# taz.de -- Krieg in Sudan: Vor dem nächsten brutalen Kriegsjahr
       
       > In Sudan geht der derzeit brutalste Krieg der Welt in das vierte Jahr.
       > Daran wird auch die Sudankonferenz in Berlin am 15. April nichts ändern.
       
 (IMG) Bild: Ein Volk auf gepackten Koffern: An der Grenze von Sudan und Tschad bei Tiné, wo der Krieg überzuschwappen droht
       
       Jedes Jahr am 15. April gibt es irgendwo eine internationale
       Sudan-Konferenz. 2024 [1][in Paris], 2025 [2][in London] und 2026 nun in
       Berlin. Pünktlich zum Jahrestag des Ausbruchs des Bürgerkriegs zwischen
       Sudans Armee und der paramilitärischen Miliz RSF (Rapid Support Forces) am
       15. April 2023 beraten dann Diplomaten, Helfer, Politiker und ausgewählte
       zivile sudanesische Stimmen über diesen Krieg, der die aktuell wohl
       schlimmste humanitäre Krise der Welt herbeigeführt hat. Es hat mittlerweile
       etwas Ritualisiertes, die Kriegsparteien sind nicht geladen, eine
       Abschlusserklärung wird nicht erwartet – sie könnte ohnehin nichts ändern.
       
       Der Krieg hat Sudan weitgehend zerstört. 45 Millionen Menschen lebten dort
       vor dem Krieg. Ein Drittel davon wurde seit dem 15. April 2023 in die
       Flucht getrieben, die Hälfte hungert, zwei Drittel sind auf Nothilfe
       angewiesen. Da diese weder ausreichend finanziert ist noch den Großteil der
       Bedürftigen erreicht, verschlechtern sich die Lebensbedingungen der noch im
       Land lebenden Sudanesen von Jahr zu Jahr.
       
       Als im August 2024 erstmals eine Hungersnot nach den Kriterien der UN
       [3][in Teilen der westsudanesischen Region Darfur festgestellt] wurde, war
       die internationale Betroffenheit groß. Seitdem hat diese Feststellung des
       UN-Hungerexpertennetzwerks IPC (Integrated Food Security Phase
       Classification) immer neue Gebiete erreicht, und die [4][Prognosen für
       2026] sind düster. Aber die Welt hat andere Sorgen.
       
       Die [5][Finanztabellen der UN-Koordinierungsstelle für humanitäre Hilfe
       (OCHA)] offenbaren das Elend. 2,06 Milliarden US-Dollar spendeten
       Geberländer im Jahr 2024 für die humanitären Hilfspläne der UN für Sudan,
       71 Prozent des Bedarfs. Im Jahr 2025 waren es nur 1,77 Milliarden, 40
       Prozent des Bedarfs. Für das Jahr 2026 liegen die Geberzuwendungen bisher
       bei kümmerlichen 511 Millionen Dollar, also umgerechnet rund 437 Millionen
       Euro und 16 Prozent des Bedarfs. Um einen Berliner Vergleich zu bemühen:
       Diese Summe entspricht den Sanierungskosten der Komischen Oper. Fast die
       Hälfte davon kommt übrigens aus den USA, trotz Donald Trumps Kürzungen,
       Deutschland steuert bescheidene 23,5 Millionen Dollar bei.
       
       ## Die Armee holte sich die Macht zurück
       
       Es ist still geworden um Sudan. Die Euphorie vor sieben Jahren, als eine
       [6][todesmutige Demokratiebewegung] mit monatelangen Massenprotesten gegen
       Sudans brutale Militärdiktatur im April 2019 die [7][Absetzung von
       Langzeitherrscher Omar Hassan al-Bashir] erzwang, scheint eine Ewigkeit
       her.
       
       Die Armeeführung um Übergangsstaatschef General Abdelfattah al-Burhan holte
       sich sukzessive die ganze Macht zurück. Sie [8][entmachtete bereits 2021
       die aus dem Volksaufstand entstandene zivile Übergangsregierung] – die
       Demokratiebewegung konnte sich nicht wehren.
       
       Als die Militärregierung 2023 auch die RSF-Miliz als größte autonome
       Struktur des Sicherheitsapparats auflösen wollte, stieß sie auf Gegenwehr.
       RSF-Anführer Mohamed Hamdan Daglo, genannt Hametti, damals unter Burhan
       Sudans Vizepräsident, trat gegen Burhan in den Aufstand. Zunächst in der
       Hauptstadt Khartum, dann im ganzen Land.
       
       Mittlerweile hat Hametti in seiner Heimatregion Darfur eine Gegenregierung
       gebildet, auch mit zivilen Kräften, und erklärt seinen Krieg zum Widerstand
       gegen die Diktatur. Aber seine Miliz begeht die schlimmsten Massaker dieses
       Kriegs. Allein bei der Einnahme von Darfurs größter Stadt El Fasher durch
       die RSF im Oktober 2025 sollen Z[9][ehntausende Menschen getötet] worden
       sein.
       
       Die Militärregierung sitzt jetzt fest im Sattel in Port Sudan und Khartum
       und am Nil, die RSF in Darfur. Das Szenario, dass [10][Sudan zwar
       zerfällt], damit aber wenigstens der Krieg abflaut, erscheint zunehmend
       unrealistisch. Beide Kriegsführer suchen den totalen Sieg. Für Burhan sind
       die RSF und ihre Freunde Mörder und Terroristen. Für Hametti sind die
       Militärmachthaber Diebe und Islamisten.
       
