# taz.de -- Pläne der Bundesregierung: Gaskraftwerke statt Batteriespeicher
> Die Wirtschaftsministerin will neue Reserveanlagen durch
> Stromkund:innen finanzieren lassen. Die Kritik: Fossile Energie werde
> damit begünstigt.
(IMG) Bild: Für die Dunkelflaute will sie Gaskraftwerke: CDU-Wirtschaftsministerin Reiche im Bundestag
Verbraucher:innen müssen sich auf eine neue Umlage einstellen, die den
Strompreis erhöhen könnte. Sie soll dazu dienen, Reservekraftwerke für die
Stromproduktion zu finanzieren. Das geht aus einem Gesetzentwurf des
Bundeswirtschaftsministeriums hervor. Allerdings fehle bislang eine
konkrete Regelung dazu, wie die Umlage ausgestaltet werde, kritisiert die
grüne Energieexpertin Katrin Uhlig.
Auf Basis des Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätsgesetzes will die
Bundesregierung noch dieses Jahr neue Anlagen mit einer elektrischen
Leistung von 9 Gigawatt ausschreiben. Diese sollen Strom liefern, wenn
Sonnen- und Windkraftwerke es wegen des Wetters nicht tun können. Da die
Kraftwerke oder auch großen Stromspeicher nur als Reserve gedacht sind,
werden sie selten in Betrieb sein, weshalb die Elektrizitätsfirmen sie
nicht über den Stromverkauf am Markt refinanzieren können. Deshalb braucht
es einen staatlichen Mechanismus, um die Kosten zu decken. Dafür ist die
Umlage gedacht, die wohl auf die Rechnungen der Privathaushalte und Firmen
aufgeschlagen würde.
Die 9 Gigawatt entsprechen zum Beispiel einer Größenordnung von 20 großen
Gaskraftwerken. Sie sollen mindestens 15 Jahre funktionieren,
wahrscheinlich überwiegend mit fossilem Erdgas laufen, allerdings auch für
Wasserstoff geeignet sein. Ab 2045 müssen sie klimaneutral arbeiten, etwa
grünen, mittels Ökostrom erzeugten Wasserstoff verfeuern oder das
verursachte Kohlendioxid auffangen. Neben diesen Ausschreibungen sind ab
2027 weitere kleinere Versteigerungen für Reservekapazitäten geplant.
Die Umlage wurde auch schon unter dem grünen Wirtschaftsminister Robert
Habeck diskutiert, dem Vorgänger der jetzigen Ministerin [1][Katherina
Reiche] (CDU). Allerdings kam es nicht zu einem Beschluss. Nun bemängelt
die grüne Bundestagsabgeordnete Uhlig, dass die Regierung die Umlage auf
den Weg bringe, ohne Angaben zu machen, welche Belastung auf die
Stromkunden zukomme. Eine andere Variante bestünde in einer teilweisen
(Vor-)Finanzierung der Reserveanlagen durch den Bundeshaushalt.
## Kritiker:innen: Die Ministerin begünstigt fossile Energie
Die intransparente Umlage ist nur einer der Kritikpunkte. Bei den 9
Gigawatt seien die „Ausschreibungskriterien auf fossile Gaskraftwerke
zugeschnitten und Batteriespeicher quasi ausgeschlossen“, sagt der grüne
Abgeordnete Alaa Alhamwi. Er bezieht sich auf Regelungen im Gesetzentwurf
zur Betriebsdauer der Reservekapazitäten. Diese sollen zehn Stunden mit
voller Leistungen laufen können, und das nach einer Stunde Pause erneut
erreichen – technisch für Batteriespeicher derzeit unmöglich, erklärt
Alhamwi.
Dieses Ausschreibungskriterium hat sich Reiches Wirtschaftsministerium
[2][offenbar vom baden-württembergischen Energiekonzern EnBW erarbeiten
lassen]. Die Kritiker:innen argumentieren, dass die Ministerin fossile
Energie begünstigen, erneuerbare Energie dagegen benachteiligen wolle. Der
Umweltverband BUND und die Firma Naturstrom teilen die Kritik.
Bisher ist dem Gesetzentwurf nicht zu entnehmen, ob die neuen Gaskraftwerke
in den kommenden 15 Jahren nach und nach auf (grünen) Wasserstoff
umgestellt werden sollen. Das bemängelt der Bundesverband der
Energiewirtschaft: „Kritisch sehen wir daher, dass die Kriterien für den
Umstieg auf Wasserstoff für Gaskraftwerke erst nach den ersten beiden
Ausschreibungen bekannt gemacht werden sollen.“ Die Mitgliedsunternehmen
bräuchten „klare Signale für den Hochlauf des Wasserstoffs“.
So wie es bisher aussieht, laufen die neuen Reservekraftwerke vielleicht
bis 2045 mit fossilem Gas. Das könnte sich zu einem Problem auswachsen.
Wenn die Wasserstoffökonomie sich nicht allmählich entwickelt und politisch
unterstützt wird, steht sie 2045 eventuell nicht zur Verfügung.
23 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Katherina-Reiche/!t6100268
(DIR) [2] https://www.lobbyregister.bundestag.de/media/67/f1/721321/Stellungnahme-Gutachten-SG2604100001.pdf
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(DIR) Hannes Koch
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