# taz.de -- Digitale Gewalt: Medien können Frauenfeindlichkeit befeuern
> Darstellungen von Frauen in sozialen Medien, Werbung und Nachrichten
> prägen den Blick der Gesellschaft, zeigt eine neue Studie. Und was jetzt?
(IMG) Bild: In manchen Filmen sind Frauen nur reine Verfügungsmasse: Marty Supreme mit dem Schauspieler Timothée Chalamet
Eine Freundin schreibt mir, ob ich [1][den Fall Fernandes/Ulmen] mit den
[2][sexualisierten Deepfakes] mitbekommen habe. Ich sehe die Nachricht, als
ich gerade aus dem Kino komme. Dort habe ich den neuen Film „Marty Supreme“
geschaut, in dem Frauen nicht mehr [3][als „reine Verfügungsmasse“] für den
männlichen Hauptcharakter sind. Auf dem Heimweg höre ich Musik von Rappern,
die darüber singen, mit wie vielen Frauen sie schon Sex gehabt haben. Die
Medien sind voll von misogynen Inhalten – Welche Auswirkungen das auf uns
hat, wurde in [4][einer neuen Meta-Studie] untersucht.
## Die Studie
Frauenfeindliche Medieninhalte begünstigen herabwürdigende Einstellungen
und feindseliges Verhalten gegenüber Frauen. Dieser Effekt zeigt sich
besonders deutlich bei Männern, ist aber auch bei Frauen nachweisbar. Zu
diesem Ergebnis kommt ein Forschungsteam um Christa Nater von der
Universität Bern. Das Forschungsteam wertete 257 Studien aus einem Zeitraum
von 47 Jahren mit mehr als 130.000 Teilnehmenden aus. Die Studien fanden
überwiegend in Europa und Nordamerika statt.
In den untersuchten Studien wurden die Teilnehmenden entweder beim
Medienkonsum beobachtet oder gezielt misogynen Inhalten ausgesetzt.
Berücksichtigt wurde eine breite Palette an Medien, darunter Film,
Fernsehen, Musik, Werbung und soziale Netzwerke. Die misogynen
Darstellungen zeigten explizite Gewalt gegen Frauen, auf ein männliches
Publikum zugeschnittene pornografische Inhalte oder die Demütigung von
Frauen.
Die Studien zeigten, dass die Teilnehmenden aggressiver reagierten, stärker
zu herabwürdigenden Stereotypen neigten, Frauenrechte eher ablehnten,
Frauen stärker objektifizierten und Vergewaltigungsmythen eher
akzeptierten. Der Effekt fiel allerdings unterschiedlich stark aus.
Besonders heftig waren die Reaktionen bei explizit misogynem Material.
Gewalttätige Darstellungen führten bei Männern am ehesten zu aggressiven
Reaktionen.
Vor allem jüngere Menschen reagierten stark auf die Inhalte. Die
Forschenden führen dies auf die geringere Lebenserfahrung sowie den noch
nicht vollständig entwickelten präfrontalen Kortex zurück. Dieser ist das
Vernunftzentrum des Gehirns.
## Was bringt’s?
Die Studie trifft keine spezifischen Aussagen zur Wirkung von Social Media,
also dem Medium, auf dem sich viele junge Menschen aufhalten. Auch bleibt
offen, inwiefern Personen mit bereits bestehenden misogynen Einstellungen
gezielt entsprechende Inhalte konsumieren. Dennoch zeigt sie, dass
Medieninhalte stärker reflektiert und moderiert werden sollten, um diese
Gewaltspirale nicht zu verstärken. Maximilian Krug von der Universität
Duisburg-Essen fordert auf Grundlage der Ergebnisse eine stärkere Förderung
von Medienkompetenz, die institutionelle Anerkennung struktureller Gewalt
sowie verbesserte Meldemechanismen auf Plattformen.
29 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Demo-gegen-sexualisierte-Gewalt-im-Netz/!6164962
(DIR) [2] /Gesetzentwurf-zu-sexualisierter-Gewalt/!6165065
(DIR) [3] /Oscar-Kanditat-Marty-Supreme-mit-Timothee-Chalamet-Actiongeladener-Wahnsinn/!6157150
(DIR) [4] https://www.sciencemediacenter.de/angebote/misogynie-konfrontation-in-medien-und-frauenfeindliche-haltung-26048
## AUTOREN
(DIR) Amélie Richter
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