# taz.de -- Sudanesische Stimmen zur Sudankonferenz: „Wir sehen dieselben alten Gesichter“
       
       > Deutschland hat aus Sudan Vertreter der zivilen Selbsthilfe und
       > Demokratiebewegung nach Berlin geholt. Aber es gibt an der Sudankonferenz
       > auch Kritik.
       
 (IMG) Bild: Sudan-Flüchtlinge in Kenias Hauptstadt Nairobi auf einer Protestaktion
       
       Die Ausrichter der internationalen Sudan-Konferenz in Berlin rühmen sich
       damit, neben einer Vielzahl internationaler Vertreter:innen auch die
       sudanesische Zivilgesellschaft in großer Zahl eingeladen zu haben.
       Insgesamt 40 sudanesische Zivilist:innen aus unterschiedlichen
       Initiativen sind nach Angaben von Manisha Varuni Ushani Agalawatta von der
       UN-Delegation für Sudan angereist. Sie könnten die Positionen ihrer
       unterschiedlichen Gemeinschaften auf der internationalen Bühne einbringen.
       Dies, so betonen Sudanesen wiederholt, macht die Bedeutung der Einbeziehung
       der Zivilgesellschaft aus.
       
       Das höchste Ziel ist die Beendigung des Krieges, darüber besteht Einigkeit.
       Weniger einig scheint die sudanesische Zivilgesellschaft in Bezug auf die
       Konferenz an sich zu sein.
       
       Während am Mittwoch im Auswärtigen Amt in Berlin die Delegierten und
       Minister tagen, findet draußen auf der Straße eine sudanesische
       Demonstration statt. Die Demonstrierenden werfen Berlin vor, mit den
       Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), die als [1][ausländischer
       Hauptunterstützer der in Sudan gegen die Regierung kämpfenden Miliz RSF
       (Rapid Support Forces)] gelten, und mit der Einladung des politischen
       Bündnisses Somoud der RSF Legitimation zu verschaffen und so nicht zur
       Lösung, sondern zur Verlängerung des Konflikts beizutragen.
       
       Somoud ist eine Anti-Kriegsallianz rund um den ehemaligen Premierminister
       [2][Abdalla Hamdok], die unter Menschen im Sudan umstritten ist, da sie bis
       heute öffentlich weder den von zahlreichen Beobachtern festgestellten
       [3][Genozid der RSF] noch deren Unterstützung durch die VAE verurteilt.
       
       ## Regierungstreuer Protest
       
       Dieser Protest ist unter Sudanes:innen umstritten. Einige werfen den
       Protestierenden vor, Anhänger:innen der sudanesischen Regierungsarmee
       SAF zu sein. Gaffar Mohammud Saeneen, Mitorganisator der Demonstration,
       verneint dies: „Wir stehen vor zwei Übeln“, sagt er über die beiden
       Kriegsparteien. „Aber während die SAF die offizielle Armee des
       sudanesischen Staates ist, ist die RSF eine genozidale Miliz.“
       
       Die RSF müssten daher zuerst eliminiert werden. Er kritisiert, dass eine
       Konferenz, die sich zum Ziel gesetzt hat, Friedensverhandlungen anzustoßen,
       die de-facto-Regierung von Staats- und Armeechef Abdel Fattah al-Burhan
       nicht eingeladen hat.
       
       Ein Protestierender, der namentlich nicht genannt werden möchte, schließt
       sich ihm an: Die Konferenz im Auswärtigen Amt, klagt er, sei eine
       Wiederholung der Berliner Konferenz von 1884, als Europas imperiale Mächte
       die Aufteilung Afrikas unter sich ohne afrikanische Beteiligung regelten.
       Solche Aussagen decken sich mit offiziellen [4][Positionierungen der
       sudanesischen Regierung] gegen die Konferenz.
       
       ## Revolutionäre Skepsis
       
       Auch Teile der revolutionären Bewegung – ihre Massenproteste stürzten 2019
       das Militärregime in Sudan, nur um danach machtlos ansehen zu müssen, wie
       die Generäle um die beiden heutigen Kriegsparteien sich die Macht
       allmählich zurückholten, bevor sie sich gegenseitig bekämpften – haben sich
       öffentlich von der Konferenz distanziert. Die [5][Widerstandskomitees],
       Sudans nachbarschaftlich organisierte Graswurzelnetzwerke, die als die
       tragende Kraft der Revolution galten, lehnten die Konferenz in einem
       Statement auf der Plattform X ab.
       
