# taz.de -- Kongress der Europa-Linken: Wut soll sich in Kampf verwandeln
> Europas Linke will vereint gegen Rechtsruck, Militarisierung und soziale
> Ungleichheit vorgehen. Und sie kritisiert EU-Kommissionspräsidentin von
> der Leyen.
(IMG) Bild: Warnt vor einem Rechtsruck in Europa: Janina Böttger, Landesvorsitzende der Linken in Sachsen-Anhalt
Die europäische Linke stemmt sich gegen den Rechtsruck in Europa.
„[1][Ungarn war ein Testgebiet] für die extreme Rechte, wir wollen nicht
die Nächsten sein“, sagte die europapolitische Sprecherin der Fraktion Die
Linke im Bundestag, Janina Böttger, beim Kongress der Europa-Linken am
Samstag in Brüssel. In ihrer Heimat [2][Sachsen-Anhalt könnte die AfD] nach
der Landtagswahl im Herbst den ersten Ministerpräsidenten stellen, warnte
Böttger.
Ähnliche Warnungen kamen aus Frankreich, wo 2027 der Nachfolger von
Präsident Emmanuel Macron gewählt wird. Dort werden dem rechtsradikalen
Rassemblement National um Marine Le Pen und Jordan Bardella gute
Erfolgschancen eingeräumt. In Macrons Amtszeit habe sich die Zahl der
Superreichen verdoppelt, kritisierte Fabien Roussel von der Kommunistischen
Partei Frankreichs. Die zunehmende Ungleichheit spiele den Rechten in die
Hände.
[3][Bei den Franzosen] herrsche große Wut über Macron und die Politik der
„Präkarisierung und Militarisierung“, so Roussel. „Aber die Wut verwandelt
sich noch nicht in Kampf.“ Dies wollen die Linksparteien aus Deutschland,
Frankreich und rund zwei Dutzend weiteren Ländern, die in der Partei der
Europäischen Linken „European Left“ vereint sind, ändern. Für den 14. Juni
haben sie zu einer Großdemonstration in Brüssel aufgerufen.
## Gegen Austerität und Aufrüstung
Das Motto „Soziale Gerechtigkeit statt Krieg“ soll mobilisieren, es steht
aber auch für eine neue Akzentsetzung. Bisher hatte die Linke vor allem
gegen Wohnungsnot und Israels Krieg in Gaza mobilisiert. Nun kommt der
Kampf gegen Austerität und [4][Aufrüstung] hinzu. Beide seien untrennbar
miteinander verknüpft, hieß es beim 8. Parteitag der Europalinken in
Brüssel. Die Militarisierung führe zu einem harten Sparkurs in Europa.
Unüberhörbar waren bei der zweitägigen Konferenz die EU-kritischen Töne. So
attackierte Peter Mertens, Generalsekretär der belgischen Arbeiterpartei
PTB, die deutsche EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Unter
ihrer Führung hätten „Zentralisierung und Militarisierung“ der EU immer
größere Ausmaße angenommen. Besonders schlimm sei es in Deutschland, wo die
Aufrüstung mit Schulden finanziert wird. „Da kann niemand mithalten.“
Scharfe Kritik an der EU-Führung kam auch von Claes-Mikael Ståhl, dem
stellvertretenden Generalsekretär des Europäischen Gewerkschaftsbunds.
Unter dem Deckmantel des Bürokratieabbaus und sogenannter Omnibusse würden
die Rechte von Arbeitern und Arbeitnehmern abgebaut, kritisierte er.
Dagegen müsse man grenzüberschreitende Streiks organisieren, so Ståhl.
Nötig sei eine Bewegung für ein soziales Europa, die auch wieder Hoffnung
gebe.
Ein weiteres Thema des Parteitags war die interne Organisation der
Europalinken. „Wir müssen uns effizienter aufstellen, um besser gegen den
Rechtsruck und die Militarisierung agieren zu können“, sagte der linke
EU-Abgeordnete Martin Günther der taz. Die bisher vier Leitungsgremien
wurden zu einem einzigen zusammengelegt. 2024 hatte sich die „European Left
Alliance“ abgespalten. Nun will sich die Europalinke um eine Annäherung
bemühen.
19 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Eric Bonse
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