# taz.de -- Energiekrise: Wie sicher ist der Flug in den Sommerurlaub?
       
       > Der Krieg der USA und Israels gegen Iran hat die Preise für Kraftstoffe
       > in die Höhe getrieben – auch im Luftverkehr. Was das für Flugreisen
       > bedeutet.
       
 (IMG) Bild: Fluggesellschaften denken wegen hoher Kerosin-Preise über die Streichung von Verbindungen nach: Boeing-Maschine auf den Kanaren
       
       Für Katherina Reiche steht fest: Deutschland hat erst mal genug Treibstoff.
       Genug Benzin und Diesel für den Straßenverkehr, genug Kerosin für die
       Luftfahrt. „Ich bleibe bei meiner Aussage, dass die Versorgungssicherheit
       in Deutschland gewährleistet ist“, sagte die CDU-Politikerin am Montag
       [1][im Interview mit dem Deutschlandfunk]. Damit trotzt
       Bundeswirtschaftsministerin Reiche weiter den Warnungen vor schwindenden
       Kerosinvorräten, die die Internationale Energieagentur (IEA) in der
       vergangenen Woche ausgesprochen hatte.
       
       IEA-Chef Fatih Birol hatte gemahnt, dass Kerosin, der Kraftstoff für
       Flugzeuge, in Europa schon in etwa sechs Wochen knapp werden könnte. Dann
       könne es sein, dass Fluggesellschaften einige ihrer Flüge streichen müssen.
       Nach Beginn des Krieges zwischen den USA, Israel und dem iranischen Regime
       hatte Iran die Straße von Hormus, einen wichtigen Seeweg, praktisch
       blockiert.
       
       Öllieferungen blieben teilweise aus – rund ein Fünftel des weltweit
       geförderten Rohöls wird normalerweise durch die Meerenge am Persischen Golf
       transportiert. Später ließ Iran zwar wieder einige Schiffe gegen Gebühr
       passieren. Vor gut einer Woche verkündete US-Präsident Donald Trump dann,
       dass die USA die Straße von Hormus [2][ihrerseits blockieren würden]. Die
       Kraftstoffpreise sind inzwischen deutlich höher als vor Beginn des Krieges
       – sowohl in der Luftfahrt als auch im Straßenverkehr.
       
       Die Blockade werde sich besonders in asiatischen Ländern wie Japan,
       Pakistan und Südkorea bemerkbar machen, fürchtet Birol – Staaten, die ihr
       Öl zu großen Teilen aus der Kriegsregion im Nahen Osten beziehen. Doch auch
       in Europa und in den USA drohe Kerosinmangel. Was ist dran an den
       Befürchtungen?
       
       ## Merz will nationalen Sicherheitsrat einberufen
       
       Reiches Koalitionspartner und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD)
       sagte, die Warnungen müssten ernst genommen werden. Reiche selbst
       unterstreicht hingegen die Bedeutung heimischer Raffinerien: Die stellten
       Kerosin in Deutschland selbst her. Erdöl komme aus Ländern wie Kasachstan,
       Norwegen und USA. Wie die Ölimporte und die hiesige Produktion des
       Flugkraftstoffs sichergestellt werden können, besprach die
       Wirtschaftsministerin am Montag mit Vertreter:innen der
       Luftfahrtbranche und des Bundesverkehrsministeriums.
       
       Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) betonte, dass die Versorgung
       gesichert sei. Dennoch will er „zeitnah“ den nationalen Sicherheitsrat zu
       Beratungen über die aktuelle Energiekrise einberufen. „Unser Ziel ist dabei
       klar: Die deutsche Wirtschaft und die Bürger müssen sich darauf verlassen
       können, dass die Versorgung mit zentralen Produkten wie etwa Diesel,
       Benzin, Flugbenzin gesichert bleibt“, sagte er bei der Eröffnung der
       Hannover-Messe am Sonntagabend. Wann „zeitnah“ sei, dazu wollte sich der
       stellvertretende Regierungssprecher Steffen Meyer am Montag nicht äußern.
       Das Gremium tage „grundsätzlich geheim“, so Meyer.
       
       Nur so viel: Die Versorgungssicherheit habe „höchste Priorität“ und gehöre
       deshalb in dieses Gremium. Und: Bei der Sitzung sollen auch Vertreter der
       Länder dabei sein, darunter der niedersächsische Ministerpräsident Olaf
       Lies (SPD). Die schwarz-rote Bundesregierung hatte den Nationalen
       Sicherheitsrat als zentrales Gremium zur Koordinierung der
       Sicherheitspolitik neu eingeführt, er ist mit einer Stabsstelle im
       Kanzleramt angesiedelt. Neben Merz und Kanzleramtschef Thorsten Frei
       gehören ihm die Minister*innen zahlreicher Ressorts an, darunter
       Finanzen, Innen, Außen und Verteidigung, sowie Wirtschaft und Digitales.
       Die Chefs der Nachrichtendienste sind als ständige Gäste dabei.
       