       Dort heißt es, die Konferenz sei eine Operation imperialistischer Mächte,
       die darauf abziele, Sudan so zu gestalten, dass er ihren Interessen diene.
       Dazu würde „politischer Müll unter dem Deckmantel ziviler Arbeit“
       wiederverwertet.
       
       Ähnlich sieht es Amin Ayman Suleiman, Sprecher der Gruppe „Ghadiboon Bila
       Hadud“ („Wütend ohne Grenzen“). Sie gründete sich im Zuge des
       Militärputsches 2021 gegen die damalige zivile Übergangsregierung mit dem
       Ziel, die Putschisten zu stürzen. Suleiman gab am Tag vor der Konferenz auf
       seiner Facebook-Seite bekannt, die Gruppe habe eine Einladung zur Konferenz
       erhalten und diese abgelehnt. Die Konferenz repräsentiere nicht die
       sudanesische Bevölkerung und trage lediglich zu einer Verlängerung des
       Krieges und einer Wiederholung von Krisen bei. Auch der revolutionäre
       Zusammenschluss der „Allianz der Kräfte radikalen Wandels“ verurteilt die
       Konferenz öffentlich auf seiner Facebook-Seite.
       
       Auch in Deutschland aktive Sudanes:innen stehen der Konferenz kritisch
       gegenüber. Ibrahim Izeldeen von „Sudan Uprising Germany“ kritisiert
       gegenüber der taz, es fehle an Transparenz nach außen. Die Konferenz sei
       nichts Neues: „Was dort als ‚Zivilgesellschaft‘ bezeichnet wird, sind
       dieselben alten Gesichter, die wir als Teil des Konfliktes sehen. Es sind
       die Menschen, die im Sudan die Nichtregierungsorganisationen
       kontrollieren“, erklärt er. Die international finanzierten Organisationen
       hätten primär ein Eigeninteresse aus finanziellen Vorteilen, Karrieren und
       Gelegenheiten. Sie würden die Interessen der internationalen Geldgeber
       vertreten, nicht die sudanesischen.
       
       ## Finanzhilfen sind am wichtigsten, sagen Nothelfer
       
       Abdelmajid Mergany von den Emergency Response Rooms (ERR) gibt sich indes
       zuversichtlich. Die ERR sind zivil organisierte Notfallzentralen, die im
       Sudan seit Kriegsbeginn an vielen unterschiedlichen Orten lokale humanitäre
       Hilfe für die Bevölkerung leisten; sie wurden erst vergangenes Jahr [6][mit
       dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet].
       
       Mergany ist einer von fünf aus Sudan nach Berlin entsandten Repräsentanten
       der ERR. Im Gespräch mit der taz sagt er, das Ziel der ERR sei nicht, am
       politischen Prozess teilzunehmen, sondern flexible finanzielle Hilfen von
       internationalen Geldgebern für ihre Arbeit vor Ort zu erhalten. Mehrere
       Staaten haben bereits Zahlungen in Millionenhöhe zugesagt.
       
       Zum angestrebten politischen Prozess möchte Mergany sich nicht äußern.
       Wichtig sei natürlich, Frieden zu schaffen. Doch wie das geschehe, das sei
       nicht Aufgabe der ERR. Seit Kriegsbeginn stehen sie in ganz Sudan unter
       Beschuss. RSF und SAF beschuldigen ihre Mitglieder beide, mit der jeweils
       anderen Seite zu kooperieren. In der Folge werden sie für ihre humanitäre
       Arbeit immer wieder verfolgt, verhaftet und sogar getötet. Rund 100
       Todesopfer hätten die ERR inzwischen zu beklagen, heißt es auf der
       Konferenz.
       
       Ein sudanesischer Aktivist, der ungenannt bleiben möchte, sagt der taz im
       Gespräch: „Die Menschen, die wirklich die Arbeit vor Ort leisten, die
       wirklich in der lokalen Bevölkerung verwurzelt sind, werden nie an einer
       solchen Konferenz teilnehmen.“ Denn sie würden weder von RSF noch von SAF
       überhaupt einen Pass ausgestellt bekommen, der es ihnen ermöglichen würde,
       nach Berlin zu reisen.
       
       15 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Saskia Jaschek
       
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