als Anstalt des öffentlichen Rechts sei sie an den
Gleichbehandlungsgrundsatz gebunden und könne Konten nicht ohne triftigen,
rechtlich haltbaren Grund kündigen. Die Einschätzung eines ausländischen
Staates reiche hierfür nicht aus.
Auch ein erhöhter Prüfaufwand sei von der Sparkasse nicht konkret und
nachvollziehbar dargelegt worden. Schließlich wies das Gericht auch das
geltend gemachte Reputationsrisiko zurück: Ein möglicher Imageschaden sei
[6][kein rechtlich tragfähiger Kündigungsgrund].
## Turbulente Ratssitzung
In der turbulenten Ratssitzung bezeichnete Till Jonas Hampe (Volt) die
Sparkasse Göttingen als „Erfüllungsgehilfen der US-Regierung“. Torsten
Wucherpfennig (Linke) sprach von einem „politischen Angriff auf die
Zivilgesellschaft“. Die Rote Hilfe werde durch die Maßnahme wirtschaftlich
ausgeschaltet. Und die Grünen konstatierten: „Politische Bewertungen oder
Einstufungen aus dem Ausland ersetzen kein geltendes Recht.“
Während der Ratsversammlung übergab die [7][Göttinger Initiative „Debanking
stoppen“] einen von rund 750 Einzelpersonen und 54 Organisationen und
Initiativen [8][unterzeichneten Offenen Brief] an Oberbürgermeisterin
Broistedt. In dem Schreiben wird ebenfalls die Rücknahme der Kontokündigung
verlangt und vor einem Vertrauensverlust in die Rechtsstaatlichkeit
gewarnt.
In einer Mitteilung von diesem Donnerstag begrüßt „Debanking stoppen“, dass
die Resolution im Göttinger Rat eine Mehrheit gefunden hat. „Dass CDU und
FDP allerdings dagegen stimmten und damit die Debankingvorgänge der
Sparkasse decken – wenn nicht unterstützen, ordnen wir als offenen Angriff
auf grundlegende demokratische Strukturen ein.“
## Initiative kritisiert Oberbürgermeisterin
Zugleich kritisiert die Initiative das Verhalten von Oberbürgermeisterin
Broistedt. Sie habe es nicht für nötig gehalten, sich zu den Vorgängen
inhaltlich zu äußern. Stattdessen habe sie behauptet, dass der
Verwaltungsrat zu dem Tagesgeschäft der Sparkasse nichts zu sagen habe und
dies Sache des Vorstandes sei.
„Frau Broistedt negiert die Verantwortung des Verwaltungsrates als
politisches Kontrollorgan“, erklärte die Initiative Debanking stoppen in
ihrem Statement. „Und wenn sie als Vorsitzende die Kündigung des Vorstandes
nicht zum Anlass nimmt, sich dagegen zu positionieren, dann deckt sie
explizit dieses Handeln.“
## Verein Rote Hilfe mit langer Tradition
Der 1975 gegründete Verein Rote Hilfe bezeichnet sich selbst als
„parteiunabhängige strömungsübergreifende linke Schutz- und
Solidaritätsorganisation“. Er hat etwa 19.000 Mitglieder in rund 50 Orts-
und Regionalgruppen, sowie eine Bundesgeschäftsstelle in Göttingen.
Die Rote Hilfe sieht sich in der Tradition der Roten Hilfe Deutschland, die
von 1924 bis zu ihrer Selbstauflösung 1936 existierte und der KPD
nahestand. Nach dem Verbot durch die Nationalsozialisten 1933 arbeitete sie
unter erschwerten Bedingungen noch drei Jahre in der Illegalität weiter.
20 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Reimar Paul
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