       Also alles halb so wild? Carolin Schenuit, geschäftsführende Vorständin des
       [3][Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS)] sieht das anders: „Wir
       stehen vor einer echten Öl-Knappheit“, sagte sie der taz. Angesichts teurer
       werdenden Kerosins streiche etwa die Lufthansa unwirtschaftliche
       Kurzstreckenflüge, verbrauchsintensive Flugzeugtypen würden eventuell
       frühzeitig ausgemustert. „In den Vorstandsetagen ist also klar, was derzeit
       von Seiten der Politik öffentlich noch sehr verhalten kommentiert wird.“
       
       ## Kurzstreckenflüge streichen, Vorrang für Frachtflüge
       
       Politik und Unternehmen müssten die mögliche Knappheit managen, nicht nur
       im Luftverkehr: „Homeoffice und Videokonferenz anstatt Pendeln und
       Geschäftsreisen für Meetings, systemrelevante Tätigkeiten und Verbräuche
       identifizieren, andere begrenzen“, schlägt Schenuit vor. Konkret heiße das
       zum Beispiel: „Lkw, die Nahrungsmittel ausliefern sind an der Tanksäule
       objektiv die wichtigeren Verbraucher als Sportwagen für die Spritztour ins
       Grüne“.
       
       Beim Warentransport entfällt nur ein kleiner Teil der weltweit
       transportierten Güter auf den Luftverkehr. Weil jedoch oft verderbliche
       Güter oder solche in Flugzeugen transportiert werden, die besonders sichere
       Lieferketten erfordern, ist der Wert der Fracht relativ zu anderen
       Verkehrsmitteln hoch. Frachtverkehr sollte Vorrang haben, sagte deshalb
       auch der Energiepolitiker Michael Kellner (Bündnis 90/Die Grünen).
       Innerdeutsche Passagierflüge, Kurzstreckenflüge ins europäische Ausland und
       Privatjets seien hingegen verzichtbar.
       
       „Die Kerosin-Krise zeigt, wie die neue Normalität aussieht“, ergänzte Mira
       Kapfinger, Sprecherin der Klimaorganisation Stay Grounded. Der Flugverkehr,
       einer der anfälligsten Sektoren für globale Schocks, mache deutlich:
       Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen bedeute Instabilität. „Die Lösung
       ist einfach: Flüge reduzieren und in Alternativen am Boden investieren“,
       sagte Kapfinger der taz.
       
       Derweil sind die Kraftstoffvorräte auch in anderen europäischen Ländern
       Thema. In Österreich etwa hat der Energiekonzern OMV Rohöl aus der
       staatlichen Notreserve eingekauft – „zu marktüblichen Preisen“, wie das
       österreichische Wirtschaftsministerium am Montag mitteilte.
       
       ## Reiche lehnt Übergewinnsteuer ab
       
       Falls auf europäischer Ebene ein Plan zur Aufteilung und gemeinsamen
       Nutzung von Kerosin-Beständen geschmiedet wird, will sich Spanien aktiv
       einbringen. Das verkündete [4][die dortige Energie- und Umweltministerin
       Sara Aagesen Muñoz (parteilos)] ebenfalls am Montag. Die EU-Kommission
       tüftelt gerade einen Notfallplan aus, mit dem Kerosinknappheiten an
       europäischen Flughäfen vermieden werden sollen.
       
       In Spanien hätten die Raffinerien schon die Kerosinproduktion in die Höhe
       geschraubt, sagte Aagesen Muñoz. Außerdem sprach sich die Ministerin und
       Chemieingenieurin nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters für [5][eine
       sogenannte Übergewinnsteuer] aus. Wenn Ölkonzerne Profit aus der Krise
       schlagen und ihr Produkt zu überhöhten Preisen verkauften, sei es fair, den
       Profit an die Verbraucher:innen zurückzugeben.
       
       Katherina Reiche hingegen blieb am Montag auch in dieser Hinsicht
       beharrlich: Sie lehnt eine Übergewinnsteuer für deutsche Firmen weiter ab.
       
       20 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.deutschlandfunk.de/energiepolitik-interview-mit-bundeswirtschaftsministerin-katherina-reiche-cdu-100.html
 (DIR) [2] /Strasse-von-Hormus/!6172177
 (DIR) [3] https://foes.de/de-de/
 (DIR) [4] /Spanien-streitet-ueber-bedrohte-Aalart/!6150009
 (DIR) [5] /Oekonom-ueber-hohe-Energiepreise/!6168140
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Nanja Boenisch
 (DIR) Sabine am Orde
       
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