# taz.de -- Teures Gesundheitssystem: Kampf um die Krankenkassen-Milliarden beginnt
       
       > Jetzt kommen die Maßnahmen auf den Tisch, die die Krankenkassen
       > stabilisieren sollen. Betroffen sind alle gesetzlich Versicherten und
       > ihre Arbeitgeber:innen.
       
 (IMG) Bild: Hat schon einiges versprochen: Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU), hier bei einem Klinik-Besuch in Dresden
       
       Das große Verhandeln um Einsparungen bei den Krankenkassen beginnt. Eine
       vom Bundesgesundheitsministerium einberufene Kommission will am Montag ihre
       Vorschläge präsentieren, die die gesetzlichen Krankenkassen aus der
       Kostenmisere holen sollen. Relevant sind die Maßnahmen für 75 Millionen
       Versicherte und deren Arbeitgeber:innen. Gelingt eine Stabilisierung nicht,
       drohen weiter steigende Zusatzbeiträge.
       
       Die Ausgaben im Gesundheitssystem entwickeln sich in einer Dynamik, mit der
       die Einnahmen seit Jahren nicht mithalten. Größter Kostentreiber sind die
       Krankenhäuser, die Ausgaben stiegen 2025 um 10 Prozent auf inzwischen über
       111 Milliarden Euro. Für Arzneimittel gaben die Kassen 58 Milliarden Euro
       aus (plus 5,9 Prozent), für die ambulante Versorgung 54 Milliarden Euro
       (plus 7,6 Prozent).
       
       Rein rechnerisch erwirtschafteten die Kassen zwar 2025 ein Plus von
       dreieinhalb Milliarden Euro – allerdings haben sie in der Vergangenheit
       teils ihre Rücklagen verbraucht und sind gesetzlich verpflichtet, diese
       wieder aufzufüllen. Für das laufende Jahr werden Gesamtausgaben von rund
       370 Milliarden Euro erwartet – mehr als eine Milliarde Euro pro Tag. Im
       kommenden Jahr wird eine Finanzlücke von bis zu 15 Milliarden Euro
       befürchtet.
       
       Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hatte nach Amtsantritt
       versprochen, weiter steigende Zusatzbeiträge zu verhindern – [1][was dieses
       Jahr trotz eines „kleinen Sparpakets“ schon mal nicht gelang]. Sie berief
       sich darauf, für alle weiterreichenden Reformen die Vorschläge einer dafür
       einberufenen Kommission abwarten zu wollen. In dieser Kommission, die nun
       ihre ersten Ergebnisse vorlegt, saßen zehn Professor:innen aus den
       Bereichen Medizin, Wirtschaft, Recht, Medizinethik und öffentlicher
       Gesundheitsversorgung. Im Dezember soll die Kommission einen zweiten
       Bericht zu möglichen tiefgreifenden Strukturreformen vorlegen.
       
       ## Alle sollen Beitrag leisten
       
       Die Reformen sollen Fehlanreize beseitigen und die Effizienz erhöhen – und
       am besten noch die Qualität steigern. Denn: Das deutsche Gesundheitssystem
       leistet sich die höchsten Pro-Kopf-Ausgaben in der EU, ist [2][aber
       vergleichsweise ineffektiv] – die deutsche Lebenserwartung liegt im
       EU-Vergleich nur im Mittelfeld.
       
       Erwartet wird von der Kommission ein Baukasten aus möglichen
       Einsparmaßnahmen, die sowohl die Ausgaben- als auch die Einnahmenseite
       betreffen können. Einzelne Vorhaben wie die [3][Abschaffung der
       Familienversicherung für Ehegatten], die [4][Wiedereinführung einer
       Praxisgebühr] oder eine Pflicht, vor jedem Facharztbesuch die Hausärztin zu
       besuchen, werden bereits diskutiert – ins Spiel gebracht vor allem von der
       Ärztelobby und einzelnen Politikern.
       
       Die Krankenkassen fordern, dass der Bund versicherungsfremde Leistungen wie
       die Gesundheitsversorgung von Bürgergeldempfänger:innen ausreichend
       finanziert – sie würden jährlich auf 10 Milliarden Euro Kosten sitzen
       bleiben und [5][haben inzwischen Klage dagegen eingereicht].
       
       Der Verwaltungsrat des GKV-Spitzenverbands appelliert nun an die
       Bundesregierung: „Bringen Sie noch vor dem Sommer ein Gesetz auf den Weg,
       damit die Maßnahmen spätestens im Jahr 2027 greifen.“
       Krankenkassenvertreter Oliver Blatt warnte am Sonntag, dass die Maßnahmen
       nicht vor allem zulasten der Patient:innen gehen dürften. Anne-Kathrin
       Klemm vom Dachverband der betrieblichen Krankenkassen BKK befürchtet:
       „Fatal wäre ein Gezerre, wie wir es um das kleine Sparpaket vor der
       Weihnachtspause erlebt haben. Parteienstreitigkeiten und Richtungsstreits
       können wir uns nicht mehr erlauben.“
       
       Bundeskanzler Friedrich Merz CDU hatte im Vorfeld betont, die Reform müsse
       der Bevölkerung das Gefühl vermitteln, „dass es gerecht zugeht, dass alle
       ihren Beitrag leisten“. Darauf wolle er auch selbst achten. (mit dpa)
       
       29 Mar 2026
       
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