# taz.de -- Lars Klingbeils Reformrede: Ein Meister des Ungefähren
       
       > Die Ideen, die SPD-Chef Klingbeil in seiner Reformrede verkündet, klingen
       > ambitioniert. Ob sie durchsetzbar sind, ist hingegen mehr als fraglich.
       
 (IMG) Bild: Ein paar Aber und ganz viel SPD-Programm, Finanzminister Lars Klingbeil
       
       Wer befürchtet hatte, Lars Klingbeil würde nach den Wahlniederlagen eine
       neue Agenda 2010 verkünden, kann erst mal beruhigt sein. Die SPD will
       Blockaden sprengen. Doch dann kommen ein paar Aber und ganz viel
       SPD-Programm. In der Bundesrepublik gilt ein ehernes Gesetz: das
       Sowohl-als-auch-Gesetz. Und Lars Klingbeil ist ein Kind der Bundesrepublik.
       
       Wir müssen mehr arbeiten, verkündet der SPD-Chef. Er meint aber nicht
       [1][die Normalverdiener], sondern das Ehegattensplitting, das Frauen
       abhält, Vollzeit zu arbeiten. Später in Rente? Ja, aber laut Klingbeil nur
       Akademiker, die später angefangen haben zu arbeiten. Wir können, so einer
       der Merksätze des Finanzministers, „nicht mehr alle Probleme mit mehr
       Steuergeld lösen“. Das klingt rabiat. Sparen bedeutet, dass manche weniger
       bekommen. Wird man also selbst mehr für Gesundheit zahlen müssen? Wird es
       weniger Wohngeld geben, damit die Leute mehr arbeiten? Man erfährt es
       nicht.
       
       Die Merksätze und Überschriften von [2][Klingbeils Reformrede] – sparen und
       mehr arbeiten – klingen wie FDP, die Inhalte nach Sozialdemokratie. Der
       SPD-Chef will eine Einkommensteuerreform, die fast alle entlastet, nur die
       oberen 5 Prozent nicht. Er will mehr Ganztagsbetreuung und eine staatliche
       Wohnungsbaugesellschaft, die auch eher Geld kosten würde. Wie verträgt sich
       das mit dem Sparen?
       
       Man kann bezweifeln, ob mit der Merz-Union die Abschaffung des
       Ehegattensplittings und niedrigere Steuern für Normalverdiener und höhere
       Steuern für Reiche machbar sind. In den Koalitionen mit Kanzlerin Angela
       Merkel konnte die SPD ungestört werkeln. Das ist jetzt anders. Die
       Merz-Union glaubt, ihre heillosen Wahlversprechen umsetzen zu müssen, die
       Rezession macht viele sowieso nervös. Es ist fraglich, ob die angeschlagene
       SPD in dieser Lage die Ideen, die ihr Chef skizziert, umsetzen kann. Im
       schlimmsten Fall könnte Klingbeil, der Meister des Ungefähren, nur die
       Stichworte für die konservative Agenda von Schwarz-Rot geliefert haben: Wir
       müssen sparen und mehr arbeiten.
       
       25 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Verzwergung-der-SPD/!6165481
 (DIR) [2] https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-03/grundsatzrede-lars-klingbeil-arbeitsmarkt-wirtschaftswachstum-gxe
       
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 (DIR) Stefan Reinecke
       
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