# taz.de -- Kritik an internationaler Sudankonferenz: „Unzureichend und hinderlich“
       
       > Die Sudankonferenz in Berlin stößt sowohl bei Sudans Militärregierung als
       > auch bei der Gegenseite auf Ablehnung. Die Bundesregierung weist Kritik
       > zurück.
       
 (IMG) Bild: Eigentlich müsste es um die Zivilbevölkerung gehen: Vor der RSF-Miliz in Darfur geflohene sudanesische Zivilisten in Al-Dabbah
       
       Die internationale Sudankonferenz in Berlin am 15. April wird von
       zunehmenden Kontroversen überschattet. Nach Sudans international
       anerkannter Regierung von Armee- und Staatschef Abdelfattah al-Burhan lehnt
       nun auch die von der aufständischen Miliz RSF (Rapid Support Forces)
       gebildete Gegenregierung, in Sudan als „Tasis“ (Sudanesische
       Gründungsallianz) bekannt, die von Deutschland ausgerichtete Konferenz ab.
       
       Die Konferenz sei von „fundamentalen Mängeln“ gekennzeichnet und sei für
       die Suche nach einer politischen Lösung des Konfliktes in Sudan „nicht nur
       unzureichend, sondern auch hinderlich“, heißt es in einem
       [1][Tasis-Statament], das am Sonntag verbreitet wurde. Grund sei die
       Beteiligung ziviler Unterstützer des Militärregimes. Ein Friedensprozess
       für Sudan „kann nicht auf Kompromissen aufbauen“, heißt es weiter.
       
       Beide Kriegsparteien stellen sich jetzt somit öffentlich gegen das Treffen,
       das von Deutschland, Frankreich, dem Vereinigten Königreich, den USA, der
       Europäischen Union (EU) und der Afrikanischen Union (AU) gemeinsam
       organisiert wird. Ebenfalls beteiligt sind Saudi-Arabien und die
       Vereinigten Arabischen Emirate, jeweils die wichtigsten Unterstützer der
       Militärregierung und der RSF.
       
       Bereits vor einigen Tagen [2][verurteilte Sudans Botschaft in Berlin] in
       einer Erklärung die Konferenz als „Bruch des Völkerrechts und der
       UN-Charta“, da Sudans Regierung weder eingeladen noch an der Vorbereitung
       beteiligt worden sei. Deren Premierminister Kamil Idris hatte zuvor der
       Konferenz ein „völliges Scheitern“ prophezeit und Journalisten in Sudans
       Hauptstadt Khartum erklärt, das habe er schon bei der Münchner
       Sicherheitskonferenz im Februar Bundesaußenminister Johann Wadephul gesagt.
       
       ## Teilnahme ziviler Vertreter weckt Missgunst
       
       Aus dem Auswärtigen Amt wird diese Kritik zurückgewiesen. Es wird betont,
       dass Wadephul damals Idris erklärt habe, die Konfliktparteien würden dann
       zur Konferenz eingeladen, wenn in Sudan die Waffen schweigen – diese
       Voraussetzung sei bisher leider nicht erfüllt, heißt es gegenüber der taz.
       
       Die Empörung der Kriegsparteien überrascht auf den ersten Blick, denn bei
       früheren Sudankonferenzen [3][in Paris] und [4][London] jeweils am 15.
       April 2024 und 2025 waren sie auch nicht eingeladen. In Berlin sind jetzt
       aber anders als vorher ausdrücklich Gesprächsrunden mit ausgewählten
       Vertretern ziviler Gruppen aus Sudan auf der offiziellen Konferenzagenda
       vorgesehen.
       
       Dazu gehören verbliebene Strukturen der sudanesischen Demokratiebewegung,
       deren Massenproteste 2019 die damalige Militärdiktatur gestürzt hatten,
       sowie diverse Parteienbündnisse und Politiker. Das weckt Begehrlichkeiten
       und zugleich Misstrauen. Da viele sudanesische Personen und Organisationen
       sich gegenseitig vorwerfen, als Feigenblatt der einen oder der anderen
       Kriegspartei aufzutreten, tobt Streit darüber, wer in welcher Funktion nach
       Berlin darf.
       
       Der Streit konnte offenbar auch auf einem Vorbereitungstreffen am AU-Sitz
       in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba am Wochenende nicht restlos geklärt
       werden. Das Treffen [5][ging mit einem Appell zu einem sofortigen
       Kriegsende zu Ende] – so ziemlich das einzige, worüber sich alle einig
       sind. Ob alle Teilnehmer überhaupt nach Berlin kommen, blieb am Montag
       unklar.
       
       ## „Konkrete Schritte“ für die Menschen in Sudan
       
       Verschiedene Gruppen werfen jetzt Deutschland die Bevorzugung der einen
       oder anderen Kriegspartei vor. Andere Themen, die in Berlin beraten werden
       sollen, drohen nun ins Hintertreffen zu geraten, etwa die Finanzierung
       humanitärer Hilfe. Das deutsche Sudan-Netzwerk aus zahlreichen Hilfswerken
       und unabhängigen Gruppen forderte in einer am Montag veröffentlichten
       Erklärung von der Konferenz „konkrete Schritte, um die Menschen in Sudan
       besser zu schützen und einem Ende des Krieges näherzukommen“.
       
       Das sudanesische zivilgesellschaftliche Netzwerk „Democratic Civil Society
       Platform“ (DCSP) forderte die Berlinkonferenz in einem am Montag
       verbreiteten Schreiben zu einem „pragmatischen“ Umgang mit dem Krieg auf:
       Man brauche als allererstes eine humanitäre Feuerpause, aber die Erfahrung
       zeige, dass darauf nicht automatisch ein Kriegsende folgt. Daher müssten
       mit Sudans zivilen Kräften auf lokaler Ebene humanitäre Sofortmaßnahmen
       erarbeitet werden, die sich in eine politische „Road Map“ hin zu einem
       Friedensprozess einbetten.
       
       Die Bürgerrechtsgruppe „Emergency Lawyers Group“, die eine wichtige Rolle
       in Sudans Demokratiebewegung spielte, forderte ebenfalls am Montag in einer
       Erklärung die Konferenz auf, sich um „sicheren und nachhaltigen humanitären
       Zugang, Öffnung humanitärer Korridore, Unterstützung für internationale
       Ermittlungen zum Schutz von Zivilisten und Gewährleistung eines sicheren
       Umfelds für humanitäre Hilfe“ zu bemühen.
       
       14 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://thesudantimes.com/sudan/sudans-tasis-raises-concerns-over-berlin-conference/
 (DIR) [2] /Internationale-Sudankonferenz-in-Berlin/!6169929
 (DIR) [3] /Sudan-Konferenz-in-Paris/!6004235
 (DIR) [4] https://www.auswaertiges-amt.de/de/service/laender/sudan-node/sudan-konferenz-2714284
 (DIR) [5] https://sudanhorizon.com/berlin-preparatory-meeting-agrees-on-a-call-to-end-the-war/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominic Johnson
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in Sudan
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