# taz.de -- Beschuss des Flughafens Khartum: Sudan und Äthiopien am Rande des Krieges
       
       > Sudan beschuldigt Äthiopien nach Drohnenangriff auf den Flughafen von
       > Khartum. Äthiopien beschuldigt Sudan wegen neuer Krise in der Region
       > Tigray.
       
 (IMG) Bild: Montag 4. Mai: Rauch über dem Flughafen von Sudans Hauptstadt Khartum – angeblich ein RSF-Drohnenangriff aus Äthiopien
       
       Ein Krieg zwischen Sudan und Äthiopien rückt näher und damit das Risiko
       einer Ausweitung des Sudankrieges. Sudans Militärregierung hat am Dienstag
       Äthiopien und die Vereinigten Arabischen Emirate für einen Drohnenangriff
       auf den Flughafen der Hauptstadt Khartum verantwortlich gemacht und ihren
       Botschafter zu Konsultationen zurückgeholt. Äthiopiens Regierung wies die
       „grundlosen Anschuldigungen“ scharf zurück.
       
       Am Montag hatte Sudans Luftabwehr erklärt, Drohnen im Anflug auf den
       Flughafen Khartum abgeschossen zu haben. Augenzeugen bestätigten
       Explosionen in einem angrenzenden Stadtgebiet. Mehrere Militäreinrichtungen
       in Khartum seien ebenfalls angegriffen worden. Bereits am Samstag hatte
       Sudans aufständische Miliz RSF (Rapid Support Forces) mit einer Drohne ein
       Auto in Omdurman beschossen und fünf Menschen getötet. Im südlich gelegenen
       Bundesstaat Gezira tötete ein RSF-Drohnenangriff am Sonntag einen
       hochrangigen RSF-Überläufer zur Armee.
       
       Mit diesen Angriffen kehrt [1][der Sudankrieg], der im April 2023 mit
       Kämpfen zwischen Armee und RSF mitten in Khartum begonnen hatte, zum ersten
       Mal seit der vollständigen Eroberung der Hauptstadt durch die Armee im März
       2025 wieder nach Khartum zurück. In Khartum hatte das Ende der Kämpfe im
       vergangenen Jahr die Rückkehr von Geflüchteten ermöglicht, am 1. Februar
       landete erstmals wieder ein ziviler Flug auf dem Flughafen der Stadt.
       
       Ende März aber eröffneten RSF-Einheiten eine neue Front im Süden Sudans und
       besetzten die Stadt [2][Kurmuk] an der äthiopischen Grenze. Unabhängige
       Beobachter bestätigten danach, dass Waffen aus den Vereinigten Arabischen
       Emiraten über Äthiopien an die Miliz gelangt waren, konkret über den
       Flughafen von [3][Bahir Dar], Hauptstadt der Region Amhara.
       
       Es gebe „zwingende Beweise“, dass die jetzt auf Khartum abgeschossene
       Drohne ebenfalls von Bahir Dar aus abgefeuert wurde, [4][sagten Sudans
       Außenminister Mohleddin Salem und Militärsprecher Asim Awad abd al-Wahab]
       am Dienstag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz. „Wir geben förmlich die
       Verwicklung der Vereinigten Arabischen Emirate und Äthiopiens in die
       Bombardierung des Flughafens von Khartum bekannt“, erklärten sie. Sudans
       Regierung behalte sich eine Reaktion ihrer Wahl vor. Man sei auf „alle
       Szenarien“ vorbereitet, „auch eine direkte militärische Konfrontation“.
       
       ## Ein Fingerzeig auf Ägypten
       
       Äthiopiens Außenministerium reagierte scharf und machte Sudan dafür
       verantwortlich, dass in der nordäthiopischen Region Tigray der Konflikt mit
       der ehemaligen Regionalregierung der TPLF (Tigray-Volksbefreiungsfront)
       wieder aufzuflammen droht. Der blutige Tigraykrieg von 2020 bis 2022 war im
       November 2022 per Friedensabkommen beendet worden, Tigray kam unter die
       Kontrolle der Zentralmacht. Aber da Milizen aus der Region Amhara weiterhin
       in Tigray stehen, hat sich der Großteil der TPLF inzwischen [5][vom
       Friedensprozess losgesagt].
       
       Am Dienstag [6][setzte die TPLF ihre alte Regionalregierung in Tigrays
       Hauptstadt Mekelle wieder ein], unter Führung von TPLF-Chef Debretsion
       Gebremichael – eine Kampfansage. Äthiopiens Regierung behauptet, Sudan
       unterstütze die TPLF-Reorganisation mit Waffen und Geld. „Zahlreiche
       glaubwürdige Beweise belegen, dass Sudan als Basis für antiäthiopische
       Kräfte dient“, [7][erklärte das Außenministerium] in Addis Abeba. Sudan
       werde von „äußeren Mächten“ instrumentalisiert.
       
       Das ist ein Fingerzeig auf Ägypten, einer der wichtigen militärischen
       Verbündeten von Sudans Regierung. Ägypten und Äthiopien sind verfeindet,
       seit Äthiopien den Blauen Nil aufgestaut hat, um aus dem [8][„Großen
       Äthiopischen Renaissance-Staudamm“ (Gerd)] Wasserkraft zu gewinnen. Dass
       Ägypten aus Rache zusammen mit Sudan Rebellen in Äthiopien unterstützten
       könnte, ist ebenso wenig auszuschließen wie die Unterstützung von Sudans
       RSF durch Äthiopien.
       
       5 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Schwerpunkt-Krieg-in-Sudan/!t5930698
 (DIR) [2] https://en.wikipedia.org/wiki/Kurmuk
 (DIR) [3] https://en.wikipedia.org/wiki/Bahir_Dar
 (DIR) [4] https://sudantribune.com/article/313527
 (DIR) [5] /Kaempfe-in-Aethiopien/!6071757
 (DIR) [6] https://addisstandard.com/tplf-says-tigray-council-elects-debretsion-gebremichael-as-president-resumes-work-after-three-year-suspension/
 (DIR) [7] https://x.com/MFAEthiopia/status/2051607283482722563
 (DIR) [8] /Grand-Ethiopian-Renaissance-Dam/!6111919
       
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 (DIR) Dominic Johnson
       
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