# taz.de -- Streit um Maßnahmen gegen Energiekrise: Koalition außer Rand und Band
> In der Debatte um Entlastungen geht Wirtschaftsministerin Reiche auf
> Finanzminister Klingbeil los. Von Kanzler Merz wird sie dafür
> zurechtgewiesen.
(IMG) Bild: Not amused: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU)
rtr/dpa/taz | In der schwarz-roten Koalition verschärft sich der Streit
über Entlastungen der Verbraucher [1][angesichts der hohen Spritpreise]. Am
Freitag mahnte Kanzler Friedrich Merz Wirtschaftsministerin Katherina
Reiche (beide CDU) zur Zurückhaltung. Merz sei „befremdet über den
öffentlichen Schlagabtausch und mahnt Ministerin Reiche zur Zurückhaltung“,
hieß es aus dem Umfeld des Kanzlers.
Vorausgegangen waren verbale Attacken von Reiche auf Finanzminister Lars
Klingbeil (SPD). „Der Koalitionspartner ist in den letzten Wochen damit
aufgefallen, Vorschläge zu unterbreiten, die teuer, wirkungsschwach und
verfassungsrechtlich fragwürdig sind“, sagte Reiche bei Welt TV. „Das führt
zu Verwirrung und hilft den Verbrauchern nicht.“
Während sich Vizekanzler Klingbeil am Freitag mit Vertretern von
Gewerkschaften und Arbeitgebern traf, [2][um „über Maßnahmen in der
aktuellen Krise“ zu beraten], holzte Reiche gegen den Kabinettskollegen von
der SPD. Nicht zuletzt der [3][Klingbeil-Forderung nach einer
Übergewinnsteuer] erteilte sie „eine klare Absage“. Stattdessen schlug sie
eine Senkung der Dieselsteuern für das Speditionsgewerbe und – erneut –
eine Erhöhung der Pendlerpauschale vor. Klingbeil und die CDU lehnen das
ab.
Zudem kündigte Reiche einen Koalitionsausschuss der Spitzen von CDU, CSU
und SPD am Wochenende an – was für Verwirrung sorgte. Ein
Regierungssprecher wollte dies nicht bestätigen und verwies auf intensive
Abstimmungen in der Koalition auch über die anstehenden Reformen, die das
ganze Wochenende liefen.
## SPD ist sauer
Aus dem Umfeld des Kanzlers hieß es, zur Energiepolitik habe es bei einem
Gespräch von Merz mit Reiche und Klingbeil am Donnerstag eine klare
Verabredung gegeben. Ziel sei es, Vorschläge einvernehmlich in der
Regierung zu erarbeiten. „Der Bundeskanzler hat dazu seine Vorstellungen
genannt“, hieß es weiter. Die zuständigen Häuser sollten Vorbereitungen für
den Fall treffen, dass die Benzinpreise weiter und dauerhaft stiegen.
Der Unmut ist auch deshalb so groß, weil die öffentliche Nervosität
angesichts der hohen Spritpreise verständlich sei. „Aber die Koalition kann
jetzt nur zu Beschlüssen kommen, wenn sie vertrauensvoll und ruhig
zusammenarbeitet. Merz mahnt die Koalitionäre zur Geschlossenheit“, hieß es
weiter. Es gehe jetzt „um das Land, nicht um Parteibefindlichkeiten“. Das
hat am Freitag schon mal nicht funktioniert.
Die SPD-Fraktion reagierte dann auch verärgert auf Reiches Auftritt. Ihre
Aussagen seien sehr befremdlich, „stellen sie doch massiv das Miteinander
dieser Koalition infrage“, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der
SPD-Bundestagsfraktion, Dirk Wiese, der Rheinischen Post zu dem Auftritt.
Der SPD-Fraktionsvize Esra Limbacher bezeichnete Reiche als ungeeignet in
ihrem Amt. „Es ist bedauerlich, dass sich eine Wirtschaftsministerin als
Vertreterin der Mineralölkonzerne versteht, statt gemeinsam mit dem
Koalitionspartner für die Entlastung der vielen kleinen Unternehmen zu
sorgen“, sagte der Sprecher des rechten SPD-Netzwerks Seeheimer Kreis der
Rheinischen Post.
10 Apr 2026
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