# taz.de -- Bundestag verabschiedet Klinikreform: Die Reform von der Reform mit Ausnahmen
       
       > Der Bundestag stimmt für die umstrittene Krankenhausreform. Die
       > Opposition kritisiert: Die bisherigen Pläne zum Strukturwandel würden
       > damit verwässert
       
 (IMG) Bild: Sollte unsere Koalition sich behandeln lassen? Rechts geht es zum Krankenhaus
       
       Deutschland hat zu viele und zu teure Kliniken. Die Krankenhausreform der
       Ampelregierung sollte das ändern: Spezialisierung fördern,
       Behandlungsqualität sichern und die Gesundheitsversorgung wirtschaftlicher
       machen.
       
       Der jetzigen Koalition waren diese Pläne aber zu strikt. Sie will bei der
       Umsetzung mehr Ausnahmen erlauben und längere Fristen gewähren. Dafür hat
       der Bundestag am Freitag mit den Stimmen der schwarz-roten
       Regierungsmehrheit den Entwurf des [1][Krankenhausreformanpassungsgesetz]
       (KHAG) verabschiedet. Die Oppositionsparteien Grüne, Linke und AfD stimmten
       dagegen. Ende März soll der Entwurf dem Bundesrat vorgelegt werden. Damit
       ist die umstrittene Reform der Reform auf dem Weg.
       
       [2][Gesundheitsministerin Nina Warken] (CDU) bezeichnete ihren
       Gesetzentwurf bei der Debatte im Bundestag als „praxisnahe Verbesserung“
       des noch von ihrem Vorgänger Karl Lauterbach (SPD) erdachten
       Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG). Kritiker:innen sehen
       das Update dagegen eher als Verwässerung der ambitionierten Reform, die
       selbst erst seit einem Jahr in Kraft ist. So sagte Janosch Dahmen,
       gesundheitspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion, es sei eine „faktische
       Rückabwicklung“ der Krankenhausreform der vergangenen Legislatur.
       
       Grob geht es bei der Krankenhausreform darum, dass es weniger und dafür
       bessere Kliniken in Deutschland gibt. Außerdem soll wirtschaftlicher Druck
       von den Häusern genommen werden, indem sie durch die Spezialisierung auf
       sogenannte Leistungsgruppen eine Vorhaltevergütung bekommen. Das bedeutet,
       sie führen vor allem die Behandlungen durch, mit denen sie sich gut
       auskennen. Dafür erhalten sie unabhängig von Fallzahlen Geld.
       
       Das KHAG nimmt an diesen Punkten einige zentrale Änderungen vor. So sollen
       zunächst mehr Ausnahmen bei den Leistungsgruppen möglich sein. In Absprache
       mit den Krankenkassen können Krankenhäuser dann Leistungsgruppen bis zu
       sechs Jahren angehören, für die sie eigentlich nicht die qualitativen
       Voraussetzungen erfüllen. Für Gesundheitsministerin Warken (CDU) entstehen
       so „realistische Fristen, die ein solides Fundament für den
       Transformationsprozess bieten“. Anders Günen-Politiker Dahmen: „Durch die
       umfangreichen Ausnahmen von bestehenden Regeln führt das Gesetz dazu, dass
       die Qualität sinkt und die Kosten steigen“, sagte er der taz.
       
       ## Linke fordert Gewinnverbot
       
       Auch die Regelung der Vorhaltefinanzierung wird mit dem neuen Gesetz erst
       einmal in die Zukunft verlegt. Bis dahin gilt weiter das alte
       Fallpauschalensystem. „Das ist die Hauptursache des aktuellen Elends“,
       kritisierte Ates Gürpinar (Linke) in der Debatte. Statt einer Reform, die
       sich am Bedarf orientiere und „ökonomische Zwänge“ überwinde, konserviere
       die Regierung bestehende Strukturen, sagte Gürpinar. Daraus schlügen
       private Krankenhauskonzerne Milliardengewinne. Die Linksfraktion forderte
       deswegen ein Gewinnverbot bei Krankenhäusern.
       
       Die SPD-Fraktion trat in der Bundestagsdebatte eher zurückhaltend auf. Zwar
       trägt sie den Entwurf der CDU-Gesundheitsministerin mit, gleichzeitig war
       die SPD mit Karl Lauterbach maßgeblich an der ersten Reform beteiligt. In
       der Debatte hob für die SPD-Fraktion Christos Pantazis hervor, dass die
       Finanzierung neu geregelt wurde. Statt die 50 Milliarden Euro Kosten des
       Transformationsprozesses zu gleichen Teilen auf Länder und Gesetzliche
       Krankenversicherung (GKV) aufzuteilen, übernimmt der Bund nun den Teil der
       GKV. „Jetzt wird das Vorhaben über alle, nicht nur den Beitragszahler
       finanziert“, sagte Pantazis. Wie zuvor für CDU-Gesundheitsministerin Warken
       ist für Pantazis „praxisorientiert“ das Wort der Stunde.
       
       Für die Grünen-Fraktion stellt das KHAG ein Einknicken der Regierung vor
       den Lobbyverbänden und dem Druck der Länder dar. „Wir geben inzwischen eine
       Milliarde Euro pro Tag für die Gesundheitsversorgung aus“, sagt Dahlem der
       taz. „Und die Koalition unternimmt nichts an mutigen Strukturreformen, um
       diese Entwicklung in den Griff zu kriegen“, sagt der Grünen-Politiker.
       
       6 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
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