# taz.de -- Emirate steigen aus der Opec aus: Kampf ums Öl am Golf
       
       > Das Ölkartell Opec wird überraschend ein wichtiges Mitglied los: die
       > Vereinigten Arabischen Emirate. Sie wollen mehr Unabhängigkeit von
       > Saudi-Arabien.
       
 (IMG) Bild: Ein Ölttechniker arbeitet an einem Turm einer Raffinerie in Jebel Ali in den Vereinigten Arabischen Emiraten
       
       Das Ölkartell [1][Opec], das schon so manche Preiskrise auslöste, wird
       seinen drittgrößten Produzenten los: Die Vereinigten Arabischen Emirate
       (VAE) [2][steigen zum 1. Mai au]s. US-Präsident Donald Trump begrüßte das,
       da es die Opec, „die uns mit Spritpreisen abzockt“, schwäche. Fachleute
       warnen indes vor den Folgen für die ohnehin krisengeschüttelte Region.
       
       Mit „nationalem Interesse“ begründete Sultan Al Jaber, Vorstandschef des
       emiratischen Staatsölkonzerns Adnoc und Industrieminister der VAE, den
       Schritt. Mit der Begründung „den wachsenden Energiebedarf unserer Kunden
       und Partner weltweit zu decken mit Zuverlässigkeit, Verantwortung und dem
       Ehrgeiz, mehr zu leisten“, deutete er an, den Kurs der Opec abzulehnen. Die
       Opec mit ihren bisher zwölf Mitgliedstaaten kontrolliert etwa 40 Prozent
       der aktuellen Ölförderung und 80 Prozent der weltweiten Rohölvorkommen.
       
       Mit strikten Förderbegrenzungen durch die Opec versucht das Kartell,
       langfristig hohe Ölpreise zu erzielen. Inzwischen stimmt sich die
       Organisation mit anderen großen Produzentinnen wie Russland, Mexiko,
       Kasachstan und anderen sieben Ländern in einem Opec+ genannten Gremium über
       der Fördermengen ab. Auch aus der Opec+ treten die VAE aus.
       
       Die Führung in Abu Dhabi macht damit offiziell deutlich, mehr Erdöl zu
       fördern und auf die Weltmärkte bringen zu wollen, als die Absprachen im
       Rahmen der Opec+ unter Führung der beiden weltgrößten Ölexporteure
       Saudi-Arabien und Russland hergeben. Allerdings geht das wegen der Sperrung
       der Straße von Hormus durch die iranischen Revolutionsgarden im westlichen
       Teil des Persischen Golfs ohnehin aktuell nicht: Die Hauptexportterminals
       großer Opec-Mitglieder wie Saudi-Arabien, Irak und Kuwait liegen dort. Das
       Opec-Mitglied Iran wird durch die US-Blockade an der östlichen Ausfahrt des
       Golfs blockiert.
       
       Die VAE können Teile ihrer Produktion über das östlich der Meeresenge
       gelegene Emirat Fujeirah exportieren, wohin sie eine Pipeline aus dem
       Hauptemirat Abu Dhabi und seinen Ölfeldern gelegt haben. Saudi-Arabien hat
       eine Stahlröhre von seinen Ölfeldern im Osten ans Rote Meer gebaut, um
       wenigstens einen kleinen Teil seiner Ölförderung im Falle einer aktuellen
       Krise wie jetzt dem Krieg um Iran ausführen zu können.
       
       ## Die Rivalität zwischen den VAE und Saudi-Arabien gärt
       
       Der Energieminister der VAE, Suhail Mohamed al-Mazrouei, räumt ein: „Dies
       ist eine politische Entscheidung.“ Denn sein Land habe lange „bedeutende
       Beiträge geleistet und noch größere Opfer zum Wohle aller gebracht“. Nun
       sei es „an der Zeit, unsere Bemühungen auf das zu konzentrieren, was unser
       nationales Interesse gebietet“.
       
       Das scheint aber mehr zu sein als die Deckelung der VAE-Förderung der Opec
       auf 3 Millionen Barrel (je 159 Liter) bei Kapazitäten von 4,8 Millionen
       Barrel täglich. Die Rivalität zwischen den VAE und Saudi-Arabien gärt seit
       einiger Zeit: Seit Riad mit der „Vision 2030“ des Kronprinzen Mohammed bin
       Salman das bisher erzkonservativ verschlossene Land geöffnet hat, brauchen
       die Saudis die Emirate für Kinobesuche, Konzerte und kulturelle Events
       nicht mehr.
       
       Zudem gebe es, so Marc Ayoub von der American Academy im libanesischen
       Beirut, „Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden wichtigen Ländern am
       Golf über den Umgang mit Iran und das Verhalten in anderen regionalen
       Konflikten, wie zum Beispiel im Jemen und im Sudan“.
       
       Dort unterstützen Abu Dhabi und Riad die jeweils anderen Konfliktparteien
       in den Bürgerkriegen – und beschießen sich lokal. Auch haben die VAE die
       von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner verhandelten sogenannten „Abram
       Accords“ zu einer Aussöhnung der arabischen Staaten mit Israel
       unterzeichnet – Saudi-Arabien nicht.
       
       29 Apr 2026
       
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 (DIR) Mathias Brüggmann
       
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