# taz.de -- Gewalt im Internet: Zu spät, zu schwach, zu abhängig von Big Tech
       
       > Digitale Gewalt ist ein Geschäftsmodell. Um sie zu verhindern, müssen
       > Plattformen reguliert werden. EU-Vorgaben zeigen, wie das funktionieren
       > kann.
       
 (IMG) Bild: Hunderttausende Frauen sind Erhebungen zufolge Opfer von manipulierten pornografischen Inhalten oder Nacktbildern geworden
       
       Was an der Debatte um die Deepfake-Fälle [1][rund um Collien Fernandes]
       aufregt, ist nicht nur das Ausmaß der Erniedrigung, sondern die Tatsache,
       dass dieses Leid vermeidbar gewesen wäre. Die [2][EU hat längst Vorgaben]
       gemacht, wie digitale Gewalt besser verfolgt und Plattformen stärker in die
       Pflicht genommen werden können. Deutschland hätte diese Richtlinien früher
       in nationales Recht überführen können.
       
       Stattdessen haben wir jahrelang zugesehen, wie Täter geschützt wurden,
       während Betroffene allein blieben. Die Politik reagiert erst jetzt, nachdem
       das Problem längst ein Massenphänomen geworden ist. Der [3][Gesetzentwurf
       von Justizministerin Hubig] enthält zwar Fortschritte. Dass künftig auch
       die Verbreitung solcher Bilder strafbar sein soll, ist ein längst
       überfälliger Schritt. Gleichzeitig bleibt ein gravierendes Schlupfloch
       bestehen.
       
       Wer [4][Deepfakes] mit einem Wasserzeichen versieht oder als „KI-generiert“
       kennzeichnet, könnte sich weiterhin der Verantwortung entziehen. Das sendet
       ein fatales Signal. Digitale sexualisierte Gewalt wird damit nicht
       konsequent als Gewalt anerkannt, sondern als technisches Detail verhandelt.
       Doch selbst ein strengeres Strafrecht wird nicht reichen. Die Dimension des
       Problems liegt in der Logik der Plattformen selbst.
       
       Die Europaabgeordnete [5][Alexandra Geese] bringt es auf den Punkt, wenn
       sie sagt, dass die reine Verfolgung der Täter nicht ausreichen wird. Die
       Bilder müssten von den Plattformen verschwinden. Aufgabe der
       Bundesregierung sei es, die Europäische Kommission dazu zu drängen, den
       [6][Digital Services Act] (DSA) konsequent gegen diese Plattformen
       durchzusetzen.
       
       Genau hier liegt der politische Kern. Der DSA ist ein Instrument, um
       Machtasymmetrien im digitalen Raum zumindest ein bisschen einzudämmen. Wenn
       er nicht konsequent angewendet wird, bleibt er ein Papiertiger. Digitale
       Gewalt ist keine Randerscheinung der Technologie. Sie ist ein
       Geschäftsmodell, das auf Reichweite, Aufmerksamkeit und Straflosigkeit
       basiert. Wer Frauen wirklich schützen will, muss Plattformen regulieren.
       
       25 Mar 2026
       
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