       ## Kriegseskalation vor der Regenzeit
       
       Beide Kriegsparteien agieren immer enthemmter. Krankenhäuser werden
       regelmäßig gezielt aus der Luft angegriffen, auch Kinderkliniken und
       Gesundheitseinrichtungen mit internationaler Unterstützung. Drohnenangriffe
       auf Zivilisten haben seit Jahresbeginn mehrere Hundert Tote gefordert; erst
       am Abend des 8. April starben je nach Quelle 32 bis 56 Menschen bei einem
       Drohnenangriff der Armee auf eine Hochzeitsfeier im RSF-Gebiet von Darfur.
       
       Momentan eskalieren die Kämpfe erneut, wie immer vor der Regenzeit im
       Sommer. Die RSF will ihre [11][Nachschubwege aus Libyen und Tschad für
       Militärgerät aus den Vereinigten Arabischen Emiraten] dauerhaft sichern und
       zugleich wieder Richtung Khartum vorrücken. Die zentralsudanesische Region
       Kordofan ist aktueller Brennpunkt, die Städte Kadugli und Dilling werden
       von der RSF belagert und fürchten ein ähnliches Schicksal wie El Fasher
       vergangenes Jahr.
       
       Zuletzt eröffnete die RSF eine neue Front im Osten Sudans und besetzte am
       24. März die Stadt Kurmuk an der Grenze zu Äthiopien – ermöglicht durch die
       vorherige Nutzung äthiopischer Militärbasen, wie eine am 8. April
       präsentierte [12][Auswertung von Satellitenaufnahmen] durch Forscher der
       US-Universität Yale belegt. Das ist ein mögliches Anzeichen einer
       gefährlichen regionalen Eskalation. Äthiopien als jahrtausendealte Macht am
       Oberlauf des Nils und Ägypten als jahrtausendealte Macht am Unterlauf des
       Nils sind historische Rivalen – und Sudan liegt in der Mitte.
       
       ## Äthiopien und Tschad werden hineingezogen
       
       Seit Äthiopien am Blauen Nil unweit der Grenze zu Sudan den größten
       Staudamm Afrikas gebaut hat und damit den Wasserzufluss Richtung Ägypten
       erstmals eigenmächtig regulieren kann, sieht sich das vom Nilwasser
       abhängige Ägypten in seiner Existenz bedroht und sinnt auf einen
       Gegenschlag. Für Sudans Generäle ist Ägypten der wichtigste Verbündete –
       für Äthiopien wäre Sudans RSF ein natürlicher Alliierter gegen Khartum und
       Kairo.
       
       Eine weitere gefährliche Internationalisierung droht im Westen Sudans, wo
       immer öfter tschadische Soldaten und Zivilisten durch Beschuss aus Sudan
       sterben. Im Fokus steht der Grenzort Tiné, auf sudanesischer Seite El Tina,
       den die RSF im Februar übernahm – ein lukrativer Grenzübergang. Tschads
       Generalstaatsanwaltschaft stellte am 7. April die [13][Ergebnisse ihrer
       Ermittlungen] zu einem Drohnenangriff vor, der am 18. März 20 Menschen auf
       einem Markt in Tiné tötete, und sprach von einer „sudanesischen
       Aggression“. Zuvor hatte Tschads Präsident Mahamat Déby seine Armee
       angewiesen, künftig zurückzuschießen.
       
       Sollte Tschad, und damit die instabile afrikanische Sahelzone, in Sudans
       Bürgerkrieg hineingezogen werden und dieser sich zugleich zu einem
       ägyptisch-äthiopischen Stellvertreterkrieg auf sudanesischem Boden
       erweitern, wäre das ein Worst-Case-Szenario für Afrika, einen Kontinent in
       direkter Nachbarschaft Europas und des Nahen Ostens. Darauf ist die
       internationale Gemeinschaft so gar nicht vorbereitet.
       
       13 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Geberkonferenz-fuer-Sudan/!6001732
 (DIR) [2] /Mehr-Hilfe-fuer-Sudans-Kriegsopfer/!6079141
 (DIR) [3] https://fews.net/east-africa/sudan/alert/august-2024
 (DIR) [4] https://fews.net/east-africa/sudan/food-security-outlook/february-2026
 (DIR) [5] https://fts.unocha.org/plans/1514/summary
 (DIR) [6] /Ein-Jahr-Krieg-in-Sudan/!6001608
 (DIR) [7] /Umsturz-im-Sudan/!5584874
 (DIR) [8] /Militaerputsch-in-Sudan/!5811201
 (DIR) [9] /Massaker-in-Darfur/!6163596
 (DIR) [10] /Sudan-droht-der-Zerfall/!6070331
 (DIR) [11] /Illegale-Ruestungsexporte-in-den-Sudan/!6127396
 (DIR) [12] https://files-profile.medicine.yale.edu/documents/6fd54e48-167c-4af0-995b-942bee4727f9
 (DIR) [13] https://tchadinfos.com/2026/04/07/attaque-de-drone-a-tine-le-procureur-de-la-republique-presente-les-conclusions-de-lenquete/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominic Johnson
       
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