# taz.de -- Theater über Elon Musk: Die Elon-Transformation
       
       > In der Performance „Musk on Mars“ im Heimathafen sieht sich der
       > exzentrische Tech-Guru und potenzielle interplanetare Disruptor mit einer
       > marsianischen Einwanderungsbehörde konfrontiert.
       
 (IMG) Bild: Sara-Hiruth Zewde als Muskonaut / Elon Musk
       
       Die Planeten Mars und Erde nähern sich einander an. Nicht unbedingt, was
       die kosmischen Distanzen angeht: Sie schwanken schon weiterhin recht stabil
       im Rahmen der Bewegungen auf den elliptischen Umlaufbahnen der
       Himmelskörper um das Zentralgestirn. Aber in Sachen Unbewohnbarkeit für
       lungenaktive Säuger tue sich da was, schlussfolgert die in silbern
       glänzenden Astronautenlook gehüllte Performerin Sara-Hiruth Zewde in der
       Eingangssequenz von „Musk on Mars“.
       
       Denn in den letzten Jahrzehnten hat der Anteil von für Lungenatmer
       schädlichem Kohlendioxid in der Erdatmosphäre ja zugenommen, erinnert sie.
       Und auch was die immer löchriger werdende Atmosphärenschicht angehe,
       steuere der blaue Planet auf marsianische Verhältnisse mit dünner
       Atmosphäre und damit schlechtem Schutz vor kosmischer Strahlung zu.
       
       Trotzdem habe sich so ein Erdling, einer sogar, der mit seinem eigenen Tun
       nicht ganz unbeteiligt an Umweltschäden auf der Erde sei, gerade auf den
       interplanetaren Weg gemacht, sagt Zewde. Sie nimmt dabei die Position
       [1][der indigenen Marsbevölkerung] ein, und sie animiert auch das Publikum,
       sich als Teil einer solchen hübsch vernetzten Mikrobengesellschaft zu
       begreifen, die sich im tiefen Gestein des Planeten angesiedelt und
       ausgebreitet habe.
       
       Das ist ein hübscher Zug der Autorin und Regisseurin Alisa Tretau, den
       Weltraumabenteurer Musk mal aus indigener Perspektive zu betrachten – und
       zugleich eine Machtposition ihm gegenüber einzunehmen. Denn das
       Heimathafen-Publikum wird mittels bunter Textilwinkelemente in diesem Stück
       zum marsianischen Einwanderungsgericht ermächtigt. Das soll letztlich über
       die Aufnahme des von Marsbesiedelungsfantasien durchdrungenen
       Tech-Libertären entscheiden.
       
       ## Schon das irdische Wirken Musks ist zum Weglaufen
       
       Als Gedankenspiel ist das selbstverständlich reizvoll. [2][Der originale
       Elon] zeichnet sich in seinem irdischen Wirken schließlich dadurch aus,
       Regelsysteme anderer Akteure entweder mit Kettensägen zerstören zu wollen –
       etwa im Rahmen der von ihm geleiteten vermeintlichen
       Entbürokratisierungsbehörde Doge – oder externe Kontrollinstanzen gar nicht
       erst zuzulassen. Letzteres ließ sich prima beim Kampf der Tesla-Manager
       gegen die IG Metall bei den Betriebsratswahlen in der Giga Factory in
       Grünheide beobachten.
       
       In flott geschnittenen Videoclips fasst Marsrepräsentantin Zewde dann auch
       Musks irdisches Wirken zusammen, vom Kettensägenauftritt in den USA bis hin
       zur berüchtigten Szene in Grünheide über die dortige Ausbeutung des
       Wassers. Und auch Musks schon mal in die Welt posaunten Mars-Aktivitäten,
       vom Bau ganzer Städte bis hin zur Gewinnung von Wasser durch nukleare
       Sprengung des Eises der Polkappen, werden in die Debatte eingebracht.
       
       In der Aufführung im Heimathafen predigten Zewde und Tretau allerdings zu
       vermutlich schon vorher Bekehrten. Musk schien dem Gros dieses
       Einwanderungsgerichts nicht vermittelbar. Spannend war aber auch, dass
       [3][mitten in Neukölln] niemand Bedenken anmeldete, in dieser theatralen
       Versuchsanordnung Teil einer Einwanderungskontrollbürokratie zu werden. Im
       Zuge der Anpassung an marsianisches Leben präsentierte Zewde am Ende noch
       [4][die Musk-Identität] in verwandelter Konsistenz. Statt aus Haut, Fleisch
       und Knochen bestand sie aus süßlich riechender Knetmasse, die zur
       Inspektion im Raum verteilt wurde.
       
       ## Ein Abend voll Knete und Hingabe
       
       „Musk on Mars“ erwies sich als eine mit voller Hingabe gemachte
       Politparodie mit launigen Interaktionselementen. Das Publikum agierte nicht
       nur als Einwanderungsgericht. Es übernahm auch weitere marsianische Rollen,
       las etwa laut Fragen der Marsianer an Musk vor. Tretau, die in der
       Vergangenheit auch mit dem politaktivistischen Peng! Kollektiv
       zusammenarbeitete, zeigte in „Musk on Mars“ auf vergnügliche Art die Kluft
       zwischen libertären Superreichen und Normalbevölkerung auf.
       
       Gerne hätte man eine mobile Version aber auch mal im RE1 zwischen Berlin
       und dem Giga-Factory-Bahnhof Fangschleuse gesehen, mit der
       Tesla-Belegschaft als Publikum. Spannend, wie da eine Abstimmung ablaufen
       würde.
       
       22 Mar 2026
       
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