# taz.de -- Maßnahmen gegen digitale Gewalt: Erhöhte Handlungsbereitschaft
       
       > Nach der Demo von Sonntag diskutiert die Berliner Landespolitik über
       > digitale Gewalt: Ein neues Projekt soll Schutzunterkünfte besser
       > vorbereiten.
       
 (IMG) Bild: Demo am Brandenburger Tor: Solidarität mit Collien Fernandes und allen Frauen, die von digitaler Gewalt betroffen sind
       
       Der Fall Collien Fernandes beschäftigt jetzt auch die Berliner
       Landespolitik. Nach einer Demo am Brandenburger Tor am Sonntag und
       Wortmeldungen aus dem schwarz-roten Senat befasst sich am Donnerstag auch
       das Abgeordnetenhaus auf Antrag von Grünen und Linken mit dem [1][Thema
       digitale Gewalt].
       
       Zuvor hatte etwa Berlins Gleichstellungssenatorin Cansel Kiziltepe
       Konsequenzen gefordert: „Der Fall erschüttert mich sehr und zeigt, wie tief
       digitale Gewalt in das Leben von Betroffenen eingreift“, sagte die
       SPD-Politikerin. „Das dürfen wir nicht hinnehmen.“ Auch der Regierende
       Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hatte sich auf X zu Wort gemeldet: „Es
       reicht nicht, nur über häusliche Gewalt zu sprechen – wir müssen den
       digitalen Raum in den Blick nehmen“, schrieb Wegner.
       
       Die Moderatorin und Schauspielerin Collien Fernandes hatte vergangene Woche
       [2][schwere Vorwürfe] gegen ihren Ex-Partner, den Schauspieler Christian
       Ulmen, erhoben. Er soll im Internet Fake-Profile, sogenannte Deepfakes, mit
       pornografischen Inhalten über sie erstellt haben.
       
       Bundesjustizministerin Stefanie Hubig hat bereits [3][ein Gesetz
       angekündigt,] das Strafbarkeitslücken schließen und das Strafmaß
       verschärfen soll. Zuspruch kam am Wochenende von Berlins Innensenatorin
       Iris Spranger (SPD): „Der Rechtsstaat darf hier nicht länger
       hinterherlaufen“, erklärte sie. Nötig seien klare Eingriffsbefugnisse,
       damit Täter schnell identifiziert, Straftaten nachgewiesen und Inhalte im
       Netz konsequent gelöscht werden könnten.
       
       ## Collien Fernandes ist kein Einzelfall
       
       Unterdessen forderten am Sonntagnachmittag Tausende Menschen bei [4][einer
       kurzfristig organisierten Demonstration] in Berlin-Mitte ein Ende der
       Straflosigkeit im Netz. Aufgerufen hatten das Bündnis [5][Feminist Fight
       Club] gemeinsam mit der Initiative [6][Nur Ja heißt Ja]. Auch Collien
       Fernandes hatte den Aufruf geteilt.
       
       Die Redner*innen betonten, dass die mutmaßlichen Erlebnisse der
       Schauspielerin kein Einzelfall sind. Die Aktivistin Theresia Crone etwa
       schilderte, wie in ihrem Deepfake-Fall ein Urteil nicht wegen der
       sexualisierten Gewalt, sondern infolge einer Urheberrechtsverletzung
       ergangen sei. Das sei Ausdruck des deutschen Rechtssystems.
       
       Josephine Ballon von [7][HateAid] kritisierte, Deepfakes würden bislang als
       „Bagatelldelikt“ gelten. Nach Anzeigen bekämen Frauen häufig Post von der
       Staatsanwaltschaft, die „kein öffentliches Interesse an der
       Strafverfolgung“ bekunde. Ein Profilbild auf Instagram reiche bereits aus,
       um Deepfakes von einer Person zu erstellen, berichtete Ballon.
       
       ## Auch Tech-Szene im Fokus
       
       Auch die Klimaaktivistin Luisa Neubauer sprach bei der Demonstration. Sie
       könne das Thema digitale Gewalt nicht ignorieren. Zu persönlich, zu
       erdrückend sei es auch für sie geworden. „Tech-Oligarchen machen Profit zum
       Preis unserer Körper. Männer im Internet [8][erfinden einen Knopf, um mich
       auszuziehen]“, sagte Neubauer. Es stelle sich die Machtfrage: „Wer
       kontrolliert den digitalen Raum?“ Solange Männer das Recht auf sexuelle
       Selbstbestimmung als „Nice-to-have“ abtäten, bleibe die Straße der einzige
       Ort der Gegenwehr.
       
       Aus dem Senat hieß es, man sei unabhängig vom Bund bereits tätig geworden.
       „Unser Ziel ist klar: Niemand darf mit digitaler Gewalt allein bleiben“,
       sagte Gleichstellungssenatorin Kiziltepe. In dem Zusammenhang verwies sie
       auf ein neues Projekt gegen digitale geschlechtsspezifische Gewalt aus dem
       sozialen Umfeld, das kürzlich gestartet sei. Mit Fortbildungen und
       technischer Beratung sollen Beratungsstellen und Schutzunterkünfte in
       Berlin unterstützt werden, damit betroffene Frauen schneller Hilfe
       bekommen.
       
       23 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Pauline Cruse
       
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