# taz.de -- Lage von Maja T. nach Ungarnwahl: „Ich hoffe, dass es nun besser wird“
> Die Wahlniederlage Orbáns in Ungarn nährt auch Hoffnung im Fall Maja T.
> Aber eine Rücküberstellung nach Deutschland wird weiter dauern.
(IMG) Bild: Maja T., Antifaaktivist:in vor Gericht in Budapest im Januar 2026
Seit fast zwei Jahren sitzt [1][Maja T.] nun schon in Ungarn in Haft,
derzeit im Budapester Stadtgefängnis, zentral gelegen, in einer kleinen
Zelle hinter massiven Mauern. Und T., nonbinäre Thüringer Antifaschist*in,
verfolgte dort angespannt den Ausgang der Wahl in Ungarn. „Die Stadt hat
den ganzen Abend gebebt und gefeiert. Das konnte man vom Gefängnis aus
mitbekommen“, übermittelte Maja T. am Montag eine Nachricht an die taz. Und
zur Lage im Land: „Ich hoffe, dass es nun besser wird.“
Tatsächlich nährt die deutliche Wahlniederlage von Viktor Orbán in Ungarn
neue Hoffnung auch im Fall Maja T. Orbán hatte immer wieder gegen „die
Antifa“ agitiert und die deutsche „Antifa Ost“ als terroristische
Vereinigung eingestuft, zuletzt auch die Berliner „Vulkangruppe“. Vor allem
gegen die italienische Antifaschistin Ilaria Salis, die auch in Budapest
inhaftiert war und wegen ihrer Wahl ins Europaparlament Immunität bekam,
wetterte Orbán auch persönlich.
Salis jubilierte noch am Wahlabend auf ihrem Social-Media-Kanal: „Ungarn
wie Europa werden bessere Orte ohne Viktor Orbán sein. Goodbye forever!“
Und auch Maja T. teilte der taz mit: Mit dessen Wahlniederlage gebe es nun
in Ungarn die Möglichkeit, „die Entwicklung in demokratische Wege zu
leiten“. Und: „Das sollte der Zivilgesellschaft, der Bevölkerung, Luft zum
Atmen geben.“ Gleichzeitig müsse die Tisza, die Partei von Wahlsieger Péter
Magyar, aber auch ihrer Verantwortung gerecht werden und dürfe die
Zweidrittelmehrheit nicht missbrauchen.
Schon in einem [2][Brief an die taz vor der Wahl hatte Maja T.
geschrieben], an einen „Sieg Orbáns zu denken, verweigere ich naiv, dies
wäre ein Blick in ein bodenloses Glas Absinth; dystopisch“. Aber auch zu
Magyar äußerte sich Maja T. zurückhaltend. „Je länger ich über diese
Schicksalswahl und den im Ausland erwarteten Sieg des jungen Kontrahenten
nachdenke, desto unbequemer wird es mir“, heißt es im Brief. „Denn was
spricht dagegen, dass sich das Gegenwärtige bloß mit neuem Gesicht
verfestigt?“ Gleichzeitig formulierte Maja T. aber Hoffnung: Vielleicht
gelinge es ja, dass „resignierte Ohnmachtsgefühle im Schatten von
‚Schicksalswahlen‘ im Winde zerstreut werden“.
## Erleichterung über Abwahl Orbáns
Im Juni 2023 war Maja T. von Deutschland nach Ungarn ausgeliefert worden –
wegen vorgeworfener Angriffe auf Rechtsextreme in Budapest im Februar 2023,
rund um den damaligen „Tag der Ehre“, einen europaweiten Neonazi-Treff. Die
Auslieferung war später vom Bundesverfassungsgericht für rechtswidrig
erklärt worden, weil die Haftbedingungen für queere Menschen in Ungarn
nicht ausreichend geprüft wurden. Im Februar dieses Jahres war Maja T. dann
[3][in Budapest zu acht Jahren Haft verurteilt worden.]
Wolfram Jarosch, Vater von Maja T., sagte am Montag der taz, sein Kind habe
sehr auf das Wahlergebnis hingefiebert. „Die Hoffnung ist nun natürlich
groß, dass es endlich zu einem fairen Umgang mit meinem Kind kommt und zu
einer baldigen Rücküberstellung nach Deutschland.“ Jarosch sagte, auch er
sei froh, dass die Regierung Orbán abgewählt wurde, die sich immer mehr
durch einen Abbau der Demokratie und des Rechtsstaats auszeichnete und
gegen Minderheiten hetzte.
Er werde nun versuchen, noch mal mit dem deutschen Außenministerium und dem
Europäischen Parlament ins Gespräch zu kommen, so Jarosch. Der Fall von
Maja T. müsse bei den anstehenden Verhandlungen der EU über
rechtsstaatliche Reformen in Ungarn und deshalb eingefrorene EU-Gelder
„eine wichtige Rolle spielen“. Jarosch war am Montag bereits in Brüssel und
traf dort unter anderem Ilaria Salis und die Vizepräsidentin des
EU-Parlaments, Pina Picierno.
Auch Maja T.s Anwalt Sven Richwin sagte der taz: „Auch wenn
rechtsstaatliche Reformen noch einige Zeit in Anspruch nehmen dürften, kann
Maja zumindest nicht mehr als antieuropäische Projektionsfläche Orbáns
dienen.“ Konkret sei es nun Aufgabe des deutschen Außenministers Johann
Wadephul (CDU), die abgebrochenen Gespräche mit Ungarn über den Fall Maja
T. „wieder aufzunehmen und eine Rücküberstellung zu beschleunigen“.
## Rücküberstellung dürfte Zeit brauchen
Aus dem Auswärtige Amt hieß es am Montag, an der rechtlichen Situation in
dem Fall habe sich nichts verändert. Für das Verfahren gegen Maja T. sei
weiterhin die unabhängige ungarische Justiz zuständig. Das Auswärtige Amt
bleibe aber „hochrangig“ mit dem Fall befasst und werde diesen weiterhin
gegenüber der ungarischen Seite ansprechen.
Viel Bewegung ist in dem Fall trotz des Wahlausgangs tatsächlich erst mal
nicht zu erwarten. Denn die neue Regierung in Ungarn muss sich erst noch
formieren. Und nach der Verurteilung von Maja T. im Februar gingen sowohl
die Staatsanwaltschaft als auch T. in Berufung. Eine Entscheidung darüber
wird erst in einigen Monaten erwartet. Und eine Rücküberstellung von T.
nach Deutschland ist erst nach einem rechtskräftigen Urteil möglich. Darauf
verweist aktuell auch das Auswärtige Amt.
Auch unter Orbán gab es bereits eine Zusage Ungarns, dass für Maja T. eine
Verbüßung der Haftstrafe in Deutschland möglich sein wird – dies entspricht
auch geltendem europäischem Recht. Die Sorge aber war, dass die Justiz
unter Orbán diese Rücküberstellung verzögern oder blockieren könnte. Diese
Sorge sei nun deutlich geringer geworden, sagte Anwalt Richwin der taz.
Umso mehr, da der neue Regierungschef Péter Magyar bereits am Wahlabend
dazu aufforderte, dass alle „Marionetten“, die Orbán einsetzte,
zurücktreten. Konkret erwähnte Magyar Staatspräsident Támas Sulyok, aber
auch den Obersten Staatsanwalt Gábor Bálint Nagy und die Spitzen des
Verfassungsgerichts. Und Magyar setzte einen neuen Ton: Er sprach von einer
„menschlichen Heimat“, zu der Ungarn werden solle.
13 Apr 2026
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