# taz.de -- Feministischer Fernandes-Fonds: Linke spenden ihre Diäten
       
       > Aus Erschütterung über die digitale Gewalt gegen Frauen wollen die Linken
       > im Bundestag ihre Einkommen deckeln und geschlossen spenden. Ein
       > Streitpunkt bleibt.
       
 (IMG) Bild: Will nicht nur von anderen Reichen Umverteilung fordern, sondern schreitet selbst voran: Heidi Reichinnek im Bundestag
       
       Es ist ein Schritt, der selbst langjährige Beobachter der Hauptstadtpolitik
       überrascht: Die Linksfraktion will geschlossen auf einen Großteil ihrer
       Diäten verzichten, wie ein Sprecher der Fraktion der taz am Mittwoch
       mitteilte. Demnach wollen die Abgeordneten von den gut 11.800 Euro brutto
       künftig nur noch ein Einkommen auf dem Niveau von Facharbeiter:innen
       für sich behalten. Das entspricht netto circa 2.850 Euro.
       
       Das übrige Geld soll in den neu eingerichteten Fernandes-Fonds fließen, der
       Projekte für gewaltbetroffene Frauen und Queers finanziert. Darunter:
       Frauenhäuser und Beratungsstellen, denen unter SPD und Union akut Kürzungen
       drohen. Auch Träger feministischer Bildungsangebote, die durch [1][die
       Umstrukturierung des Demokratie-Leben-Programms vor dem Aus stehen], sollen
       davon profitieren. Für März wollen die Linken gar ihr ganzes Gehalt an ein
       Projekt von migrantischen Frauen spenden.
       
       Anlass für die Entscheidung sei die „tiefe Betroffenheit“ über die
       [2][virtuelle Vergewaltigung] der Schauspielerin Collien Fernandes gewesen,
       erklärt Heidi Reichinnek der taz. „Als ich gehört habe, was Collien und
       viele andere Frauen durchmachen, hat sich bei mir ein Schalter umgelegt.
       Ich hatte das Bedürfnis, statt des hundertsten TikTok-Videos hier und jetzt
       etwas Sinnvolles zu tun“, so die Fraktionsvorsitzende.
       
       Keine Widerstände gegen Umverteilung mehr 
       
       Besonders bemerkenswert ist die Einigung angesichts der bisherigen
       Widerstände gegen Umverteilung in der Linksfraktion. Der kollektive
       Diäten-Deckel ist ein alter Zankapfel unter den Genoss*innen, der bis
       zuletzt für heftige interne Diskussionen sorgte. Einzelne, wie die
       Parteivorsitzenden [3][Ines Schwerdtner und Jan van Aken] hatten schon vor
       der Bundestagswahl angekündigt, [4][auf einen Großteil des Geldes zu
       verzichten].
       
       Andere hatten sich vehement gegen eine kollektive Regelung gestellt. „Wer
       aus einer Arbeiterfamilie kommt, jung ist und zum ersten Mal im Bundestag
       sitzt, könnte das Geld meinetwegen erst mal behalten“, findet etwa Gregor
       Gysi. „Aber ich habe in meinem Leben nun wirklich genug verdient“,
       begründete der 78-Jährige im Gespräch mit der taz seine neuerliche
       Zustimmung zum gemeinsamen Kurs. „Frauen, die von Gewalt betroffen sind,
       brauchen das Geld dringender als ich.“
       
       Dietmar Bartsch, der 1998 das erste Mal in den Bundestag eingezogen war,
       postete nun eine Kachel auf Instagram, auf der es heißt: „Männer, die den
       Gender-Pay-Gap kritisieren, aber das Doppelte verdienen wie ihre Partnerin,
       kann ich nicht ernst nehmen.“ Er schrieb weiter, es fühle sich „gut an,
       endlich einen Beitrag zum Feminismus zu leisten“.
       
       Die Spiegel-Veröffentlichung der Vorwürfe von Fernandes gegen ihren Ex-Mann
       hatte eine bundesweite Debatte über Gewalt und [5][Demonstrationen mit bis
       zu 20.000 Teilnehmenden] ausgelöst. Umgestimmt hat das auch eine Genossin,
       die anonym bleiben möchte. „Der Schritt ist nötig, wenn wir als moderne
       feministische Partei [6][glaubwürdig bleiben] und nicht als
       Salonsozialisten in der Bedeutungslosigkeit versinken wollen. Wir sind
       schließlich weder die CDU noch die SED“, sagt die Abgeordnete.
       
       ## Streit über Start-up
       
       Einen kleinen Streitpunkt gibt es dann doch. Nach Ansicht des
       digitalpolitischen Sprechers, Bodo Ramelow, des Sprechers für
       Geschlechtergerechtigkeit, Christian Görke, sowie des Sprechers für Polizei
       und Justiz, Ferat Koçak, soll der neu gegründete Fonds auch ein Start-up
       fördern: das von Frauen geführte Tech-Unternehmen „We'llGetYouAll“. Die
       Firma hat ein spezielles Tool entwickelt, um bei Deepfakes die IP-Adressen
       der Täter zu ermitteln.
       
       Das geht manchen wohl zu weit. Einige in der Fraktion fürchten, dass es mit
       den Daten der Täter bundesweit zu feministischen Racheaktionen kommen
       könnte, erzählt eine Abgeordnete der taz hinter vorgehaltener Hand. Ein
       Vertreter der antikapitalistischen Strömung sagte indes, er wolle sein
       Einkommen „einfach nicht an eine profitorientierte Klitsche spenden –
       Feminismus hin oder her“. Auf die offizielle taz-Anfrage antwortet der
       Parlamentarische Geschäftsführer der Fraktion: „Wir müssen zunächst prüfen,
       ob die Förderung reiner Frauen-Firmen mit unseren Richtlinien gegen
       Diskriminierung vereinbar ist.“
       
       Inspiration für den Diäten-Deckel sei laut Heidi Reichinnek übrigens die
       Linke im Berliner Abgeordnetenhaus gewesen, die schon [7][in der Coronazeit
       rund 25.000 Euro an Frauenprojekte] gespendet hatte. Im Bundestag rechnet
       man nun mit einer deutlich höheren Summe – mindestens 1,5 Millionen Euro.
       Aus der Fraktion heißt es, das am 1. April verkündete Modell solle zunächst
       bis zum Ende der Legislatur erprobt werden. Man hoffe auf Signalwirkung
       über die eigene Partei hinaus.
       
       Hinweis: Dieser Beitrag wurde als Aprilscherz veröffentlicht. Er enthält
       zahlreiche falsche Tatsachenbehauptungen. (2.4.2026)
       
       1 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Kasia Lohfink
       
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