# taz.de -- Gespräche auf der Leipziger Buchmesse: Alle gegen Weimer
       
       > Gegen den Kulturstaatsminister können sich in Leipzig alle in Rage reden.
       > Die Buchbranche versichert sich ihres zivilgesellschaftlichen
       > Engagements.
       
 (IMG) Bild: Weimer, Weimer, Weimer – er dominiert die Leipziger Buchmesse ohne anwesend zu sein
       
       Die Stimmung ist: Man kommt schlicht nicht drum herum. Auch wenn der
       Kulturstaatsminister keinen Fuß in die Messehallen gesetzt hat, ist das
       jetzt, neben allem, was diese Buchmesse auch ist, zum großen Teil auch die
       Anti-Weimer-Buchmesse. Sebastian Guggolz hat vielen aus dem Herzen
       gesprochen, als er [1][auf der Eröffnungsfeier] von Stolz sprach. Er sei
       stolz auf die Branche, weil „wir Ihren autokratischen Gestus nicht klaglos
       akzeptieren“, sagte der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen
       Buchhandels Wolfram Weimer, der in der ersten Reihe saß, ins Gesicht.
       
       Damit traf er eine Einstellung, die auf der Messe mit Händen zu greifen
       ist. Eine Verlagsmitarbeiterin erzählt einem, immerhin sei mal wieder
       deutlich geworden, dass Buchhandlungen und Verlage systemrelevant seien für
       die kritische Öffentlichkeit. Ein Verleger gibt auf den sozialen Medien das
       Motto aus: „Make books dangerous again.“
       
       Dass die Buchhandlung Zur schwankenden Weltkugel dem Kulturstaatsminister
       eine strafbewehrte Unterlassungserklärung geschickt hat mit der
       Aufforderung, seinen Vorwurf, sie seien „politische Extremisten“, nicht zu
       wiederholen, wurde begrüßt. Es ist, als sei ein Ruck durch die engagierte
       Verlagsszene gegangen. Weimer wirkt schlicht auch motivierend.
       
       ## Ein Trump-Effekt?
       
       Das ist das eine. Das andere ist: Man begegnet auf den Gängen zwischen den
       Messeständen und abends auf den Empfängen auch einem gewissen Unmut
       darüber, sich in dieser Sache eigentlich nur gegenseitig selbst bestätigen
       zu können.
       
       Ein Trump-Effekt wird attestiert. Alle reden darüber, was Weimer [2][jetzt
       schon wieder gesagt hat] – ähnlich wie beim US-Präsidenten –, anstatt sich
       mit den wirklich wichtigen Problemen zu beschäftigen, vor denen diese Welt
       zu bersten scheint. So empörend das Agieren des Kulturstaatsministers auch
       sein mag, es zwingt gleichzeitig zu einem unterkomplexen Abarbeiten an ihm.
       
       So kann man Verlegern zuhören, die sich in Rage reden darüber, dass man
       noch nicht einmal konkret diskutieren kann, was denn gegen die drei vom
       Buchhandlungspreis ausgeschlossenen Buchhandlungen überhaupt vorliegt. Die
       Ansage: Es gebe da etwas Verfassungsschutzrelevantes, ohne zu sagen, was
       das denn sei, das gehe doch schlicht nicht in einem Rechtsstaat.
       
       ## Koordinaten nach rechts verschoben
       
       Beim [3][Leipziger Buchpreis] hat Katrin Schumacher, die Juryvorsitzende,
       viel von Wertschätzung für die Buchbranche gesprochen. Ohne Wolfram Weimer
       direkt zu erwähnen, implizierte das den eigentlichen Vorwurf, den viele in
       der Branche dem Kulturstaatsmister derzeit machen, neben dem, dass er die
       Koordinaten allgemein nach rechts verschiebt: Sie fühlen sich von dieser
       Kulturpolitik nicht wertgeschätzt.
       
       Und zwar konkret nicht, indem ohne nachvollziehbare Begründungen einzelne
       Buchhandlungen von Preislisten gestrichen werden. Aber auch darüber hinaus
       nicht, indem dieser Kulturstaatsminister mit den leeren bildungsbeflissenen
       Floskeln, die er dabei von sich gibt, die Debatten dominiert und die Zone,
       in der man über neue Romane und Sachthemen diskutieren könnte, sorry, mit
       Quatsch flutet.
       
       Es hat zuletzt Buchmessen gegeben, in denen die allgemeine Krisenstimmung
       vieles lähmte. Diese ist anders. Die Erfahrung gegenseitiger Wertschätzung
       mobilisiert die Branche dieses Jahr dann eben aus sich selbst heraus. So
       ist dies eine Buchmesse, in der sich die Branche ihres
       zivilgesellschaftlichen Engagements versichert. Und zugleich die Messe, in
       der sie sich sogar von dieser hanebüchenen Kulturpolitik nicht von ihren
       eigentlichen Gegenständen – den Autor*innen und Büchern – weglenken
       lassen will.
       
       20 Mar 2026
       
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 (DIR) Dirk Knipphals
       
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