# taz.de -- Zuckersteuer im Bundesrat: Wie süß darf’s denn sein?
> Schleswig-Holstein will eine Zuckersteuer im Bundesrat einfordern.
> Wissenschaftler:innen halten das für eine gute Idee, aber kein
> Allheilmittel.
(IMG) Bild: Lecker, aber nicht sonderlich gesund. Eine Zuckersteuer soll die Hersteller zum Umdenken bewegen
Bekommt Deutschland eine Zuckersteuer? Der schleswig-holsteinische
Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) will im Bundesrat einen
[1][entsprechenden Antrag] einreichen. [2][Beim CDU-Parteitag] in Stuttgart
war Günthers Vorschlag abgelehnt worden. Jetzt versucht es der
CDU-Politiker über die Länderkammer.
Mehr als hundert Länder, darunter Großbritannien, Mexiko und die USA, haben
bereits ähnliche Steuern eingeführt. Auch die WHO empfiehlt diesen Schritt
seit Jahren. Im [3][Deutschen Bundestag] sind ähnliche Ansätze bisher
gescheitert. Doch Wissenschaftler:innen sehen Hinweise darauff, dass
eine Zuckersteuer zumindest ein Anfang für eine bessere
Gesundheitsprävention sein könnte.
„Zucker an sich ist nicht das große Problem, sondern die Menge“, sagt Marc
Tittgemeyer, Experte für Stoffwechselforschung beim Max-Planck-Institut
Köln, bei einer Informationsveranstaltung am Donnerstag. Eingeladen hat das
Science Media Center, eine laut Selbstbeschreibung gemeinwohlorientierte
Institution, die von der Wissenschaftspressekonferenz und der gleichnamigen
Stiftung von SAP-Gründer Klaus Tschira gefördert wird.
Ein übermäßiger Zuckerkonsum führe zu Übergewicht und das erhöhe die
Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes, sagt
Tittgemeyer. „Etwa 60 Prozent der Deutschen sind mittlerweile
übergewichtig.“
## Bringt die Zuckersteuer was?
Den Effekt einer Zuckersteuer wissenschaftlich zu bewerten, sei hingegen
komplex, sagt Karl Emmert-Fees von der Technischen Universität München.
„Hierbei handelt es sich um Effekte, die erst nach zehn oder zwanzig Jahren
erkennbar sein werden“, erklärt er. Genau das haben Emmert-Fees und sein
Team in einer [4][Modellierungsstudie] betrachtet. Das Ergebnis: Eine
Steuer speziell auf zuckergesüßte Getränke würde zu durchschnittlich 2 bis
3 Gramm weniger Zuckerkonsum pro Tag führen. „Auf 20 Jahre hochgerechnet
könnten so etwa 250.000 Diabetesfälle verhindert werden“, sagt Emmert-Fees.
Laut der Studie würden dadurch Kosten in Milliardenhöhe eingespart werden.
„Einerseits direkt im Gesundheitssystem, und der Rest dadurch, dass
Menschen weniger krank sind, mehr arbeiten können und nicht vorzeitig
versterben“, erklärt Emmert-Fees. Auch wenn die Studie bereits aus dem Jahr
2023 stammt, seien die Erkenntnisse nach wie vor aktuell, meint
Emmert-Fees. „So viel hat sich seitdem nicht geändert, diese Getränke
werden weiterhin viel konsumiert“, sagt er.
Auch Sarah Forberger vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung in
Bremen sieht eine Zuckersteuer auf Limos und Co als sinnvolles Instrument
an. Besonders, da diese Getränke vor allem bei Kindern und Jugendlichen
beliebt seien. Forberger gibt zu bedenken, dass genau geklärt werden müsse,
welche Getränke von einer Steuer eingeschlossen werden. Zählen auch
Energydrinks dazu? Instanttee und -kaffee? Fruchtsäfte? „Die haben alle
einen sehr hohen Zuckergehalt“, sagt Forberger.
## Sind Süßstoffe wirklich gesünder?
Die Expertin für Gesundheitspolitik spricht einen weiteren Punkt an: Wenn
die Steuer nach britischem Vorbild eine Herstellersteuer wird, also nicht
die Käufer:innen belasten würde, sondern die Unternehmen, könnte dies
dazu führen, dass diese zwar weniger Zucker, aber mehr Süßstoff verwenden.
In England hatte die Steuer den Effekt, dass durch die höheren Abgaben
weniger Zucker in die süßen Limonaden gepackt wird.
Ob Zuckerersatzstoffe so viel besser als Zucker sind, sei aus
wissenschaftlicher Perspektive noch nicht abschließend geklärt, sagt Marc
Tittgemeyer vom Max-Planck-Institut. Bei einigen Stoffen, wie etwa
Sucralose, wisse man aber schon, dass sie einen kontraproduktiven Effekt
haben. „Sie gaukeln dem Gehirn vor, dass Kalorien kommen“, erklärt
Tittgemeyer. Da die dann aber gar nicht wirklich kommen, reagiert der
Körper mit Hunger. „Und dann essen wir sogar mehr, statt weniger“, erklärt
er.
Die Expert:innen sind sich in der Runde einig: Es braucht Anreize für
eine gesündere Ernährung und bessere Prävention für Übergewicht. „Eine
Zuckersteuer ist kein Allheilmittel, aber sie kann ein Baustein sein“, sagt
Forberger. Für einen echten Gesundheitsgewinn müsse man aber über einen
ganzen Katalog an Maßnahmen nachdenken: „Etwa Werbebeschränkungen, gesunde
Kita- und Schulverpflegung und Wasserversorgung im öffentlichen Raum.“
Der Antrag aus Schleswig-Holstein soll am kommenden Freitag im Bundesrat
diskutiert werden.
20 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://dserver.bundestag.de/brd/2026/0145-26.pdf
(DIR) [2] /CDU-Parteitag/!6156511
(DIR) [3] /Oezdemir-fuer-Junkfood-Werbeverbot/!5915738
(DIR) [4] https://journals.plos.org/plosmedicine/article?id=10.1371/journal.pmed.1004311
## AUTOREN
(DIR) Clara Dünkler
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